Nominierung beim Parteitag US-Demokraten küren Biden zum Kandidaten für das Weiße Haus

Fest stand es schon lange - nun ist Joe Biden auch offiziell auf dem Papier der Anwärter der demokratischen Partei für die US-Präsidentschaft. Zuvor hatte sich Bill Clinton in seiner Rede an Donald Trump abgearbeitet.
Joe Biden (am 13. August): Die heiße Phase des US-Wahlkampfs läuft

Joe Biden (am 13. August): Die heiße Phase des US-Wahlkampfs läuft

Foto: Carolyn Kaster / dpa

Joe Biden kann das Wörtchen "designiert" aus seiner aktuellen Jobbeschreibung streichen. Der Parteitag der US-Demokraten nominierte ihn am Dienstag (Ortszeit) offiziell zum Kandidaten für den Kampf um das Weiße Haus. Die Personalie ist vor allem Vollzug, entschieden war sie seit den Vorwahlen der Partei im Frühjahr. Dennoch hat sie eine enorme Symbolkraft, zudem leiteten die Nominierungsparteitage der großen Parteien traditionell die heiße Phase des Wahlkampfs ein. "Es bedeutet die Welt für mich und meine Familie", sagte Biden in einer ersten Reaktion.

Eine weitere wichtige Personalentscheidung war in der vergangenen Woche gefallen: Biden (77) holte für das Rennen ums Weiße Haus die kalifornische Senatorin Kamala Harris (55) an seine Seite. Sie könnte die erste schwarze US-Vizepräsidentin werden. Am 3. November stimmen die USA über einen neuen Präsidenten ab.

Die Demokraten hatten ihren viertägigen Parteitag am Montag begonnen. Er findet wegen der Coronakrise virtuell statt, in einer Mischung aus Liveauftritten und aufgezeichneten Videobeiträgen.

Clinton: "Die Zukunft unseres Landes hängt davon ab"

Am zweiten Tag kamen unter anderem zwei frühere US-Präsidenten zu Wort. So übte Bill Clinton in einer Rede scharfe Kritik an Amtsinhaber Donald Trump: "In einer Zeit wie dieser sollte das Oval Office eine Kommandozentrale sein. Stattdessen ist es ein Sturmzentrum."

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"Wenn Sie einen Präsidenten wollen, der seinen Job so definiert, dass er täglich Stunden vor dem Fernseher verbringt und Leute in sozialen Medien beharkt, dann ist er Ihr Mann", sagte der 74-jährige Clinton in seiner Videobotschaft weiter. Zur Wahl stehe entweder Trumps "Wir gegen sie"-Amerika oder Bidens Amerika, "wo wir alle zusammenleben und zusammenarbeiten. Es ist eine klare Wahl. Und die Zukunft unseres Landes hängt davon ab."

Zudem war der älteste, noch lebende US-Präsident Jimmy Carter erstmals seit 2012 wieder bei einem Parteitag der Demokraten zu sehen. In seinem Redebeitrag lobte der 95-Jährige den Kandidaten Biden für seine Erfahrung und seinen Charakter. "Wir verdienen eine Person mit Integrität und Urteilsvermögen, jemanden, der ehrlich und fair ist, jemanden, der sich für das einsetzt, was am besten für das amerikanische Volk ist", so Carter.

Michelle Obama mit klaren Worten über Trump

Wichtigste Rednerin zum Auftakt war Michelle Obama. Die ehemalige First Lady rief die Amerikaner in einem leidenschaftlichen Appell auf, Trump im November aus dem Amt zu wählen.

DER SPIEGEL

"Donald Trump ist der falsche Präsident für unser Land", sagte die Ehefrau von Ex-Präsident Barack Obama. "Wenn wir irgendeine Hoffnung haben, dieses Chaos zu beenden, dann müssen wir für Joe Biden stimmen, als ob unsere Leben davon abhängen", betonte sie in einem Redebeitrag.

Rede von Joe Biden erst am Donnerstag auf dem Programm

Neben Politikern kamen auch Bürger zu Wort - viele von ihnen waren in ihren Wohnzimmern oder Küchen zu sehen. Außer Kritik an Trump transportierten sie die wichtigsten Botschaften der Demokraten: Dass es bei der Wahl um die Einheit des Landes gehe, dass es gelte, die Corona-Pandemie zu kontrollieren und dem wirtschaftlichen Niedergang Einhalt zu bieten, dass Rassismus und Ungerechtigkeiten bekämpft werden müssten.

Kritik gab es auch am Umgang Trumps mit den Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd.

Nach einer Entscheidung zur Nominierung Biden wird am Mittwoch die Rede von Ex-Präsident Obama erwartet. Vizepräsidentenkandidatin Harris soll sich in Wilmington (Delaware) äußern. Dort ist Biden zu Hause. Er soll dort am Donnerstag seine Nominierungsrede halten.

jok/dpa
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