Neue Anordnung in Ungarn Frauen müssen sich vor Abtreibung Herztöne des Embryos anhören

Eine rechtsextreme Oppositionspartei hat sich in Ungarn durchgesetzt: Frauen, die abtreiben lassen wollen, sind künftig zum Abhören embryonaler Herztöne verpflichtet.
Parlament in Budapest: Die neue Verordnung wurde in der Nacht ins ungarische Amtsblatt aufgenommen

Parlament in Budapest: Die neue Verordnung wurde in der Nacht ins ungarische Amtsblatt aufgenommen

Foto: Laszlo Balogh/ REUTERS

Der ungarische Innenminister Sandor Pinter hat eine neue Anordnung erlassen: Frauen, die abtreiben lassen wollen, müssen sich künftig die Herztöne des Embryos in ihrem Bauch anhören. Die Regelung wurde in der Nacht zum Dienstag ins Ungarische Amtsblatt aufgenommen.

Eine Frau muss demnach bei der Beantragung eines Schwangerschaftsabbruchs eine fachärztliche Bescheinigung vorweisen, derzufolge ihr »die Faktoren, die auf das Vorliegen der Lebensfunktionen des Embryos hinweisen, auf eindeutige Weise zur Kenntnis gebracht wurden«.

Die auch im Ungarischen umständlich klingende juristische Formulierung bedeutet Medienberichten zufolge, dass sich Frauen vor dem Schwangerschaftsabbruch die Herztöne ihre Embryos anhören müssen. Die Regelung tritt am Donnerstag in Kraft.

Die Idee, das Anhören der embryonalen Herztöne zur Bedingung für einen Schwangerschaftsabbruch zu machen, geht auf die rechtsextreme Partei Mi Hazánk (Unsere Heimat) zurück. Die Gruppierung zog nach der Wahl im vergangenen April erstmals ins Parlament ein. Obwohl zur Opposition gehörig, erhält sie in regierungsnahen Medien immer wieder Zuspruch und Unterstützung.

In Ungarn gilt für Abtreibungen eine Fristenlösung. Frauen können sich bis zur zwölften Woche auf eine persönliche Krisensituation berufen. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch eine Beratungspflicht. Der seit 2010 regierende Ministerpräsident Viktor Orbán gibt sich gerne als Vorkämpfer für christliche Werte und für das Ideal der traditionellen Familie.

als/dpa
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