»So etwas stachelt Verrückte an« US-Virologe Fauci rechnet mit impfkritischen Senatoren ab

Morddrohungen, obszöne Anrufe: Weil sie immer wieder gegen Anthony Fauci Stimmung machen, hat der Wissenschaftler zwei Senatoren scharf kritisiert. Einen der beiden Republikaner bezeichnete der Virologe als »Idioten«.
US-Virologe Anthony Fauci hat genug von den Attacken der Republikaner Rand Paul und Roger Marshall

US-Virologe Anthony Fauci hat genug von den Attacken der Republikaner Rand Paul und Roger Marshall

Foto: J. Scott Applewhite / POOL / EPA

Dem bekannten US-Virologen und Regierungsberater Anthony Fauci ist während einer Befragung im US-Kongress der Kragen geplatzt. Der Immunologe – dessen Mikrofon nach einem Schlagabtausch mit Senator Roger Marshall noch immer angeschaltet war – sagte über diesen: »Was für ein Idiot, Jesus Christus«. Das benutzte Wort »Moron« kann auch mit Trottel, Depp oder Schwachkopf übersetzt werden.

Grund war die offen feindselige Befragung von Republikaner Marshall, der vom 81-jährigen Fauci als »bestbezahltem Regierungsmitarbeiter« wissen wollte, ob dieser seine Finanzen und Investitionen offenlegen werde. Fauci antwortete daraufhin, dass er dies schon seit mehr als 30 Jahren tue: »Sie sind sowas von falsch informiert. Es ist außergewöhnlich.«

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Konservative Abgeordnete hatten Fauci in den letzten Monaten immer wieder angegriffen. Er ist in weiten Teilen der US-Gesellschaft angesehen. Für viele Corona-Skeptiker, Impf- und Masken-Gegner vom rechten Rand dagegen ist er zu einem Feindbild geworden.

Todesdrohungen gegen den Virologen

Bei seinem Auftritt vor dem Kongress setzte sich Fauci außerdem gegen den Republikaner Rand Paul zur Wehr. Der Senator aus Kentucky hetze mit seinen Äußerungen zu allem bereite »Verrückte« gegen ihn und seine Familie auf, sagte Fauci.

Paul hatte Fauci zunächst vorgeworfen, er sei als »führender Architekt« der US-Corona-Politik verantwortlich für die rund 450.000 Corona-Toten seit der Amtsübernahme von Präsident Joe Biden. Obwohl die meisten der Corona-Opfer nicht geimpft waren und Fauci immer wieder nachdrücklich für die Corona-Impfung wirbt. »Sie greifen mich hier persönlich an, obwohl Sie nicht den Hauch eines Beweises für irgendeine Ihrer Behauptungen haben«, antworte der Virologe daraufhin.

Pauls ständige Vorwürfe gegen ihn machten ihn zudem zu einem Ziel von Gewalt: »So etwas stachelt die Verrückten da draußen an, und ich bekomme Todesdrohungen, meine Familie wird belästigt, meine Kinder erhalten obszöne Telefonanrufe«, schilderte Fauci. Er erinnerte daran, dass im Dezember ein mit einem Sturmgewehr bewaffneter Mann aus Kalifornien auf dem Weg nach Washington festgenommen worden war, der angab, er habe den Virologen töten wollen.

Zum Beleg seiner Vorwürfe zeigte Fauci einen Ausdruck von Pauls Website mit einem Foto des Wissenschaftlers und dem Slogan »Feuert Dr. Fauci« nebst einem Spendenaufruf für Pauls Wahlkampf. Der Republikaner nutze eine »katastrophale Epidemie« für seinen eigenen politischen Vorteil aus, kritisierte der 81-Jährige.

Neuer Infektions-Höchststand in den USA erreicht

Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten erreichte in den USA derweil einen neuen Höchststand. Laut am Dienstag veröffentlichten Zahlen werden in Kliniken des Landes derzeit rund 146.000 Patienten wegen der durch das Coronavirus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 behandelt. Aktuellen Zahlen aus dem Bundesstaat New York zufolge ist die übergroße Mehrheit der Betroffenen ungeimpft. Dort lag die Quote der geimpften Corona-Krankenhauspatienten Ende Dezember bei wöchentlich 4,6 je 100.000 Einwohner, bei den Ungeimpften lag sie bei 58,3 je 100.000.

atb/AFP/dpa
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