Urmiasee in Iran Wie einer der weltweit größten Salzseen verschwindet

Er war einer der größten Salzseen weltweit. Klimawandel und schlechte Wasserwirtschaft ließen den iranischen Urmiasee beinahe austrocknen. Seit 2014 hat eine Fotografin seinen Niedergang dokumentiert.
Von Tim van Olphen und Solmaz Daryani (Fotos)
Ein Mädchen schwimmt in dem nur wenige Zentimeter tiefen Salzwasser des Urmiasee (Bild aus dem Jahr 2015)

Ein Mädchen schwimmt in dem nur wenige Zentimeter tiefen Salzwasser des Urmiasee (Bild aus dem Jahr 2015)

Foto: Solmaz.Daryani
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Vor mehr als zwanzig Jahren war er der sechstgrößte Salzwassersee der Welt und der größte See im Nahen Osten. Touristen besuchten die Städte am Ufer des salzhaltigen Gewässers, Einheimische konnten gut von der Landwirtschaft leben, die Böden rund um den See waren fruchtbar, und die umliegenden Gebiete waren Lebensraum für Flamingos, Pelikane und Hirsche.

Heute ist der Urmiasee im Norden von Iran nicht wiederzuerkennen: Die Ufer sind mit dicken Salzkrusten bedeckt, verrostete Boote liegen an den einsamen und trostlosen Piers. Touristen kommen schon lange nicht mehr, die kleinen Dörfer in der Gegend wirken wie Geisterstädte.

Der Grund: Seit 25 Jahren geht der Wasserspiegel stark zurück - der See trocknet aus. Zwischen 1995 und 2013  verlor er etwa 60 Prozent seiner Fläche und sogar mehr als 90 Prozent seines Volumens.

Der See trocknete teilweise so stark aus, dass Schiffe auf Grund liefen und dicke Salzbrocken am Pier zum Vorschein kamen (Bild aus dem Jahr 2018)

Der See trocknete teilweise so stark aus, dass Schiffe auf Grund liefen und dicke Salzbrocken am Pier zum Vorschein kamen (Bild aus dem Jahr 2018)

Foto: Solmaz.Daryani

Zu der Katastrophe führten steigende Temperaturen, ausgelöst durch den Klimawandel, schlechtes Wassermanagement und der Bau von Staudämmen, die verhindern, dass frisches Wasser in den Urmiasee fließt. Hitze und Dürren ließen das Wasser an vielen Stellen verdunsten und gewaltige Flächen unter einer dicken Salzschicht verschwinden.

Das Salz wird schließlich vom Wind auf die Felder geweht und zerstört dort fruchtbares Ackerland und damit auch die Nahrungsgrundlage einiger Tierarten. Bauern und Farmer, die ihre Äcker rund um den See bestellen, fingen zudem an, neben den legalen Brunnen auch illegale Wasserquellen zu nutzen, um ihre Felder zu bewässern.

Übermäßiger Niederschlag in den vergangenen zwei Jahren und ein Rettungsprogramm der iranischen Regierung haben jedoch dazu beigetragen, dass sich der See zumindest in kleinen Teilen rehabilitiert.

Die iranische Fotografin Solmaz Daryani  dokumentiert seit 2014 den Niedergang des Urmiasees. Sie erlebte, wie der See beinahe total austrocknete und zahlreiche Einheimische ihr Zuhause verließen. Die Familie der Fotografin lebte und arbeitete in der Region. Ihr Großvater betrieb ein kleines Motel am Ufer der ehemals touristischen Hafenstadt Sharafkhaneh im Norden des Sees.

In ihrer Kindheit habe sie die Sommer über im Haus ihres Großvaters und am Ufer des Salzsees gespielt, schreibt Daryani. "Ich habe die Veränderung des Urmiasees vom Beginn an miterlebt. Zuerst glaubten wir nicht daran, dass er von Jahr zu Jahr mehr schrumpfen kann", sagt die Fotografin. Doch dann habe sie gesehen, wie die Menschen ihre Geschäfte, Gärten, Pensionen und Hotels rund um den See verloren hätten.

Sehen Sie in der Fotostrecke, wie der Urmiasee austrocknet:

Fotostrecke

Urmiasee in Iran: Vom Touristenmagnet zum Geisterort

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

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