Zusätzliche Belastungen durch Pandemie Suizidrate im US-Militär gestiegen

2020 hat die Zahl der Suizide von US-Soldaten deutlich zugenommen. Vollständig erklären kann das Verteidigungsministerium die Zahlen nicht – einen großen Einfluss habe jedoch Corona.
US-Soldaten in Syrien (Archivbild)

US-Soldaten in Syrien (Archivbild)

Foto: Spc. Zoe Garbarino/ AP

Die Zahl der Suizide im US-Militär ist im vergangenen Jahr um 15 Prozent gestiegen. Insbesondere die Armee verzeichnete einen erheblichen Anstieg. Hochrangige Politiker bezeichneten die Entwicklung als beunruhigend und drängten auf mehr Anstrengungen, den Trend umzukehren.

Den am Donnerstag veröffentlichten Daten zufolge gab es im vergangenen Jahr 580 Suizide, verglichen mit 504 im Jahr zuvor. Dabei stieg die Zahl der Suizide bei den Soldaten der Nationalgarde um 35 Prozent, von 76 im Jahr 2019 auf 103 im vergangenen Jahr, während die Zahl der Suizide bei den aktiven Soldaten um fast 20 Prozent zunahm.

»Die Ergebnisse sind beunruhigend«, sagte Verteidigungsminister Lloyd Austin. Die Suizidrate unter den Militärangehörigen und ihren Familien sei immer noch zu hoch und der Trend gehe nicht in die richtige Richtung.

Suizide ist seit Langem ein Problem im US-Militär. Die Ursachen für Suizide sind zwar komplex und nicht vollständig geklärt, jedoch geht die Militärführung davon aus, dass die COVID-19-Pandemie die ohnehin schon angespannten Streitkräfte zusätzlich belastet. Im vergangenen Jahr wurden die Truppen dazu aufgerufen, Tests und später Impfstoffe bereitzustellen, während sie selbst und ihre Angehörigen und Freunde mit dem Virus zu kämpfen hatten. Darüber hinaus hatten sie mit anhaltenden Einsätzen in Kriegsgebieten, nationalen Katastrophen und oft gewalttätigen zivilen Unruhen zu kämpfen.

Suiziderate in der Marine rückläufig

Pentagon-Pressesprecher John Kirby räumte ein, dass das Verteidigungsministerium die Zunahme der Suizide in den vergangenen Jahren nicht vollständig erklären kann. »Eines der Probleme bei Selbstmorden ist, dass es oft sehr schwer ist, eine Verbindung zwischen den einzelnen Ursachen herzustellen – was jemanden zu dieser Entscheidung führt«, sagte Kirby.

Die Armeeführung bezeichnete am Donnerstag Suizide als eine große Herausforderung für die Armee und stellte fest, dass der Trend in den letzten fünf Jahren zugenommen hat. »Obwohl wir nicht genau wissen, was die Ursache für den Anstieg der Suizide ist, ist uns klar, dass wir die Selbstmordprävention verbessern und dafür sorgen müssen, dass Ressourcen verfügbar und leicht zugänglich sind«, erklärten Heeresministerin Christine Wormuth und General James C. McConville, Stabschef der Armee, in einer Stellungnahme.

Die Gesamtzahl der Suizide bei der Marine sank von 81 auf 79, bei der Luftwaffe blieb sie mit 109 gleich. Nach Angaben des Pentagon sind männliche Soldaten unter 30 Jahren am stärksten von Suiziden bedroht. Obwohl sie weniger als 42 Prozent der Gesamtstreitkräfte ausmachen, waren 63 Prozent der Selbstmordtoten Männer unter 30 Jahren.

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tfb/AP
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