US-Präsidentschaftsbewerber Bloomberg will drei Frauen aus Geheimhaltungsvereinbarungen entlassen

Seine demokratische Parteifreundin Warren warf ihm Sexismus vor, nun geht US-Präsidentschaftsbewerber Bloomberg in die Offensive - und hebt das Redeverbot für drei Frauen auf. Seine Kritiker überzeugt das nicht.
Bloomberg und Warren während der TV-Debatte in Nevada: Erst im November in das Bewerberrennen der Demokraten eingestiegen

Bloomberg und Warren während der TV-Debatte in Nevada: Erst im November in das Bewerberrennen der Demokraten eingestiegen

Foto: Mike Blake/ REUTERS

Frauenverachtende Aussagen werden zum Problem für den Demokraten Michael Bloomberg, der bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 antreten will. Bei der TV-Debatte der demokratischen Präsidentschaftskandidaten am vergangenen Mittwoch war der 78-Jährige deshalb scharf von seinen Rivalen angegangen worden, vor allem von Senatorin Elizabeth Warren.

Die Vorwürfe sind nicht neu für den Medienmogul: Bei der von ihm gegründeten Finanznachrichtenagentur Bloomberg soll es lange Zeit eine machohafte Unternehmenskultur gegeben haben. Warren warf ihm im TV-Duell vor, Frauen als "fette Weiber" und "pferdegesichtige Lesben" bezeichnet zu haben. Außerdem forderte sie ihn auf, Geheimhaltungsverträge mit Ex-Mitarbeiterinnen aufzuheben.

Bloomberg hatte diese Forderung am Mittwoch noch zurückgewiesen. Bei den betroffenen Frauen gehe es höchstens darum, dass ihnen vielleicht einer seiner Witze nicht gefallen habe, sagte er. "Sie haben diese Vereinbarungen unterschrieben, und wir werden damit leben." Das Publikum hatte Bloomberg daraufhin ausgebuht.

Er habe noch einmal darüber nachgedacht, sagte Bloomberg nun. Dabei sei er zu dem Entschluss gekommen, drei Frauen aus Geheimhaltungsvereinbarungen zu entlassen, die sie daran hinderten, über frühere gegen ihn eingereichte Klagen wegen mutmaßlich sexistischer Aussagen zu sprechen.

Jede der Frauen, die das wünsche, würde "eine Freigabe erhalten", schrieb der Medienunternehmer und frühere New Yorker Bürgermeister bei Twitter.

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Sein Medienunternehmen habe drei Geheimhaltungsvereinbarungen identifiziert, die in den vergangenen 30 und mehr Jahren "mit Frauen unterzeichnet wurden, in denen es um Beschwerden über Aussagen geht, die ich ihnen zufolge angeblich gemacht habe", erklärte Bloomberg weiter.

"Töte es"

Eine der drei Frauen soll nach Informationen der Nachrichtenagentur AP eine heute 55-jährige Ex-Angestellte Bloombergs sein. Sie soll vor mehr als 20 Jahren eine Beschwerde gegen Bloomberg geschrieben haben. Dabei ging es um einen Zwischenfall, bei dem sich Bloomberg zunächst bei der Frau nach ihrem Eheleben erkundigt haben soll. Als sie ihm eröffnete, mit ihrem ersten Kind schwanger zu sein, soll er gesagt haben: "töte es". Die Frau verließ daraufhin die Firma. Bloomberg streitet die Vorwürfe ab.

Er war erst im November in das Bewerberrennen der Demokraten eingestiegen. Seitdem hat der Multimilliardär Hunderte Millionen Dollar aus seinem Privatvermögen in seinen Wahlkampf gesteckt. Seine Rivalen werfen ihm deswegen vor, sich das Präsidentenamt erkaufen zu wollen. Er wolle ein Anführer sein, dem die Frauen vertrauen können, teilte Bloomberg nun mit.

Warren und andere Demokraten zeigen sich wenig beeindruckt von der Ankündigung Bloombergs zur Auflösung der Geheimhaltungsverträge. "Das ist einfach nicht gut genug", sagte Warren. "Wenn es nur drei sind, warum hat er sie nicht einfach alle sofort freigegeben?" Eine Sprecherin des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Joe Biden sagte, Bloomberg sollte alle betroffenen Frauen aus solchen Verträgen entlassen: "Das kann er noch, und das sollte er auch."

vks/AP
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