Newsblog zur US-Wahl Twitter will voreilige Wahlsieg-Tweets kennzeichnen

Donald Trump plant angeblich, den Wahlsieg bei einem Vorsprung früh für sich zu beanspruchen. Twitter will dann auf die offiziellen Ergebnisse verlinken. Und: Joe Biden verteidigt Anthony Fauci. Der Tag im Überblick.
Donald Trump: Twitter will die Fakten sprechen lassen

Donald Trump: Twitter will die Fakten sprechen lassen

Foto: Valentin Wolf/ imagebroker/ imago images

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

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Biden bezeichnet Trump als Schande

19.16 Uhr: Joe Biden rief die Amerikaner eindringlich zur Abwahl von Amtsinhaber Donald Trump auf. "Dieser Typ ist eine Schande", sagte Biden bei einem Auftritt in Cleveland im umkämpften Bundesstaat Ohio mit Blick auf Trumps Umgang mit der Corona-Pandemie, in der Biden dem Präsidenten Versagen vorwirft.

Der ehemalige US-Vizepräsident beklagte die mehr als 230.000 Toten und die hohe Zahl an täglichen Neuinfektionen. "Der erste Schritt, um dieses Virus zu schlagen, ist der Sieg über Donald Trump", sagte Biden. Er werde im Fall seines Sieges am ersten Tag im Amt handeln, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Der 77-Jährige, der in landesweiten Umfrage vor dem Republikaner Trump liegt, rief die Menschen auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Die Macht, dieses Land zu verändern, liegt in euren Händen", sagte Biden. "Ein Tag noch! Morgen haben wir eine Gelegenheit, eine Präsidentschaft zu beenden, die diese Nation gespalten hat."

Trump wirft Presse Unterdrückung vor

18.52 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat erneut Presse und Soziale Mediennetzwerke angegriffen. "Wir haben Unterdrückung durch die Presse, das ist keine Freiheit", sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in Fayetteville im umkämpften Bundesstaat North Carolina. Zuvor hatte er sich darüber beschwert, dass die Medien nicht darüber berichteten, wie korrupt Joe Biden angeblich sei. Trump wiederholt seit Monaten ohne jegliche Belege, dass sein Herausforderer sich mit Hilfe Chinas auf Kosten der USA bereichere.

Trump griff ebenso Twitter dafür an, die Verbreitung einer damit in Verbindung stehenden Geschichte des Trump-freundlichen Boulevardblatts "New York Post" beschränkt zu haben. Stattdessen würde das Netzwerk nur "langweilige" Geschichten als besonders beliebt kennzeichnen. Der US-Präsident äußerte sich kurz vor der US-Wahl auch ungehalten über die meisten Umfragen, die ihn in vielen wichtigen Bundesstaaten hinter Biden sehen.

Absperrungen und Polizei: New York bereitet sich auf Wahltag vor

17.55 Uhr: Aus Sorge vor Protesten haben zahlreiche Geschäfte, Restaurants und Hotels in New York vor der US-Präsidentschaftswahl am Dienstag ihre Türen und Schaufenster verbarrikadiert. Rund um den Times Square und die noble Einkaufsmeile Fifth Avenue brachten Handwerker am Montag an vielen Geschäften Holzplatten an. Zudem riegelte die Polizei das Gebiet rund um den Trump Tower, den früheren Wohnort des amtierenden US-Präsidenten Donald Trump an der Fifth Avenue, mit Barrikaden ab.

Die New Yorker Polizei werde vorbereitet sein, sagte Bürgermeister Bill de Blasio. "Wir werden auf viele und lange Proteste vorbereitet sein, möglicherweise auch verschiedene Gruppen, die sich gegenseitig konfrontieren", sagte de Blasio. "Aber wenn es gewalttätig wird, werden wir das sofort auflösen." Nach der Präsidentschaftswahl 2016 war es in der Millionenmetropole zu zahlreichen Demonstrationen gekommen, die größtenteils friedlich blieben.

Auch Teile der Fifth Avenue wurden verbarrikadiert

Auch Teile der Fifth Avenue wurden verbarrikadiert

Foto:

TIMOTHY A. CLARY / AFP

Schwarze Wählerinnen: "Kein Kandidat hat genug gegen Rassismus getan"

17.40 Uhr: Vor vier Jahren ist Muffy Mendoza nicht zur Wahl gegangen. Dieses Mal stimmt sie ab, obwohl weder Trump noch Biden sie überzeugen. Wie viele Afroamerikaner ist sie von der Politik frustriert. Aus Pittsburgh berichten Anne Martin und Leonie Voss

Biden kritisiert Trumps Besuch in Wisconsin

17.15 Uhr: Zum Auftakt des letzten Tages vor der US-Präsidentschaftswahl am Dienstag haben sich beide Kandidaten siegesgewiss gezeigt. Vor einem Kundgebungsmarathon in fünf Städten im Nordosten der USA rief Amtsinhaber Donald Trump in einer Videobotschaft dazu auf, möglichst früh und im Wahllokal zu wählen. Sein Herausforderer Joe Biden hatte zum Abschluss noch zwei Auftritte geplant und kritisierte Trumps Reise in den besonders heftig von der Corona-Pandemie getroffenen Staat Wisconsin.

Die Stadt Kenosha in Wisconsin, die am Montag bereits zum zweiten Mal seit September auf Trumps Reiseplan stand, steht beispielhaft für die aktuellen Herausforderungen der USA. Nach einem Polizeieinsatz am 23. August, bei dem der 29-Jährige Jacob Blake schwer verletzt wurde, kam es wochenlang zu teilweise gewaltsamen Protesten gegen Rassismus. Wisconsin gehört derzeit zudem zu den US-Staaten mit den meisten Corona-Neuinfektionen. Bezogen auf die Bevölkerungsgröße liegt der Bundesstaat hinter North Dakota und South Dakota auf dem dritten Platz bei den Ansteckungen innerhalb von sieben Tagen.

Biden kritisierte am Montag den Besuch Trumps in Wisconsin und warf ihm vor, keinen Plan zur Eindämmung der Pandemie zu haben. "Wenn ich im Oval Office bin, werde ich an der Seite von Wisconsin stehen und den Experten zuhören, der Wissenschaft vertrauen und meinen Plan umsetzen, um das Virus unter Kontrolle zu bringen", fügte Biden hinzu.

Kenosha war am Montag das vierte Ziel bei Trumps Abschlusstour im Wahlkampf. Vorher wollte er noch in Fayetteville in North Carolina, Avoca in Pennsylvania und in Traverse City in Michigan auftreten. Letzter Programmpunkt war eine Kundgebung in Grand Rapids, ebenfalls in Michigan. Biden wollte zum Abschluss des Wahlkampfs ebenfalls im besonders heftig umkämpften Pennsylvania auftreten sowie in Ohio, wo Umfragen ebenfalls auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen hindeuten.

Joe Biden (l.) und Donald Trump (r.) sind auf ihren abschließenden Wahlkampfreisen (Archivbild)

Joe Biden (l.) und Donald Trump (r.) sind auf ihren abschließenden Wahlkampfreisen (Archivbild)

Foto: ANGELA WEISS / AFP

Kramp-Karrenbauer und Scholz wollen Zusammenarbeit mit den USA nicht infrage stellen

16.55 Uhr: Vor der Präsidentschaftswahl in den USA haben CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) dazu gemahnt, unabhängig vom Wahlergebnis die transatlantische Zusammenarbeit nicht infrage zu stellen. Die Bundesrepublik könne sich in keinem Fall von den USA abwenden, sagte Kramp-Karrenbauer den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Wir werden mit jeder Wirklichkeit umgehen müssen", sagte auch Scholz den Sendern RTL und n-tv.

"Egal, wie die Wahl ausgeht, den Westen angesichts unverkennbarer russischer Machtausübung und globaler chinesischer Vormachts-Ambitionen stark zu halten, das können nur Amerika und Europa gemeinsam", so Kramp-Karrenbauer. Zudem bleibe Deutschland "von Amerikas strategischem Schutz abhängig". Allerdings müssten angesichts der Lage in den USA "Deutschland und Europa gleichzeitig zum deutlich aktiveren Träger der westlichen Ordnung werden".

"Auf der Welt regieren viele Männer und Frauen, die nicht in gleicher Richtung marschieren, wie wir", sagte Scholz. Sollte er Bundeskanzler werden, würde er mit "allen zusammenarbeiten, die in der Welt regieren, aber klar machen, dass wir ein Land sind, das auf Demokratie und Freiheit setzt und eine starke Europäische Union will". Allerdings hoffe er "natürlich vor allem für die Bürgerinnen und Bürger Amerikas, dass Versöhnung die Zukunft prägt und nicht Spaltung", so Scholz.

Twitter will voreilige Wahlsieg-Tweets kennzeichnen

16.20 Uhr: In den USA wächst offenbar die Sorge, dass US-Präsident Donald Trump sich voreilig zum Wahlsieger erklären könnte. Die Nachrichtenseite "Axios"  berichtete, dass Trump angeblich plane, sich im Fall eines Vorsprungs in der Nacht der US-Wahl noch vor Ende der Stimmenauszählung zum Sieger zu erklären. Nun reagierte Twitter mit einer aktualisierten Richtlinie: Tweets, in denen ein Kandidat voreilig seinen Wahlsieg erkläre, würden mit einem entsprechenden Hinweis gekennzeichnet, hieß es in einem aktualisierten Blogbeitrag .

"Wir erlauben niemandem, Twitter zu benutzen, um Wahlen oder andere zivilgesellschaftliche Prozesse zu manipulieren oder sich in diese einzumischen", hieß es in dem Beitrag. Die Kennzeichnung entsprechender Tweets sollten einen Link zur offiziellen US-Wahlseite enthalten. Für das Wahlergebnis müssten offizielle Mitteilung vorliegen oder mindestens zwei voneinander unabhängige Berichte nationaler Medien.

Des Weiteren schrieben die Autoren, Tweets würden gelöscht, wenn diese "dazu auffordern, die Wahlergebnisse oder den reibungslosen Betrieb der Wahllokale zu stören".

Corona-Modellrechnung: Zehntausende Infektionen sollen auf Trumps Wahlkampfveranstaltungen zurückgehen

15.50 Uhr: Mindestens 30.000 Menschen könnten sich wegen der großen Wahlkampfauftritte von Donald Trump mit dem Coronavirus infiziert haben, rechnet ein Team von US-Ökonomen vor.

Trump droht mit Entlassung: Biden verteidigt Fauci

15.30 Uhr: Joe Biden hat den Immunologen Anthony Fauci, den Chefberater von Donald Trump in der Coronakrise, verteidigt. "Wir brauchen einen Präsidenten, der tatsächlich auf Experten wie Dr. Fauci hört", twitterte Biden. Trump hatte in der Nacht zuvor auf einer Wahlkampfveranstaltung angedeutet, er werde Fauci nach der Wahl entlassen.

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"Schmeiß Fauci raus" skandierten die anwesenden Trump-Untersützer. Darauf antwortete Trump: "Sagt es nicht weiter, aber lasst mich noch warten bis kurz nach der Wahl."

Fauci hat Trump seit Beginn der Pandemie mehrfach widersprochen und insbesondere Trumps Aussage, die USA hätten das Schlimmste hinter sich, kritisiert. Die USA sind sowohl bei den Infektions- als auch bei den Todesfällen weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen. 

Gebiet ums Weiße Haus wird abgeriegelt

15.00 Uhr: Angesichts möglicher Proteste im Zuge der US-Wahl soll das Gebiet rund um das Weiße Haus offenbar abgeriegelt werden. Ähnlich wie bei den Black-Lives-Matter-Protesten im Sommer soll noch am Montag ein Zaun errichtet werden, der auch den Park südlich vom Weißen Haus umfassen soll. Das berichten CNN  und der NBC-Journalist Geoff Bennett. 250 Nationalgardisten würden sich zudem für einen möglichen Einsatz bereithalten.

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Teile des Gebiets rund um das Weiße Haus, darunter auch der Lafayette Park im Norden, waren schon seit dem Sommer teilweise für die Öffentlichkeit gesperrt - wegen Protesten, aber auch wegen Bauarbeiten.

Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany sagte Fox News, Trump werde die Wahlnacht im Weißen Haus verbringen. Trump selbst hatte zuvor noch erwogen, lieber im Trump-Hotel von Washington zu sein.

Auch in anderen Regionen der USA werden mit Blick auf mögliche Unruhen rund um die Wahl Sicherheitsvorkehrungen getroffen. So wurden in mehreren Städten die Schaufensterscheiben von Geschäften mit Holzplatten verbarrikadiert. Die berühmte Shoppingmeile "Rodeo Drive" in Beverly Hills soll laut örtlicher Polizei  ebenfalls für zwei Tage für Autos und Fußgänger gesperrt werden.

Deutscher Journalisten-Verband rät US-Korrespondenten zu größter Vorsicht

14.45 Uhr: Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV)  hat allen Korrespondenten in den USA zu größter Vorsicht geraten. Der DJV verwies am Montag auf Informationen ausländischer Medienorganisationen über notwendige Vorkehrungen, die Journalistinnen und Journalisten in den USA treffen sollten. Wenn friedliche Proteste in Washington und anderen Großstädten am Wahlabend in Gewalt umschlügen, müssten Berichterstatter darauf vorbereitet sein, erklärte der DJV.

Unbedingt empfehlenswert sei die Begleitung durch professionelle Personenschützer. Journalisten sollten darüber hinaus bei Einsätzen vor Ort einen engen Kontakt zu ihren Redaktionen halten. "Die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahl wie auch über die Reaktionen auf der Straße ist ein absolutes Muss für Journalisten", erklärte der DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall. "Da müssen aber auch die sicherheitsrelevanten Rahmenbedingungen stimmen."

Der DJV-Vorsitzende forderte die Sicherheitsbehörden in den USA auf, die Pressefreiheit durchzusetzen: "Dazu gehört, dass die Kolleginnen und Kollegen ihren Job machen können, auch wenn fanatische Medienhasser das verhindern wollen."

CNN: Gouverneur von Pennsylvania ruft in Werbespot zu Geduld auf

14.30 Uhr: Am Tag der US-Präsidentenwahl am Dienstag will Gouverneur Tom Wolf die Bürger seines hart umkämpften Bundesstaates Pennsylvania zu Geduld aufrufen. "Wegen des Coronavirus wurden Millionen von Stimmen per Post abgegeben, so dass es länger als gewöhnlich dauern kann, jede Stimme auszuzählen", sagt der Demokrat laut einem CNN-Bericht  vom Sonntag in einem Werbespot der überparteilichen Organisation "The Voter Project". Das Video solle demnach vom Nachmittag des Wahltags an bis zur letzten Auszählung der Stimmen laufen - wann auch immer das sei.

Es könne also etwas länger dauern als gewohnt, "sogar ein paar Tage, aber das ist in Ordnung", sagt Wolf laut CNN in dem Spot weiter. "Denn es ist entscheidend, dass Ihre Stimme ausgezählt wird - und das wird sie auch." Laut dem "U.S. Elections Project"  haben bereits mehr als 2,4 Millionen Menschen in Pennsylvania die Möglichkeit genutzt, vor dem offiziellen Wahltermin am 3. November per Brief oder in vorab geöffneten Wahllokalen abzustimmen. Diese dürfen aber laut CNN erst am Wahltag bearbeitet und ausgezählt werden.

Pennsylvania zählt zu den sogenannten Swing States, jenen umkämpften Bundesstaaten, die sich weder den Republikanern noch den Demokraten klar zuordnen lassen und daher bei der Wahl entscheidend sein könnten. Präsident Donald Trump bewirbt sich an diesem Dienstag um eine zweite Amtszeit. Bei der Wahl 2016 konnte er sich in dem Bundesstaat im Nordosten der USA sehr knapp durchsetzen. Umfragen räumen derzeit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden gute Chancen ein, sich die 20 Wahlleute dort zu sichern - es könnte aber eng werden.

Farage glaubt an Trump

14.00 Uhr: Nigel Farage, Vorsitzender der Brexit-Partei, denkt, dass US-Präsident Donald Trump die Wahl trotz schlechterer Umfragewerte gewinnen wird. Die Basis Trumps Untersützer sei so enthusiastisch, dass er an Schwung gewonnen habe. "Sie können sich, wenn Sie wollen, die Meinungsumfragen, die Wettmärkte und die Leitartikel der Weltpresse ansehen, und sie alle werden Ihnen sagen, dass es ein Slam Dunk für Joe Biden ist. Das glaube ich nicht", sagte Farage in einem Radiogespräch, er setzt auf Trump: "Ich glaube wirklich, dass er morgen gewinnen wird".

Farage hat Trump zuletzt im Wahlkampf untersützt.

Hass, Kulturkampf, Zwietracht: Was von Trump bleibt - selbst wenn er gehen muss

13.30 Uhr: Der US-Präsident hat das politische System so massiv beschädigt, dass es sich kaum noch reparieren lässt. Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelstory .

US-Richter entscheidet über Gültigkeit von 127.000 Stimmen

13.00 Uhr: Aufgrund der Coronavirus-Pandemie sind in den USA teilweise Wahllokale eingerichtet worden, die von Wählerinnen und Wähler mit dem Auto passiert werden können. Mit dem sogenannten Drive-Through-Wahllokalen soll enger Kontakt zwischen Wahlhelfern und Wählern möglichst vermieden werden. Doch es gibt auch Widerstand. So muss ein US-Bezirksrichter in Texas am Montag über einen Eilantrag von Republikanern entscheiden. Sie beschuldigen den Demokraten Chris Hollins, Bezirksangestellter von Harris County, seine Befugnisse überschritten zu haben, indem er Drive-Through-Abstimmung zugelassen hat.

Der Richter muss nun entscheiden, ob in der Stadt Houston etwa 127.000 Stimmen, die bereits an entsprechenden Drive-Through-Wahllokalen abgegeben wurden, gültig sind. Harris County, in dem die Stadt Houston mit rund 4,7 Millionen Einwohnern liegt, ist der drittbevölkerungsreichste Bezirk der Vereinigten Staaten. Er verfügt derzeit über zehn Drive-Through-Wahllokale, die allen Wählern zur Verfügung stehen.

Der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Texas hatte eine ähnliche Klage am Sonntag abgelehnt. Dasselbe Gericht hatte zuvor bereits ähnliche Klagen der Republikanischen Partei von Texas und der Republikanischen Partei von Harris County abgewiesen.

Texas, der zweitgrößte US-Bundesstaat, ist traditionell ein republikanischer Bundesstaat, aber die Umfragen zeigen ein enges Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden.

Israelische Siedlerführer beten für Trump

12.30 Uhr: Unmittelbar vor der US-Wahl haben israelische Siedlerführer an einer heiligen Stätte in Hebron für einen Sieg von US-Präsident Donald Trump gebetet. Sie versammelten sich am Montag in Hebron im besetzten Westjordanland an den Patriarchengräbern, die Juden und Muslimen heilig sind. Anschließend sangen sie die US-Nationalhymne. Der Wahlausgang in den USA werde "die Zukunft des Staates Israel stark bestimmen", hieß es zuvor in einer Stellungnahme von Jochai Damri vom Siedlerrat.

"Wir schulden Präsident Trump Dankbarkeit für seine Unterstützung des Staates Israels, des Landes Israel und der Siedlungen in den vergangenen vier Jahren", sagte Damri nach Angaben der "Times of Israel" . Man befürchte einen knappen Wahlausgang. Während Trumps Amtszeit hätten Israel und die Siedler "nie dagewesene Unterstützung" erhalten.

Regierungschef Benjamin Netanjahu hat Trump als "besten Freund, den Israel je im Weißen Haus hatte" beschrieben. Kein US-Präsident war bisher so offen pro-israelisch wie Trump. Er hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt und die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin verlegt. Im vergangenen Jahr hatte der Republikaner außerdem die Golanhöhen formell als Staatsgebiet Israels anerkannt und damit eine Kehrtwende in der US-Außenpolitik vollzogen.

Nach Meinungsumfragen glauben rund zwei Drittel der Israelis, dass ein zweiter Wahlsieg Trumps besser für Israel wäre als ein Sieg seines Rivalen Biden.

Rückblick: Vier Jahre Trump, vier Jahre Skandale

12.10 Uhr: Diplomatische Eskalation, royale Missgeschicke, offene Beleidigungen: Donald Trump hat viele rote Linien überschritten. Rückblick auf bemerkenswerte Momente seiner ersten Amtszeit. Ein Video von Markus Kowalski

Wahlkampf in der finalen Phase: Trump reist in vier, Biden in zwei Staaten

11.40 Uhr: US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden gehen in die letzte Runde ihres Wahlkampfs: Während Trump am Montag, dem letzten Tag vor der Wahl, in vier umkämpften Bundesstaaten auftreten wird, konzentriert sich Biden auf Pennsylvania und Ohio.

Trump wird am Montag Kundgebungen in North Carolina, Pennsylvania, Wisconsin und Michigan abhalten. Diese Staaten gewann er 2016 gegen die Demokratin Hillary Clinton. Aktuelle Umfragen zeigen jedoch, dass Joe Biden gute Chancen hat, hier zu gewinnen. Trump beendet seinen Wahlkampf am selben Ort wie 2016: in Grand Rapids, Michigan.

Biden, Vizekandidatin Kamala Harris und ihr Ehepartner Douglas Emhoff werden den größten Teil des Montags in verschiedenen Orten in Pennsylvania verbringen. Biden will Gewerkschaftsmitglieder und Mitglieder der afroamerikanischen Gemeinschaft in der Gegend von Pittsburgh versammeln. Später tritt dann Lady Gaga bei einer Drive-In-Veranstaltung auf. Außerdem reist Biden nach Ohio, wo Trump 2016 noch gewonnen hatte.

Texas: Trump-Anhänger rammen Bidens Wahlkampffahrzeug - FBI ermittelt

11.20 Uhr: Gefährliche Situation in Texas: Fans von Donald Trump haben die Kolonne von Herausforderer Joe Biden attackiert. Aus dem Weißen Haus kam Lob und Spott – die Bundespolizei schaltet sich ein.

Lady Gaga legt sich mit Trumps Wahlkampfteam an

11.00 Uhr: US-Popstar Lady Gaga und das Wahlkampfteam von Donald Trump haben sich ein Scharmützel auf Twitter geliefert. Auf Anschuldigungen von Trumps Wahlkampfteam, sie sei eine "Anti-Fracking-Aktivistin", reagierte Lady Gaga am Montag mit Wahlaufrufen für den demokratischen Kandidaten Joe Biden. "Wählt Biden" und "Was ist Fracking?" war bei Lady Gaga, die eigentlich Stefani Germanotta heißt, zu lesen.

Der Kommunikationsdirektor von Trumps Wahlkampfteam, Tim Murtough, hatte zuvor einen für Montagabend vorgesehenen gemeinsamen Auftritt von Biden und Lady Gaga in Pittsburgh im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania moniert. "Nichts stellt die Verachtung Joe Bidens für die arbeitenden Männer und Frauen von Pennsylvania derart zur Schau wie ein Wahlkampfauftritt mit der Anti-Fracking-Aktivistin Lady Gaga", twitterte Murtough.

Den Auftritt Bidens an der Seite Lady Gagas beschrieb der Trump-Mitarbeiter als "verzweifelten Versuch" des Demokraten, die Zustimmung zu seinem "glanzlosen Wahlkampf" anzutreiben. Er sei aber ein Schlag ins Gesicht für die "600.000 Menschen in Pennsylvania, die in der Fracking-Industrie" tätig seien. Biden habe "linken Aktivisten wiederholt versprochen", im Falle seiner Wahl Fracking zu verbieten, fügte Murtough hinzu.

Tatsächlich hat Biden die umstrittene Methode zur Gas- und Erdölförderung kritisiert und angekündigt, keine neuen öffentlichen Freiflächen für Fracking zur Verfügung stellen zu wollen. Fracking komplett abschaffen will aber auch der Demokrat nicht.

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Senator Mitch McConnell: Der Mann hinter Donald Trump

10.35 Uhr: Ohne ihn hätte der US-Präsident politisch nicht überlebt. Mitch McConnell ist Mehrheitsführer im Senat - und könnte zum wichtigsten Gegenspieler für Joe Biden werden, falls der die Wahl gewinnt. Von Ralf Neukirch, Lexington

Am Wahltag: Biden bleibt in Wilmington, Trump in Washington

10.15 Uhr: Joe Biden will sich in der Wahlnacht am 3. November von seinem Wohnort Wilmington (Bundesstaat Delaware) aus an die Nation wenden. Das berichteten verschiedene US-Journalisten am Samstag unter Berufung auf Bidens Wahlkampfteam. Mit dabei sein sollen auch seine Ehefrau Jill sowie Vizekandidatin Kamala Harris und ihr Ehemann Douglas Emhoff.

US-Präsident Donald Trump will die Wahlnacht voraussichtlich in Washington verbringen. "Ich werde vielleicht zwischen dem Weißen Haus und dem (Trump-)Hotel sein", sagte Trump am Samstag vor seinem Abflug zu Wahlkampfauftritten im Bundesstaat Pennsylvania. Er beklagte, dass die Hauptstadtverwaltung seinem Hotel "Grenzen gesetzt" habe. Er spielte damit auf die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus an. In Washington sind derzeit Veranstaltungen mit maximal 50 Personen erlaubt.

Am Freitag hatte Trump noch gesagt, er habe noch nicht entschieden, wo genau er die Wahlnacht verbringen werde. Er sagte, er wisse nicht, ob das Hotel für Feierlichkeiten genutzt werden dürfe. Sollte das nicht der Fall sein, werde man voraussichtlich im Weißen Haus bleiben oder einen anderen Ort wählen. Es ist ungewöhnlich, dass amtierende Präsidenten die Wahlnacht im Weißen Haus verbringen.

Trump erwägt Entlassung von Seuchenexperte Fauci

09.30 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat öffentlich die Entlassung von US-Seuchenexperte Anthony Fauci in Aussicht gestellt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida in der Nacht auf Montag verteidigte Trump seine Corona-Politik, als die Menge anfing, "Schmeiß Fauci raus" zu skandieren. Darauf antwortete Trump: "Sagt es nicht weiter, aber lasst mich noch warten bis kurz nach der Wahl." Die Präsidentschaftswahl in den USA findet am Dienstag statt.

Der Immunologe Fauci, Chefberater des Präsidenten in der Coronakrise, hat Trump seit Beginn der Pandemie mehrfach widersprochen und insbesondere Trumps Aussage, die USA hätten das Schlimmste hinter sich, kritisiert. Das Land stehe noch vor viel Leid, sagte er am Freitag in der "Washington Post" . Alle Zeichen zeigten in die falsche Richtung. "Man kann nicht viel schlechter positioniert sein." Die USA sind sowohl bei den Infektions- als auch bei den Todesfällen weltweit am stärksten von der Pandemie betroffen. 

Trump könnte sich vor Endergebnis zum Wahlsieger erklären

09.00 Uhr: US-Präsident Donald Trump plant angeblich, sich im Fall eines Vorsprungs in der Nacht der US-Wahl noch vor Ende der Stimmenauszählung zum Sieger zu erklären. Die Nachrichtenseite "Axios"  berichtete am Sonntag unter Berufung auf drei ungenannte Quellen, Trump habe entsprechende Pläne mit Vertrauten besprochen. Wegen der Pandemie wird eine Rekordzahl an Briefwählern erwartet. Umfragen zufolge wollen vor allem Anhänger des Demokraten Joe Biden davon Gebrauch machen. In umkämpften Bundesstaaten wie Pennsylvania können Briefwahlstimmen noch Tage nach der Wahl ausgezählt werden.

Das könnte dazu führen, dass Trump bei der Wahl in der Nacht zu Mittwoch vorne liegt, sein Vorsprung sich aber in den Tagen danach in eine Niederlage verwandelt. Dann würden die Wahlleute in den Bundesstaaten, in denen sich das Ergebnis dreht, doch nicht Trump, sondern Biden zugesprochen. Das könnte bei einem knappen Ergebnis entscheidend sein - der Sieger braucht mindestens 270 der 538 Wahlleute aus den Bundesstaaten.

Trump forderte am Sonntag bei einem Wahlkampfauftritt in Dubuque im Bundesstaat Iowa erneut, ein Wahlergebnis müsse in der Nacht zu Mittwoch vorliegen. "Das ist immer so gewesen, und so sollte es sein." Trump behauptet seit Monaten ohne jeden Beleg, dass Briefwahl Betrug Vorschub leistet. Er bereitet damit nach Ansicht von Kritikern das Feld dafür, bei einer Niederlage das Ergebnis anzuzweifeln.

Axios berichtete, Trumps Team bereite sich darauf vor, ohne Grundlage zu behaupten, dass die Demokraten die Wahl "gestohlen" hätten, sollte sich das Ergebnis in Pennsylvania nach der Wahlnacht zu Bidens Gunsten drehen. Auch Trump-Wahlkampfberater Jason Miller warf den Demokraten am Sonntag vor, einen Wahlsieg nach der Wahl "stehlen" zu wollen.

Ökonom Fratzscher macht sich Sorgen um deutsche Wirtschaft

07.25 Uhr: DIW-Chef Marcel Fratzscher macht sich im Falle einer zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump mehr Sorgen um die deutsche als um die US-Wirtschaft. "Ich habe die Sorge, dass Deutschland wirtschaftlich mehr zu verlieren hat als die USA unter Präsident Trump", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn Trump die Wahl gewinnt, wird die Demokratie in den USA Schaden nehmen, ebenso der Multilateralismus. Wirtschaftlich gesehen mache ich mir mittelfristig aber weniger Sorgen." Die US-Wirtschaft werde weiter sehr dynamisch sein.

Aus Fratzschers Sicht ist Europa zu wenig handlungsfähig. "Wir haben keine gemeinsame Stimme und es gibt keine treibende Kraft, die sich gegenüber den USA und China durchsetzen kann", sagte der DIW-Präsident. "Die USA und China werden zunehmend nationalistisch und es besteht die Gefahr, dass Europa hinten runterfällt."

Sollte der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden die Wahl gewinnen, erwartet Fratzscher einen Kurswechsel in der US-Innenpolitik. "Biden wird versuchen, die Spaltung der Gesellschaft zu verringern." Auch international könnte sich viel ändern. "Auf globaler Ebene dürfte Biden einiges reparieren, zum Beispiel die Haltung der USA zum Pariser Klimaschutzabkommen." Zugleich dämpfte Fratzscher die Erwartungen, dass sich die USA unter Biden verstärkt für internationale Zusammenarbeit und multilaterale Verträge einsetzen würden. "Wir sollten nicht erwarten, dass die USA unter Biden die Rolle des Treibers des Multilateralismus übernehmen."

ptz/hba/dpa/AFP/AP/Reuters
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