Angriff auf Synagoge in Texas Rabbi berichtet, wie die Geiseln sich selbst befreiten

Beim Spezialkräfteeinsatz in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas kam der Täter am Wochenende ums Leben. Ihre erfolgreiche Flucht verdanken die Geiseln aber wohl dem Rabbi.
Polizeieinsatz in US-Stadt Coleyville: Mehrere Stunden verschanzte sich der Täter mit seinen Geiseln

Polizeieinsatz in US-Stadt Coleyville: Mehrere Stunden verschanzte sich der Täter mit seinen Geiseln

Foto: Brandon Wade / dpa

Bei der Geiselnahme in einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas konnten sich die Festgehaltenen nach eigenen Angaben am Ende selbst befreien. Eine der Geiseln, Rabbi Charlie Cytron-Walker, sagte am Montag in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS, als er eine Gelegenheit gesehen habe, habe er einen Stuhl auf den Täter geworfen und sei gemeinsam mit den anderen Geiseln geflüchtet. Sie hätten sich befreien können, »ohne dass ein einziger Schuss fiel«.

Ein Mann – laut Polizei ein 44 Jahre alter Brite – hatte Cytron-Walker und drei andere Personen am Samstag in der Synagoge in Colleyville nahe Dallas als Geiseln genommen. Eine Geisel wurde am frühen Samstagabend freigelassen. Die übrigen Festgehaltenen kamen erst ein paar Stunden später frei. Alle vier blieben unverletzt. Der Täter kam ums Leben. Ursprünglich hatte es geheißen, Spezialkräfte seien in das Gotteshaus eingedrungen und hätten die Geiseln befreit. Die Polizei hat sich bislang nicht im Detail zu den Umständen rund um das Ende der Geiselnahme geäußert und auch offengelassen, wie genau der Täter starb.

US-Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Geiselnehmer habe eine in Texas inhaftierte pakistanische Wissenschaftlerin freipressen wollen. Sie war demnach im Juli 2008 im afghanischen Ghasni festgenommen und 2010 wegen eines Angriffs auf US-Soldaten in Afghanistan von einem US-Bundesrichter zu 86 Jahren Haft verurteilt worden. Beim Verhör auf einer Polizeiwache hatte sie eine am Boden liegende Waffe an sich genommen und auf einen US-Soldaten und einen Übersetzer gezielt, ohne diese zu treffen. Die Frau hatte an einer Eliteuniversität in den USA studiert. Später wurde ihr Name von US-Behörden auf eine Liste von Verdächtigen gesetzt, die mit Al-Kaida-Terroristen in Verbindung stehen könnten.

Cytron-Walker sagte, in der letzten Stunde der Geiselnahme habe sich die Lage verschlechtert. Der Täter habe nicht bekommen, was er wollte. »Es sah nicht gut aus«, erzählte der Rabbi. »Wir hatten große Angst.« Als sich die Gelegenheit geboten habe, seien sie geflüchtet.

Der Geiselnehmer drang nach Angaben des Rabbis nicht gewaltsam in die Synagoge ein. Er klopfte an eine Tür und bat um Einlass – wohl unter dem Vorwand, er suche Obdach.

Cytron-Walker sagte, er habe den Mann hereingelassen, ihm einen Tee gemacht und sich mit ihm unterhalten. In diesem Moment sei ihm nichts Verdächtiges aufgefallen. Erst bei dem anschließenden Gottesdienst, als er mit dem Rücken zu dem Mann gestanden habe, habe er ein Klicken gehört. »Und es stellte sich heraus, dass das seine Waffe war.« Der Rabbi betonte, die anderen Geiseln und er seien nicht körperlich verletzt worden. Doch die Situation sei sehr bedrohlich gewesen: »Wir sind noch dabei, das zu verarbeiten.«

muk/dpa
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