Universität Hongkong China lässt Schriftzug zum Gedenken an Tiananmen-Proteste verschwinden

An Hongkongs ältester Universität erinnert ein Schriftzug seit Jahrzehnten an die tödliche Niederschlagung der Proteste 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Nun haben Bauarbeiter den »Märtyrer«-Slogan überdeckt.
Bauarbeiter beim Abdecken des Gedenkslogans

Bauarbeiter beim Abdecken des Gedenkslogans

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BERTHA WANG / AFP

Die Auslöschung von Kritik an der chinesischen Regierung geht weiter: An der University of Hong Kong (HKU) wurde ein Schriftzug zugedeckt, der an die Opfer der Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz 1989 in Peking erinnert. Bilder der Nachrichtenagentur AFP zeigen Bauarbeiter dabei, wie sie einen Sichtschutz anbringen und den Slogan mit Metallplatten überdecken.

Der Schriftzug zur Erinnerung an die Demokratiebewegung lautet: »Der heroische Geist der kaltblütig massakrierten Märtyrer wird immer fortleben, das Feuer der Demokratie, das über das Böse siegt, wird nie erlöschen.«

Eine der letzten öffentlichen Gedenkstätten in Hongkong wurde mit Metallplatten verdeckt

Eine der letzten öffentlichen Gedenkstätten in Hongkong wurde mit Metallplatten verdeckt

Foto: BERTHA WANG / AFP

Die chinesische Armee hatte im Juni 1989 Studentenproteste auf dem Pekinger Tiananmen-Platz gewaltsam niedergeschlagen. Wie viele Menschen dabei getötet wurden, ist bis heute unklar. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International spricht von mehreren Hundert bis einigen Tausend Opfern.

Die HKU ist die älteste Universität in der südchinesischen Metropole Hongkong. Im Dezember wurde dort bereits eine berühmte Statue beseitigt, die zum Gedenken an die Opfer der Niederschlagung der Demokratiebewegung entstanden war. Auch an zwei anderen Universitäten verschwanden ähnliche Kunstwerke.

Vorgehen gegen Kritiker mit zunehmender Härte

Die HKU antwortete nicht unmittelbar auf die Frage, ob das Gedenken an die Tiananmen-Proteste dauerhaft entfernt werden solle. Zunächst war nur die Auskunft zu erhalten, dass die Universität regelmäßig »Wartungsarbeiten« an verschiedenen Stellen ausführe und auch das zitierte Objekt dazugehöre.

Die Sonderverwaltungszone Hongkong, einst eine britische Kolonie, war jahrzehntelang der einzige Ort in China, an dem ein Gedenken an die Toten vom Platz des Himmlischen Friedens noch toleriert wurde. Nach monatelangen Massenprotesten 2019 gegen den wachsenden Einfluss Pekings gehen die Behörden inzwischen jedoch mit zunehmender Härte gegen Kritiker in der Wirtschaftsmetropole vor.

Im Juli 2020 trat das sogenannte Sicherheitsgesetz in Kraft: Es erlaubt den Behörden ein drakonisches Vorgehen gegen alle Aktivitäten, die nach ihrer Auffassung die nationale Sicherheit Chinas bedrohen. Zahlreiche Führungsfiguren der Opposition wurden seither festgenommen oder gingen ins Exil. Die Behörden erklärten, dass auch Gedenkveranstaltungen zu den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz als »umstürzlerisch« gewertet und bestraft würden.

AFP/mas
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