Ungleichheit zwischen Schwarzen und Weißen in den USA Woher die Wut stammt

Schwarze US-Amerikaner sind im Schnitt ärmer, kränker und haben weniger Bildungschancen als Weiße - daran hat sich seit Jahrzehnten fast nichts geändert. Die Datenanalyse.
Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod von George Floyd

Ausschreitungen in Minneapolis nach dem Tod von George Floyd

Foto: Lawrence Bryant/ REUTERS

Der American Dream - für die meisten Schwarzen ist er niemals Wirklichkeit geworden: Nach den Hispanics stellen die schwarzen Amerikanerinnen und Amerikaner mit gut 13 Prozent die zweitgrößte Minderheit der USA. Sie leben vor allem im Süden des Landes, in Texas, Florida und Georgia, viele auch in New York und Kalifornien.

Seit dem Civil Rights Act von 1964 ist eine Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe gesetzlich verboten. Trotzdem haben Afroamerikanerinnen bis heute mit sozialer und gesellschaftlicher Benachteiligung zu kämpfen.

High-School-Absolventen in Bedford-Stuyvesant, Brooklyn, New York 2015 AP Photo/ Seth Wenig

High-School-Absolventen in Bedford-Stuyvesant, Brooklyn, New York 2015

AP Photo/ Seth Wenig

Die gute Nachricht: In den letzten Jahrzehnten haben sich die Bildungsunterschiede zwischen schwarzen und weißen US-Amerikanern etwas verringert, wie man am Anteil der Highschool-Abschlüsse der schwarzen und weißen US-Amerikaner erkennen kann.

Und doch bekommen Afroamerikaner seltener Zutritt zu Eliteunis und spezialisierter Ausbildung. Vor gut 40 Jahren waren es zum Beispiel an bestimmten Eliteschulen in New York noch 24 Prozent, 2017 waren es nur vier Prozent. Dem schlechteren Abschluss folgen schlechtere Berufschancen: Schwarze Bewerber bekommen seltener eine Jobzusage als weiße und verdienen meist deutlich weniger, selbst bei gleicher Qualifikation.

Kenneth C. Frazier von Merck & Co., Mitte, ist einer der wenigen afroamerikanischen CEOs in den 500 Topunternehmen Win McNamee/ Getty Images

Kenneth C. Frazier von Merck & Co., Mitte, ist einer der wenigen afroamerikanischen CEOs in den 500 Topunternehmen

Win McNamee/ Getty Images

Unter den reichsten zehn Prozent sind nur 3,6 Prozent Afroamerikaner. Und unter den 500 CEOs der umsatzstärksten Unternehmen der USA sind nur vier Afroamerikaner. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Nettovermögen der US-Haushalte: Das eines schwarzen Haushalts beträgt durchschnittlich nur ein Zehntel von dem eines weißen - in den letzten Jahren hat sich das nicht geändert.

Auch in der armen Bevölkerung gibt es große Unterschiede: Zwischen 1975 und 2019 waren drei bis neun Prozent der weißen und sechs bis 20 Prozent der schwarzen US-Bürger arbeitslos.

Danville im Bundesstaat Illinois: Das durchschnittliche Haushaltseinkommen der Afroamerikaner ist hier nur halb so groß wie das der weißen US-BürgerSeth Perlman/ AP Photo

Danville im Bundesstaat Illinois: Das durchschnittliche Haushaltseinkommen der Afroamerikaner ist hier nur halb so groß wie das der weißen US-Bürger
Seth Perlman/ AP Photo

Ihr begrenztes Vermögen ermöglicht schwarzen Amerikanerinnen wiederum nur einen geringen Lebensstandard. Das Ungleichgewicht bei den Immobilien- und Autobesitzern blieb in den letzten Jahrzehnten unverändert.

Auch durch Wirtschaftskrisen kommen Weiße besser als Schwarze: Zwischen 2007 und 2013 haben schwarze Familien gut 44 Prozent ihres durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögens verloren, weiße nur gut 26 Prozent. Die Auswirkungen der Coronakrise könnten diese Ungleichheit weiter verstärken. Und wer weniger Geld hat, kann weniger für seine Gesundheit ausgeben.

Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung The Villa at Windsor Park in Chicago demonstrieren im Mai 2020 für bessere ArbeitsbedingungenCharles Rex Arbogast/ AP Photo

Mitarbeiter der Pflegeeinrichtung The Villa at Windsor Park in Chicago demonstrieren im Mai 2020 für bessere Arbeitsbedingungen
Charles Rex Arbogast/ AP Photo

In der Coronakrise sind dreimal so viele Schwarze durch das Virus gestorben wie Weiße. Die Zahl der Corona-Erkrankten war in Pflegeheimen mit überwiegend schwarzen Bewohnern doppelt so hoch wie in Pflegeheimen mit einer überwiegend weißen. Gleichzeitig sind ein Drittel aller Krankenpfleger Schwarze - und damit einem erhöhten Risiko ausgesetzt, selbst an Covid-19 zu erkranken. Social Distancing ist für sie bei der Arbeit häufig unmöglich und eine ausreichende Krankenversorgung nicht gegeben:

Anmerkung: Mehrfachnennung möglich

Schlechte Bildungschancen, ein geringeres Vermögen, eine miserable Gesundheitsversorgung - Afroamerikaner leben nicht nur elender, sie sterben auch durchschnittlich dreieinhalb Jahre früher als ihre weißen Mitbürger.

Nach dem Tod George Floyds lenken die landesweiten Unruhen den Fokus nun auf einen besonders sensiblen Punkt in Sachen Diskriminierung: Polizeigewalt. Auch hierunter leiden Afroamerikaner deutlich stärker. Laut einer Auswertung der Analysten und Aktivisten von Campaign Zero ist die Gefahr, bei Kontrollen und Festnahmen getötet zu werden, für schwarze US-Amerikaner dreimal höher als für weiße.