Sturm auf US-Kapitol Angehörige von totem Polizisten verweigern Toprepublikanern den Händedruck

Brian Sicknick starb nach dem Angriff auf das US-Kapitol in Washington. Nun wurde er posthum geehrt – auch von hohen Republikanern wie Mitch McConnell. Die Familie des Polizisten setzte bei der Zeremonie ein klares Zeichen.
Gladys Sicknick, Chuck Schumer und Mitch McConnell (v.l.)

Gladys Sicknick, Chuck Schumer und Mitch McConnell (v.l.)

Foto: Alex Brandon / AP

Es war ein extrem hochkarätig besetzter Termin im US-Kapitol am gestrigen Dienstag. Die Topdemokraten Chuck Schumer und Nancy Pelosi waren da, ebenso wie ihre republikanischen Gegenüber aus Senat (Mitch McConnell) und Repräsentantenhaus (Kevin McCarthy). Für letztere wurde es ein vergleichsweise unangenehmer Nachmittag.

Bei der Zeremonie wurden Personen geehrt, die sich während des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar 2021 besonders heldenhaft verhalten hatten. Posthum sollte auch Brian Sicknick die Goldene Medaille des US-Kongresses erhalten. Der Polizist war an dem Tag angegriffen worden und am 7. Januar 2021 infolge von zwei Schlaganfällen gestorben.

An seiner Stelle nahmen die Eltern Charles und Gladys Sicknick die Auszeichnung entgegen – und setzten zugleich ein deutliches Zeichen. Auf der Bühne begrüßten beide die demokratischen Vertreter Schumer und Pelosi herzlich.

Als Nächstes wären die Republikaner McConnell und McCarthy dran gewesen. Ersterer stand schon mit ausgestreckter Hand bereit. Doch die Sicknicks gingen an den Politikern vorbei – ohne Händedruck und praktisch ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen. McConnell rang sich ein eher hilfloses Winken ab.

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Offenbar war die Aktion der Sicknicks als sehr öffentliche Ablehnung der republikanischen Haltung zum 6. Januar zu verstehen. Donald Trump, der den Mob vor dem Angriff aufgestachelt hatte, überstand ein Impeachmentverfahren in der Sache mit den Stimmen seiner Partei.

Der US-Sender CNN zitiert Gladys Sicknick mit Blick auf die Republikaner so: »Sie sind so doppelzüngig. Ich hab einfach genug davon. Sie stehen da herum und reden darüber, wie wunderbar die Kapitolpolizei ist. Und dann machen sie sich auf nach Mar-a-Lago und küssen Trumps Ring.«

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McCarthy, der wohl im Januar den Führungsposten für die Republikaner im Repräsentantenhaus übernimmt, war tatsächlich kurz nach dem Kapitolsturm zu Trump nach Florida gereist, um demonstrativ dessen Nähe zu suchen.

Keine klare Abgrenzung von Trump

McConnell hatte Trump zwar unmittelbar nach dem 6. Januar kritisiert. Inzwischen vermeidet er aber eine allzu große Distanz, wohl auch weil er auf einen Wahlerfolg seiner Partei 2024 mit einem Kandidaten Trump spekuliert.

Auch an diesem Dienstag verweigerte er auf konkrete Nachfrage eine klare Positionierung gegen den Ex-Präsidenten: »Ich will damit sagen, dass es ziemlich schwierig wäre, als Präsident vereidigt zu werden, wenn man nicht bereit ist, die Verfassung zu achten.« Trump hatte am vergangenen Wochenende über ein Aussetzen der US-Verfassung fabuliert.

jok
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