Trumps Betrugsmärchen Fast ein Viertel der Amerikaner hält Wahl 2020 für gestohlen

Seit der verlorenen Wahl im November fabuliert Donald Trump über angebliche Manipulationen – und viele US-Bürger glauben ihm diese Lüge.
Donald Trump (am 4. Januar 2021)

Donald Trump (am 4. Januar 2021)

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MANDEL NGAN / AFP

Beweise blieb er bisher schuldig. Und auch die Richter konnte Donald Trump nicht überzeugen. Trotzdem wiederholt der frühere US-Präsident immer wieder seine Behauptung von der angeblich gestohlenen Wahl. Unterstützt wird er dabei von konservativen Medienhäusern, allen voran dem Sender Fox News.

Seine Strategie kommt zumindest bei einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung durchaus an. Fast ein Viertel der erwachsenen US-Bürger gehen einer Umfrage zufolge weiterhin davon aus, dass Trump die Wahl am 3. November 2020 durch illegale Stimmen gestohlen wurde.

53 Prozent der Republikaner glauben, dass Trump der »wahre Präsident« sei, verglichen mit 3 Prozent der Demokraten und 25 Prozent aller Amerikaner, wie eine Meinungsumfrage von Reuters/Ipsos vom 17. bis 19. Mai ergab. Befragt wurden 2007 Erwachsene, darunter 909 Demokraten und 754 Republikaner.

Der Demokrat Joe Biden konnte mit mehr als sieben Millionen Stimmen die Präsidentschaftswahl für sich entscheiden. Mehrere Gerichte wiesen Trumps Klagen wegen Wahlbetrugs ab.

Die Erhebung ergab aber auch, dass 67 Prozent aller Befragten den Wahlleuten an ihrem eigenen Wohnort vertrauen. Dies traf auch auf 58 Prozent der Republikaner zu.

Unter diesen glaubt allerdings nicht einmal jeder Dritte (29 Prozent), dass Trump auch nur eine Teilschuld am Sturm auf das US-Kapitol in Washington am 6. Januar trägt. Damals waren Tausende Trump-Anhänger in die Machtzentrale des Landes eingedrungen, mehrere Menschen kamen ums Leben.

Partei befindet sich im Richtungsstreit

Trump selbst hatte sich wegen der Vorgänge an diesem Tag einem zweiten Impeachment-Verfahren stellen müssen. Er wurde aber mithilfe der Stimmen seiner Partei im Senat am Ende freigesprochen.

Auch nach den Pleiten bei der Wahl, als neben dem Weißen Haus auch beide Kammern des US-Kongresses verloren wurden, genießt Trump den Rückhalt in großen Teilen der republikanischen Partei. Diese befindet sich in einem Richtungsstreit, exemplarisch zuletzt an der Personalie Liz Cheney zu beobachten.

Die Abgeordnete, selbst streng konservativ, hatte sich öffentlich gegen Trump positioniert und dessen Lügen über angeblichen Wahlbetrug scharf kritisiert. Als Folge verlor sie zuletzt ihren Führungsposten in der Partei.

jok/Reuters