US-Repräsentantenhaus Lynchjustiz zu Hassverbrechen erklärt

Seit 120 Jahren versuchen Abgeordnete in den USA, ein Gesetz zu verabschieden, das Lynchjustiz auch auf Bundesebene zur Straftat macht. Nun hat das Repräsentantenhaus einem solchen Entwurf mit großer Mehrheit zugestimmt.
Bild auf dem Grabstein von Emmett Till: "Lynchen ist ein amerikanisches Übel"

Bild auf dem Grabstein von Emmett Till: "Lynchen ist ein amerikanisches Übel"

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A2800 epa Tannen Maury/ dpa/dpaweb

Im August 1955 soll der Schwarze Emmett Till im US-Bundesstaat Mississippi einer weißen Frau in einem Einkaufsladen hinterhergepfiffen und sie verbal belästigt haben. Drei Tage später war er tot; ein weißer Mob schlug wegen des Vorfalls auf ihn ein, dann wurde Till erschossen und in einen Fluss geworfen.

Nach Till ist nun ein Gesetzentwurf benannt, wonach Lynchjustiz in den USA als Hassverbrechen eingestuft werden soll. Die Parlamentskammer nahm den Entwurf, der Lynchjustiz damit auch auf Bundesebene als Straftat deklarieren würde, am Mittwoch mit einer überwältigenden Mehrheit von 410 zu 4 Stimmen an. Dem Gesetzentwurf zufolge wurden zwischen 1892 und 1968 insgesamt 4742 Lynchmorde in den USA verzeichnet. 3445 der Opfer waren demnach Schwarze.

Der Kongressabgeordnete Bobby Rush, der die Initiative im Repräsentantenhaus eingebracht hatte, schrieb bei Twitter: "Lynchen ist ein amerikanisches Übel. Heute senden wir eine starke Botschaft aus, dass Gewalt - und insbesondere rassistische Gewalt - keinen Platz in Amerika hat."

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Der US-Senat hatte im vergangenen Jahr einen ähnlichen Entwurf einstimmig verabschiedet. Die Versionen der beiden Parlamentskammern müssen noch in Einklang gebracht werden, bevor sie Präsident Donald Trump zur Unterschrift vorgelegt werden können.

Mord wird in den USA üblicherweise auf lokaler Ebene oder auf Ebene der Bundesstaaten juristisch geahndet. Die "New York Times" berichtete , mindestens seit dem Jahr 1900 gebe es Bestrebungen im Kongress, ein Gesetz zu verabschieden, das Lynchjustiz auch auf Bundesebene zur Straftat machen würde. Die Gesetzentwürfe seien immer wieder blockiert worden. Inzwischen sei ein solches Gesetz vor allem symbolisch.

Die "Washington Post" berichtete, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts habe es fast 200 erfolglose Anläufe gegeben, Lynchjustiz auch auf Bundesebene zur Straftat zu machen.

vks/dpa

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