Wegen Teilnahme an Sexparty Orbán kritisiert ertappten Parteifreund

Der ungarische EU-Politiker József Szájer wurde im belgischen Lockdown bei einer Orgie mit anderen Männern aufgegriffen. Regierungschef Victor Orbán geißelte das Verhalten seines Vertrauten nun als »inakzeptabel«.
Ungarns Premierminister Viktor Orbán

Ungarns Premierminister Viktor Orbán

Foto: © Francois Lenoir / Reuters/ REUTERS

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hat den EU-Abgeordneten seiner Fidesz-Partei József Szájer nach dessen Teilnahme an einer Sexparty scharf kritisiert. Szajers Handeln sei »inakzeptabel und nicht zu rechtfertigen«, hieß es in einer Erklärung Orbáns. Es entspreche nicht »den Werten unserer politischen Familie«.

Szajer hatte am Dienstag eingeräumt, an einer illegalen Party in Brüssel teilgenommen zu haben. Der 59-Jährige entschuldigte sich für den Verstoß gegen die Corona-Beschränkungen. Szajer ist Gründungsmitglied von Orbáns Fidesz-Partei – mittlerweile hat er die Partei verlassen und ist von seinem EU-Posten zurückgetreten. Orbán bezeichnete die Schritte als »einzig mögliche angemessene Entscheidung«.

Die Polizei hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Freitagabend eine Veranstaltung in einer Wohnung aufgelöst und die Teilnehmer wegen der Nichteinhaltung der Gesundheitsmaßnahmen verwarnt. Laut der Staatsanwaltschaft versuchte Szájer noch, über eine Regenrinne zu flüchten. Zudem seien Drogen in seinem Rucksack gefunden worden.

Medienberichten zufolge handelte es sich um eine Sexparty mit 25 Männern. »Plötzlich war mein ganzes Wohnzimmer voller Bullen«, berichtete der Organisator der Party der Zeitung »Het Laatste Nieuws«. »Sie fingen sofort an zu schreien: ›Personalausweis! Jetzt!‹ Aber wir hatten nicht einmal Hosen an, wie in Gottes Namen hätten wir so schnell unseren Ausweis herbeizaubern sollen?«

Für Szájer sind die Enthüllungen besonders peinlich, da er eine Schlüsselrolle bei einer durch die Fidesz-Partei vorangetriebene Verfassungsänderung spielte. Sie legt unter anderem fest, dass die Ehe ein Bund zwischen Mann und Frau sein muss. Zudem gilt Szájer als Vertrauter und europapolitischer Arm Orbáns, dessen Regierung immer wieder wegen der Untergrabung der Rechte sexueller Minderheiten in der Kritik steht.

Die ungarische Opposition warf der Regierungspartei nun Scheinheiligkeit vor. »Während Fidesz-Politiker uns über Christentum, Familie, traditionelle Geschlechterrollen und Moral belehren«, sagte der Vorsitzende der Oppositionspartei DK, Ferenc Gyurcsàny, »leben sie in Wirklichkeit ein völlig anderes Leben, so weit wie möglich von den Werten entfernt, die sie vertreten.«

kim/mrc/AFP
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