Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg schmäht Klimagipfel in Glasgow als »PR-Event«

Die Staats- und Regierungschefs feiern sich für ihre beschlossenen Klimaziele in Glasgow, nun zog Fridays for Future mit Tausenden durch die Straßen. Allen voran: Greta Thunberg.
Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg spricht in Glasgow

Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg spricht in Glasgow

Foto: ANDY BUCHANAN / AFP

Knapp eine Woche nach dem Start der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow hat Greta Thunberg das Zusammenkommen der Staats- und Regierungschefs der Welt scharf kritisiert. »Das ist keine Klimakonferenz, das ist ein globales Greenwashing-Festival«, sagte Thunberg. Der Uno-Klimagipfel sei eine »Niederlage« und nur noch »ein PR-Event«, auf dem Leader schöne Reden hielten – »und hinter den Kulissen weigern sie sich weiterhin, endlich echte Klimaziele anzugehen«.

Die Gründerin der Klimaschutzbewegung Fridays for Future sprach vor Tausenden Menschen auf dem George Square in Glasgow. Zuvor waren die Demonstrierenden durch die Straßen der Stadt gezogen und hatten für mehr Tempo beim Klimaschutz demonstriert. In Schottland ringen rund 200 Staaten darum, wie das Ziel noch erreicht werden kann, die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß von maximal 1,5 Grad zu begrenzen.

Thunberg kritisierte, mehr als Phrasen habe es auf der Uno-Klimakonferenz nicht gegeben. Die Verantwortlichen in der Politik würden aktiv Schlupflöcher schaffen, um so weiterzumachen wie bisher. »Die Stimmen der Jugend gehen unter in ihrem Blablabla«, so Thunberg. Aus Sicht der schwedischen Aktivistin sei es nicht möglich, gleichzeitig den bisherigen Lebensstil beizubehalten und die Erderhitzung zu verhindern. »Wer das glaubt, lebt in einer Blase.« Solange die Menschheit nicht die technischen Lösungen habe, die Klimakrise zu stoppen, müsse sie in Kauf nehmen, ihr Verhalten jetzt drastisch zu ändern.

»Kapitalismus killt den Planeten«

Bei ihrem Marsch durch Glasgow hatten die Demonstrierenden von Fridays for Future zuvor in Sprechchören einen »Systemwechsel« und mehr Klimagerechtigkeit gefordert – vor allem für ärmere Staaten. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie »Kapitalismus killt den Planeten« oder »Das Weltklima verändert sich, warum tun wir es nicht?«.

Solidarisch mit den Demonstranten äußerte sich der frühere US-Vizepräsident Al Gore. »An alle in den Hallen der COP26: Jetzt ist die Zeit, auf sie zu hören und zu handeln«, schrieb er auf Twitter. Die britische Konferenz-Präsidentschaft räumte ein, dass die Verhandlungen über neue Regelungen zum Klimaschutz zäh vorangingen. »Es ist unmöglich, so viele offene Fragen in der zweiten Woche zu lösen«, erklärte der Vorsitzende Alok Sharma.

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Mehrere Klimaziele beschlossen

Im Vorfeld der Konferenz hatte zwar viele Staaten, darunter die USA und die EU, schärfere Klimaziele beschlossen. China als weltgrößter Emittent von Treibhausgasen ging aber über bisherige Zusagen nicht hinaus. Als Erfolg gilt aber bislang, dass sich rund 100 Staaten auf eine Kürzung des Methanausstoßes bis 2030 um 30 Prozent verständigt hatten. Methan ist noch deutlich klimaschädlicher als Kohlendioxid. Auch gab es eine Länderinitiative zum Stopp der Entwaldung und zur Wiederaufforstung. Rund 20 Staaten, darunter die USA und Kanada, haben zudem versprochen, bis Ende 2022 überhaupt keine fossilen Kraftwerke und andere Anlagen im Ausland mehr zu finanzieren. Die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) hatten bereits beschlossen, die Finanzierung von Kohlemeilern im Ausland zu stoppen. Deutschland prüft jetzt, ob man auch der erweiterten Initiative beitritt.

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Am Samstag folgt in Glasgow eine weitere Demo, die nach den Erwartungen der Organisatoren mehr als 100.000 Menschen anlocken soll. Auch hier redet Thunberg. Der Protest ist Teil eines globalen Aktionstags, der nach Schätzungen der Organisatoren Hunderttausende in mehr als 200 Städten weltweit auf die Straße bringen wird.

mrc/Reuters
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