Baerbock attackiert Putin vor der Uno »Ihre Panzer bringen kein Wasser, keine Nahrung für Babys. Ihre Panzer bringen Tod«

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat vor der Uno-Vollversammlung die Mitgliedstaaten aufgefordert, sich gegen Russland zusammenzuschließen. Das Land habe die internationale Friedensordnung »brutal angegriffen«.
Baerbock spricht vor den Vertretern der 193 Uno-Mitgliedstaaten

Baerbock spricht vor den Vertretern der 193 Uno-Mitgliedstaaten

Foto: Florian Gaertner / photothek / IMAGO

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat die internationale Staatengemeinschaft aufgefordert, den russischen Angriff auf die Ukraine geschlossen zu verurteilen. Russland habe die internationale Friedensordnung »brutal angegriffen«, sagte Baerbock bei einer Dringlichkeitssitzung der Uno-Vollversammlung in New York. »Deswegen geht es bei diesem Krieg nicht nur um die Ukraine, nicht nur um Europa, sondern um uns alle.« Die Invasion markiere den Beginn einer neuen Ära und sei ein »Wendepunkt«

Baerbock rief die Uno-Mitgliedstaaten auf, für eine Resolution zu stimmen, die den russischen Angriff auf das Nachbarland scharf verurteilt und ein Ende der Gewalt fordert. Die Weltgemeinschaft müsse sich entscheiden zwischen »Frieden und Aggression, zwischen Gerechtigkeit und dem Willen des Stärksten, zwischen Handeln und Wegschauen«, sagte die Bundesaußenministerin.

»Ihre Panzer bringen kein Wasser. Ihre Panzer bringen keine Nahrung für Babys. Ihre Panzer bringen keinen Frieden. Ihre Panzer bringen Tod und Zerstörung.«

Dem russischen Außenminister Sergej Lawrow warf Baerbock vor, Russlands Macht als Ständiges Mitglied im Uno-Sicherheitsrat zu missbrauchen. »Ihre Panzer bringen kein Wasser. Ihre Panzer bringen keine Nahrung für Babys. Ihre Panzer bringen keinen Frieden. Ihre Panzer bringen Tod und Zerstörung«, sagte Baerbock an Lawrow gewandt. »Sie können sich selbst etwas vormachen. Aber Sie werden uns nicht täuschen und nicht unsere Bevölkerung. Und Sie werden Ihre eigene Bevölkerung nicht täuschen.«

Vergangene Woche hatte Russland im Uno-Sicherheitsrat mit seinem Veto eine Resolution verhindert , die den Angriff auf die Ukraine verurteilt hätte. In der Uno-Vollversammlung hat Russland anders als im Sicherheitsrat kein Vetorecht. Die Abstimmung über den Resolutionstext in der Vollversammlung wird für Mittwoch erwartet. Westliche Staaten hoffen, dass bei der Abstimmung möglichst viele der 193 Mitgliedsländer den Angriffskrieg Russlands verurteilen – und damit die weltweite Isolation der russischen Führung sichtbar machen

Baerbock appellierte an die Vertreterinnen und Vertreter der Uno-Mitgliedsstaaten in der Vollversammlung, die anstehende Abstimmung über die Resolution zu unterstützen. »Wenn wir nach unserer Abstimmung nach Hause gehen, wird jeder von uns am Küchentisch unseren Kindern, unseren Partnern, unseren Freunden, unseren Familien gegenübersitzen müssen. Dann muss jeder von uns ihnen in die Augen schauen und ihnen sagen, welche Wahl wir getroffen haben.« Es gehe um nichts weniger als um das Leben und den Tod der ukrainischen Bevölkerung, die Sicherheit Europas und die Charta der Vereinten Nationen.

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Baerbock sprach von der berühmten Bühne des größten Uno-Gremiums auf Englisch – hinter ihr Uno-Generalsekretär António Guterres, der für die Rede seinen Platz in der großen Halle am East River eingenommen hatte. Er hörte, wie die deutsche Außenministerin Moskau in scharfem Ton »Lügen« vorwarf: »Sie sagen, Sie handeln in Notwehr. Aber die ganze Welt hat zugesehen, wie Sie monatelang Ihre Truppen aufgebaut haben, um sich auf diesen Angriff vorzubereiten.«

Vor ihrem Auftritt hatte Baerbock noch gesagt, es gehe darum, deutlich zu machen, dass die Weltgemeinschaft den Angriffskrieg nicht akzeptiere: »In einer Frage von Krieg und Frieden kann niemand neutral sein.« Man müsse sich entscheiden, ob man auf der Seite des Aggressors steht oder auf der Seite von »Familien, von Kindern, die sich in U-Bahn-Schächten vor Bomben- und Raketenangriffen verstecken«.

Es handelt sich erst um die elfte Dringlichkeitssitzung der Uno-Vollversammlung in mehr als 70 Jahren – ein letztes derartiges Treffen ist Jahrzehnte her. Minimalziel ist es, die Stimmen für eine Resolution aus dem Jahr 2014 zu übertreffen, die ein russisches Referendum auf der Krim für ungültig erklärte. Damals hatten 100 Mitgliedstaaten für den Text votiert.

Nach ihrer Rede traf Baerbock unter anderem Guterres zu einem Gespräch. Nach Angaben der Vereinten Nationen ging es dabei auch hauptsächlich um den Krieg in der Ukraine.

kim/aar/dpa/AFP
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