Bei Rede verhaspelt Trump lässt Zweifel an Siegesgewissheit erkennen

Richtig zugegeben hat er es noch nicht, doch Donald Trump scheint nicht mehr so überzeugt von seinem Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl zu sein: Bei einem Statement hätte er fast seine Niederlage eingeräumt.
Donald Trump beim Pressestatement zum Corona-Impfstoff im Rosengarten

Donald Trump beim Pressestatement zum Corona-Impfstoff im Rosengarten

Foto: Evan Vucci / dpa

Joe Biden hat laut mehreren Fernsehsendern bei der US-Wahl deutlich mehr Wahlleute als nötig gewonnen – doch der Präsident weigert sich weiterhin, den Sieg seines Rivalen anzuerkennen. Bei einem Pressestatement zum Impfstoff gegen das Coronavirus erwähnte Donald Trump Joe Biden mit keinem Wort. Doch dann rutschte ihm ein Satz heraus, mit dem er fast die Möglichkeit einer Wahlniederlage eingestanden hätte.

"Diese Regierung wird keinen Lockdown machen", sagte er bei einem Auftritt im Rosengarten des Weißen Hauses. Er fuhr fort mit den Worten: "Hoffentlich wird die", hielt kurz inne – und begann seinen Satz dann noch einmal neu: "Was immer in der Zukunft passiert, wer weiß, welche Regierung es sein wird, ich denke, das wird sich zeigen. Aber ich kann Ihnen versichern, diese Regierung wird keinen Lockdown machen."

Fragen von Journalisten beantwortete der Amtsinhaber nicht. Biden hat bei der Wahl am Dienstag vergangener Woche nach den Erhebungen von US-Sendern 306 Wahlleute gewonnen. Bei seinem Statement äußerte sich Trump erstmals seit Donnerstag vergangener Woche öffentlich vor Kameras.

Trump stellt sich als Opfer massiven Wahlbetrugs dar. Seine Anwälte haben Klagen in mehreren Bundesstaaten angestrengt, jedoch keine Belege für groß angelegte Wahlfälschungen oder Fehler geliefert. Mehrere US-Behörden hatten am Donnerstag mitgeteilt, die Wahl am 3. November sei die sicherste in der amerikanischen Geschichte gewesen.

Biden gewinnt Georgia, Trump North Carolina

Die Sender CNN, NBC, ABC und CBS prognostizierten am Freitag, dass der Demokrat Biden den Bundesstaat Georgia gewonnen habe und der Republikaner Trump den Bundesstaat North Carolina. Das waren die letzten beiden Bundesstaaten, in denen noch kein Sieger bei der Wahl vom Dienstag vergangener Woche ausgerufen worden war.

Trump hatte die Wahl 2016 exakt mit Bidens jetzigem prognostizierten Ergebnis gegen seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton gewonnen: Trump kam damals auf 306 Wahlleute, Clinton auf 232. Trump kommt nach den Prognosen der Sender jetzt ebenfalls auf 232. Er hatte 2016 von einem "Erdrutschsieg" gesprochen, obwohl er zwar auf die meisten Wahlleute in den Bundesstaaten, landesweit aber auf knapp drei Millionen weniger Wählerstimmen als Clinton gekommen war.

Bei den landesweiten Wählerstimmen liegt Biden mehr als fünf Millionen vor Trump: Der Demokrat kommt demnach auf knapp 78 Millionen Stimmen (50,8 Prozent), der Republikaner auf 72,7 Millionen (47,5 Prozent). Der US-Präsident wird nur indirekt vom Volk gewählt. Die Stimmen der Wähler entscheiden über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums, das den Präsidenten dann im Dezember wählt. Für einen Sieg braucht ein Kandidat die Mehrheit der 538 Wahlleute.

cop/dpa/AFP
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