Mit 54 Ja- und 42 Neinstimmen US-Senat bestätigt Amy Gutmann als Botschafterin für die Bundesrepublik

Ihr Vater floh einst vor den Nazis aus Feuchtwangen, sie ist Präsidentin einer Ivy-League-Universität – und nun bald in Berlin: Die 72-jährige Amy Gutmann wird die nächste US-Botschafterin in Deutschland.
Amy Gutmann bei ihrer Nominierungs-Anhörung im Dezember

Amy Gutmann bei ihrer Nominierungs-Anhörung im Dezember

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Rod Lamkey / imago images/ZUMA Wire

Die Hochschulpräsidentin Amy Gutmann wird neue US-Botschafterin in Deutschland. Der Senat in Washington billigte am Dienstag die Nominierung der 72-Jährigen durch Präsident Joe Biden. Es gab 54 Ja- und 42 Neinstimmen. Vier Senatoren stimmten nicht ab. Gutmann ist seit 2004 Präsidentin der renommierten University of Pennsylvania. Vor ihrem Wechsel nach Berlin muss sie noch vereidigt werden, was als Formalie gilt. Die vielfach ausgezeichnete Politikwissenschaftlerin mit deutsch-jüdischen Wurzeln wird die erste Frau auf dem US-Botschafterposten in Berlin.

Gutmanns deutsch-jüdischer Vater Kurt war 1934 aus Nazideutschland geflohen und später von Indien aus in die USA emigriert. Sie sprach in der Vergangenheit immer wieder darüber, wie die Geschichte ihres aus den fränkischen Feuchtwangen stammenden Vaters sie geprägt hat. Der Student hatte seine vier Geschwister und die Eltern angesichts der zunehmenden Verfolgung von Juden zur Flucht aus Deutschland überredet.

»Es ist wahr, dass seine ganze Familie wie vom Erdboden verschluckt worden wäre, wenn er nichts getan hätte«, sagte Amy Gutmann 2013 der Zeitung »The Daily Pennsylvanian«.

Bei ihrer Bestätigungsanhörung vor dem Auswärtigen Ausschuss des Senats sagte Gutmann im Dezember, ihr Vater habe ihr »eingeflößt«, was es bedeute, als »Amerikaner zu führen«: »Nie zu vergessen und immer gegen Antisemitismus, Rassismus und alle Formen des Fanatismus und der Diskriminierung einzustehen, sich für Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit, nationale Sicherheit und den Respekt der Würde aller einzusetzen.«

USA seit Monaten ohne Botschafter in Deutschland

Bereits seit Juni 2020 wird die amerikanische Vertretung am Brandenburger Tor nicht mehr von einem Botschafter geführt – so lange wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten waren die USA fast 16 Monate ohne Botschafter, bis Richard Grenell im Mai 2018 das Amt übernahm. Grenell kehrte dann nach knapp zwei Jahren – einem eher kurzen Zeitraum – wieder in die Vereinigten Staaten zurück. Seither wird die diplomatische Vertretung von Geschäftsträgern geleitet.

Grenell hatte seit seinem Amtsantritt als Botschafter in Berlin viel Aufsehen erzeugt und harsche Reaktionen provoziert. So griff er die damalige Bundesregierung wiederholt öffentlich scharf an.

sol/dpa/AFP
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