Stimmabgabe vor dem Wahltag Mehr als 70 Millionen US-Bürger haben schon gewählt

Donald Trump versus Joe Biden: Millionen US-Bürger haben ihre Stimme bereits abgegeben. Ein Forscher erwartet die höchste Wahlbeteiligung seit über hundert Jahren.
Frühe Wähler in New York warten in der Schlange, bis sie an der Reihe sind

Frühe Wähler in New York warten in der Schlange, bis sie an der Reihe sind

Foto: STEPHANIE KEITH / AFP

Eine Woche vor der Präsidentenwahl in den USA haben bereits mehr als 70 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben. Das entspricht mehr als der Hälfte aller Stimmen, die bei der Wahl vor vier Jahren insgesamt abgegeben wurden. Das ging am Dienstag aus Daten des "U.S. Elections Project"  des Politikwissenschaftlers Michael McDonald von der Universität Florida hervor. 2016 nahmen der Wahlkommission FEC zufolge rund 137 Millionen Amerikaner an der Bundeswahl teil.

Das hohe Niveau der frühen Stimmabgabe veranlasste McDonald dazu, eine Wahlbeteiligung von rund 150 Millionen US-Wählern vorherzusagen. Das entspräche 65 Prozent der Wahlberechtigten, der höchsten Quote seit 1908.

Besonders hoch ist die frühe Stimmabgabe aktuell im stark umkämpften US-Bundesstaat Texas, in dem schon etwa 87 Prozent der Gesamtzahl an Wählern von vor vier Jahren abgestimmt haben. Hoch ist die Beteiligung auch in den sogenannten Swing States Florida und North Carolina. Bei der Wahl am 3. November tritt US-Präsident Donald Trump gegen den demokratischen Herausforderer Joe Biden an. Außerdem werden alle Sitze im Repräsentantenhaus und gut ein Drittel der Sitze im Senat neu vergeben.

Wegen der Coronavirus-Pandemie wird bei der Wahl in den USA erwartet, dass mehr Amerikaner als sonst von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Stimme vor dem eigentlichen Wahltag persönlich oder per Briefwahl abzugeben. Nach den Daten des "U.S. Elections Project" scheinen bislang erheblich mehr registrierte Demokraten als Republikaner gewählt zu haben. Die Registrierung bei einer Partei sagt jedoch nicht unbedingt etwas über das Stimmverhalten aus.

Demokraten rufen zur Wahl vor der Wahl auf

Beobachter jedoch vermuten, dass die frühen Wähler zu einem größeren Teil für Biden stimmen. Das Wahlkampfteam des demokratischen Herausforderers hatte Anhänger aktiv zur frühen Stimmabgabe aufgerufen, während der republikanische US-Präsident Donald Trump die Briefwahl immer wieder und ohne fundierte Belege mit Betrug in Verbindung gebracht hatte. Bei einem Wahlkampfauftritt in West Salem (Wisconsin) kritisierte Trump am Dienstag erneut eine möglicherweise mehrere Tage dauernde Auszählung in einigen Bundesstaaten.

In öffentlich bekannten Umfragen schneidet Trump momentan relativ schlecht gegen Biden ab. Wegen des komplexen Wahlsystems, in dem es vor allem auf die Bundesstaaten ankommt, haben die Erhebungen jedoch nur begrenzte Aussagekraft. Allerdings deuten auch die Umfragen in entscheidenden Bundesstaaten auf einen Vorsprung Bidens hin.

ptz/dpa/Reuters
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