Neuauszählung in Georgia "Showdown aller Showdowns"

Unregelmäßigkeiten gab es nicht – doch weil das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl in Georgia knapp ausfiel, werden die Stimmen neu ausgezählt. Im Rennen um die Senatssitze des Staates hat indes der Wahlkampf begonnen.
Mitarbeiterin einer Wahlbehörde in Atlanta, Georgia bei der Auszählung: Noch mal von vorn

Mitarbeiterin einer Wahlbehörde in Atlanta, Georgia bei der Auszählung: Noch mal von vorn

Foto: BRANDON BELL / REUTERS

Im US-Bundesstaat Georgia werden alle bei der Präsidentenwahl abgegebenen Stimmen neu per Hand ausgezählt. Das teilte der zuständige Staatssekretär Brad Raffensperger am Mittwoch mit. Er begründete dies mit dem knappen Abstand zwischen beiden Kandidaten. In Georgia kann eine Neuauszählung beantragt werden, wenn die Differenz zwischen den Kandidaten weniger als 0,5 Prozent beträgt.

Joe Biden lag in Georgia zuletzt mit rund 14.000 Stimmen beziehungsweise 0,3 Prozent in Führung, nach aktuellem Stand der Auszählung votierten in dem Staat 2.471.981 Menschen für ihn. Biden wäre der erste Politiker der Demokratischen Partei seit Bill Clinton 1992, der die Präsidentenwahl in Georgia gewinnt. 

Der Bundesstaat war zuletzt allerdings nicht mehr entscheidend für den Wahlsieg. Biden hat bereits mit dem Sieg in Pennsylvania genug Wahlleute für den Einzug ins Weiße Haus.

Rennen um Senatsmandate von zentraler Bedeutung

Wichtiger als das finale Ergebnis der neuerlichen Auszählung in Georgia dürfte ohnehin das Rennen um die beiden Senatsmandate in dem Bundesstaat werden.

Damit die Demokraten im Senat zumindest mit den Republikanern gleichziehen können, müssen sie beide Plätze in Georgia gewinnen. Die Republikaner stellen dagegen bereits jetzt 50 der 100 Senatoren, für eine Mehrheit würde eine weitere Person genügen.

Ein Senat mit republikanischer Mehrheit könnte dem künftigen Präsidenten Joe Biden das Regieren erheblich erschweren. Der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, kündigte an, dass er unter einem demokratischen Präsidenten eine Blockadepolitik betreiben würde.

"Showdown aller Showdowns"

Der Nachrichtenagentur AP zufolge läuft der Wahlkampf bereits auf Hochtouren. Der Demokrat Jon Ossoff versucht den Republikaner David Perdue aus dem Senat zu drängen, dessen Parteikollegin Kelly Loeffler will ihren Senatorinnenposten im Duell mit dem demokratischen Herausforderer Raphael Warnock verteidigen.

Warnock hatte bei der Wahl am 3. November von 21 Kandidaten die meisten Stimmen bekommen. Weil er die absolute Mehrheit deutlich verfehlte, gibt es am 5. Januar eine Stichwahl. An dem Tag wird ebenfalls in einer Stichwahl über das Duell zwischen Perdue und Ossoff entschieden. Umfragen sehen bislang einen knappen Ausgang voraus.

Die Bedeutung für die Republikaner und die gesamte US-Politik lässt sich dabei auch an den Wahlkampfunterstützern ablesen – und an den Worten, die sie wählen. Auf einem Event Loefflers trat etwa der bekannte republikanische Senator Marco Rubio aus Florida auf. Rubio sprach laut AP vom "Showdown aller Showdowns". "Dies ist Georgias Entscheidung. Aber Amerika wird mit den Konsequenzen leben", sagte der Senator.

Trumps Team will Verstorbene auf Wahllisten entdeckt haben

Das Team von Amtsinhaber Donald Trump will unterdessen in mehreren Staaten gegen die Stimmenauszählung klagen. In Georgia nannten die Republikaner am Mittwoch die Namen von vier Verstorbenen, für die laut Unterlagen bei der Wahl in dem Bundesstaat abgestimmt worden sei.

Weitere Beispiele würden folgen, hieß es. In Michigan reichten Trumps Anwälte die bereits am Vortag angekündigte Klage ein, in der sie vor allem auf eine Behinderung von Beobachtern der Republikaner bei der Stimmauszählung abstellen.

Trump und sein Team haben wiederholt haltlose Vorwürfe hervorgebracht, bei der Wahl habe es Unregelmäßigkeiten und Betrug gegeben. Beweise dafür gibt es nicht, in Pennsylvania zog ein angeblicher Kronzeuge zuletzt seinen Fälschungsvorwurf zurück.

fek/AP/dpa
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