Sturm auf US-Kapitol Biden spricht von »beispiellosem Angriff«

Der designierte US-Präsident Joe Biden verurteilt das Vorgehen der Trump-Unterstützer am US-Kapitol als »Belagerung« und »Aufruhr«. Donald Trump müsse nun reagieren.
Joe Biden: »Es ist Aufruhr«

Joe Biden: »Es ist Aufruhr«

Foto: JIM WATSON / AFP

Der designierte US-Präsident Joe Biden spricht angesichts der Trump-Unterstützer, die ins US-Kapitol eingedrungen sind, von einem »Aufruhr«. Biden trat in seinem Wohnort Wilmington (Delaware) vor Kameras. »Das Kapitol zu stürmen, Fenster einzuschlagen, Büros zu besetzen, den Senat der Vereinigten Staaten zu besetzen, durch die Schreibtische des Repräsentantenhauses im Kapitol zu stöbern und die Sicherheit ordnungsgemäß gewählter Beamter zu bedrohen, ist kein Protest. Es ist Aufruhr«, sagte Biden.

Biden rief Amtsinhaber Donald Trump auf, ein Ende der »Belagerung« des Kapitols zu fordern. Trump müsse sich in einer Fernsehansprache an die Nation wenden, um seinem Eid nachzukommen und die Verfassung zu verteidigen, sagte Biden: »Also Präsident Trump, treten sie vor.« Der Sturm auf das Kapitol sei ein »beispielloser Angriff« auf die Demokratie.

DER SPIEGEL

Biden appellierte an die Welt, die USA nicht nur als Hort der Unruhe zu sehen. »Die Szenen des Chaos am Kapitol spiegeln nicht das wahre Amerika wider, stehen nicht für das, wer wir sind.« Es handle sich um eine kleine Zahl an Extremisten, die sich der Gesetzlosigkeit verschrieben hätten. »Ich rufe diesen Mob auf, sich zurückzuziehen und die Arbeit der Demokratie voranschreiten zu lassen.«

Trump: »Ihr müsst jetzt nach Hause gehen«

Trump äußerte sich kurz darauf in einer auf Twitter verbreiteten Videobotschaft. Der amtierende US-Präsident forderte seine Unterstützer am Kapitol auf, abzuziehen. Er verstehe den Ärger über den Ausgang der Wahl, »aber ihr müsst jetzt nach Hause gehen«, sagte Trump. »Wir müssen Frieden haben, wir müssen Recht und Ordnung haben.« Niemand dürfe verletzt werden, sagte er.

Es sei eine harte Zeit, sagte Trump und sprach erneut – ohne Belege – von einem Betrug bei der Präsidentschaftswahl. Man habe ihm und seinen Anhängern die Wahl gestohlen, behauptete der abgewählte Präsident. Nachweise für Trumps Vorwürfe, die er schon seit der Wahl im vergangenen November erhebt, gibt es nicht. »Ich weiß, wie ihr euch fühlt, aber geht nach Hause«, sagte Trump in Richtung seiner Unterstützer: »Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes.«

Trump nahm die Demonstranten später in Schutz: »Dies sind die Dinge und Ereignisse, die passieren, wenn ein heiliger Erdrutschwahlsieg so kurzerhand und bösartig von großen Patrioten weggenommen wird, die so lange schlecht und unfair behandelt wurden«, twitterte er.

Trumps Video wurde zunächst von Twitter wegen unbelegter Betrugsvorwürfe mit einem Warnhinweis versehen, der in dieser Schärfe neu war – der Tweet kann weder geteilt werden, noch beantwortet. Wenig später wurden sowohl das Video als auch der spätere Tweet von der Plattform gelöscht. Zuvor hatten schon Facebook und YouTube das Video nach kurzer Zeit gelöscht.

ptz/ulz/dpa/AFP
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