+++ Newsblog zur US-Wahl +++ Biden in Michigan: "Zeit für Trump, seine Koffer zu packen"

Auf den letzten Metern im Rennen um das Weiße Haus greift Joe Biden den US-Präsidenten noch einmal scharf an. Beim Wahlkampf in Michigan begleitete ihn Barack Obama. Der 31. Oktober im Überblick.
Joe Biden in Flint, Michigan: "Fertig mit dem Chaos, den Tweets, der Wut, dem Hass"

Joe Biden in Flint, Michigan: "Fertig mit dem Chaos, den Tweets, der Wut, dem Hass"

Foto: JIM WATSON / AFP

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Margot Käßmann rät Christen von Wahl Trumps ab

23.55 Uhr: Die evangelische Theologin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, hat die Christen in den USA aufgerufen, bei der Präsidentschaftswahl nicht für Amtsinhaber Donald Trump zu stimmen. "Donald Trump zerstört ganz bewusst Recht und Ordnung. Er befeuert Gewalt und Rassismus, Frauenverachtung und Lüge. Ich finde, Christen dürften ihn am 3.11. nicht wählen", schreibt Käßmann in der "Bild am Sonntag".

Sie warf Trump vor, gegen zentrale christliche Werte in der Migrationspolitik zu verstoßen. "Ist es Ordnung, wenn sogar Kleinkinder von ihren Eltern getrennt in Käfige gesperrt werden, weil diese aus Mexiko in die USA kamen? Sorry, aber da sagt Jesus: Was ihr ihnen angetan habt, habt ihr mir angetan", schrieb die Theologin.

Der US-Präsident sei ein Mann "der sexuelle Belästigung geradezu als eigenen Lebensstil darstellt. Er prahlte, er könne jeder Frau zwischen die Beine greifen. Er ist in dritter Ehe verheiratet, hatte viele Affären, auch mit einem Pornostar." Wenn evangelikale Prediger den Präsidenten verteidigen würden, aber Frauen, die abtreiben wollten, verstoßen würden, sei das Heuchelei, sagte Käßmann.

Trump stellt Europas Umgang mit der Corona-Pandemie infrage

22.50 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat kurz vor der Wahl in den USA die Wirksamkeit strenger Alltagsbeschränkungen sowie Europas Umgang mit dem Coronavirus angezweifelt. "Die explodierenden Fälle in Europa haben gezeigt, dass drakonische Lockdowns - das sind sie, drakonisch - das Virus nicht aufhalten", sagte der Republikaner bei einer Wahlkampfveranstaltung in Newton, Pennsylvania. "Italien war so im Lockdown - und jetzt fängt es wieder von vorne an."

Donald Trump in Newton, Pennsylvania: "Jeder dachte, Deutschland geht es gut, gut, gut, gut. Aber es geht denen nicht gut."

Donald Trump in Newton, Pennsylvania: "Jeder dachte, Deutschland geht es gut, gut, gut, gut. Aber es geht denen nicht gut."

Foto: MANDEL NGAN / AFP

Trump brüstete sich drei Tage vor dem Wahltermin am Dienstag zudem damit, dass die Übersterblichkeit in den USA 40 Prozent niedriger sei als in Europa. "Und Europa hat einen guten Job gemacht, das ist ein sehr brutales Ding. Jeder dachte, Deutschland geht es gut, gut, gut, gut. Aber es geht denen nicht gut", sagte er. "Man sieht gerade, was da drüben abgeht, Frankreich wieder, Spanien, Italien. Uns geht es gut. Wir bekommen nur keine Anerkennung dafür."

Auf welche Zahlen sich Trump mit seiner Aussage berief, war unklar. Die Übersterblichkeit gibt an, wie viele Menschen in einem gewissen Zeitraum mehr gestorben sind als zu einem vergleichbaren früheren Zeitraum.

Die USA mit ihren rund 330 Millionen Einwohnern und haben nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität mehr als 230.000 bestätigte Corona-Tote. Das europäische Bündnis Euromomo geht von aktuell rund 223.000 durch das Virus gestorbenen Menschen in den Ländern aus, die Daten zuliefern. In der Europäischen Union leben derzeit rund 448 Millionen Menschen. Allerdings liefern nicht alle EU-Länder Daten für Euromomo zu.

Biden: "Zeit für Trump, seine Koffer zu packen"

21.14 Uhr: Donald Trumps demokratischer Herausforderer Joe Biden hat bei einem Wahlkampfauftritt in Flint, Michigan noch einmal gegen seinen Konkurrenten gewettert.

"Es ist Zeit für Donald Trump, seine Koffer zu packen und nach Hause zu gehen", sagte Biden am Samstag in Flint in Michigan. "Wir sind fertig mit dem Chaos, den Tweets, der Wut, dem Hass, dem Versagen, der Weigerung, jegliche Verantwortung zu übernehmen." Biden wurde dabei von Ex-Präsident Barack Obama begleitet.

Michigan gehört zu den "Swing States", besonders umkämpfte Bundesstaaten, die mal für einen Republikaner und mal für einen Demokraten stimmen. Trump gewann den Staat 2016 mit hauchdünner Mehrheit. Er lag damals mit 0,3 Prozentpunkten vor der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Umfragen sehen bei dieser Wahl Biden in Führung.

Die Stadt Flint hatte wegen eines Wasserskandals 2016 weltweit Aufsehen erregt. Die Stadt hatte ihr Trinkwasser auf einem Fluss abgezapft. Doch die lokale Aufbereitungsanlage konnte das Wasser nicht entsprechend den Trinkwasservorschriften aufbereiten. Das aggressive Wasser löste Blei aus alten Leitungen, viele Bürger wurden krank.

Universität vermeldet Rekord-Wahlbeteiligung

21.10 Uhr: Wenige Tage vor dem Abstimmungstermin steuert die Wahlbeteiligung in den USA auf einen Jahrhundert-Rekord zu. Die Universität von Florida gab am Samstag bekannt, dass mehr als 90 Millionen Bürger bereits per Briefwahl oder in Person ihre Stimme abgegeben haben.

Die Zahl entspricht 65 Prozent der gesamten Wähler von vor vier Jahren. Die hohe Zahl von Briefwählern könnte in einigen Bundesstaaten zu Verzögerungen bei der Auszählung führen.

Geschäfte in US-Metropolen bereiten sich auf Unruhen vor

19.56 Uhr: Geschäftsinhaber in den USA rüsten sich für mögliche Krawalle zur US-Präsidentschaftswahl. So hat beispielsweise das New Yorker Kaufhaus Macy's Schaufenster und Türen mit Holzbrettern verkleidet. Auf dem Höhepunkt der Proteste gegen Polizeigewalt im Sommer war es in einigen Nächten zu Randale und Plünderungen gekommen.

Auch in Chicago wurden laut dem Sender NBC  Geschäfte in einem Shoppingdistrikt abgesichert. In der Hauptstadt Washington verriegelten laut ABC  ebenfalls zahlreiche Geschäfte ihre Fenster. Am Weißen Haus wurde demnach eine spezieller "Anti-Kletter-Mauer" errichtet, der Protestierende zusätzlich vom Betreten des Geländes abhalten soll.

Schutzvorrichtungen vor einer Starbucks-Filiale nahe dem Weißen Haus in Washington D.C.

Schutzvorrichtungen vor einer Starbucks-Filiale nahe dem Weißen Haus in Washington D.C.

Foto: JOSHUA ROBERTS / REUTERS

Aus Angst vor möglichen Ausschreitungen rund um die US-Präsidentschaftswahl am Dienstag will die New Yorker Bürgerinitiative Guardian Angels mehr von ihren patrouillierenden Mitgliedern auf die Straßen schicken.

Man rechne damit, dass es wegen der Entscheidung zwischen Donald Trump und Joe Biden zu Unruhen kommen könnte, teilte die Organisation mit. Die Nachbarschaftsinitiative mit den roten Jacken und roten Baretten setzt sich seit 1979 für mehr Sicherheit in der Millionenmetropole ein, damals erlebte die Stadt sehr viel mehr Gewalt als heutzutage.

Biden kämpft mit Obama im Rust Belt - Trump in Pennsylvania

16.00 Uhr: Mit zahlreichen Kundgebungen versuchen die US-Präsidentschaftskandidaten unentschlossene Wähler noch auf ihre Seite zu ziehen. Am letzten Wahlkampfwochenende will der demokratische Herausforderer Joe Biden in Michigan zusammen mit Ex-Präsident Barack Obama auftreten - in den Städten Flint und Detroit. Der versierte Wahlkämpfer Obama wollte erstmals gemeinsam mit seinem ehemaligen Vizepräsidenten auf der Bühne stehen.

Trump hatte den Industriestaat 2016 mit einem knappen Vorsprung von 0,2 Prozentpunkten vor seiner Herausforderung Hillary Clinton gewonnen. Diesmal sehen Wahlumfragen Biden mit sieben Prozentpunkten vor dem Amtsinhaber. In Michigan könnte der 77-Jährige 16 Wahlmännerstimmen holen - einen beträchtlichen Anteil der 270 Stimmen, die er für den Einzug ins Weiße Haus benötigt.

Amtsinhaber Donald Trump will drei Kundgebungen in Pennsylvania abhalten, einem weiteren der wahlentscheidenden Swing States. Biden wird am Sonntag und Montag dort nachziehen. Beide Kandidaten kämpfen in dem östlichen Bundesstaat um 20 Wahlmännerstimmen.

Auch hier siegte Trump vor vier Jahren - mit hauchdünnem Vorsprung. Während Trump bei seinen Wahlkampfveranstaltungen - zuletzt im Mittleren Westen sowie in Florida - immer wieder ein baldiges Ende der Corona-Pandemie trotz Rekordwerten bei den Neuinfektionen beschwor, warf Biden dem Präsidenten vor, die Kontrolle über das Virus verloren zu haben.

Deutscher Ex-Botschafter warnt vor Folgen eines knappen Wahlausgangs

14.30 Uhr: Der frühere deutsche Botschafter in Washington, Peter Wittig, erwartet bei einem knappen Wahlausgang in den USA eine Anfechtung des Ergebnisses vor Gericht. Je länger die Auszählung der Briefwahlstimmen dauere, desto "prekärer wird der politische Prozess und auch die politische Stabilität", sagte Wittig im Deutschlandfunk. Bei einem knappen Ergebnis rechne er mit eine Phase der Unsicherheit. "Das wird die Politik in den USA dann auf eine große Belastungsprobe stellen und das wird die Märkte international verunsichern."

Bei der Präsidentenwahl am Dienstag stehen sich Amtsinhaber Donald Trump von den Republikanern und Joe Biden von den Demokraten gegenüber. Trump sehe die Europäer eher als Rivalen, unterstütze die Nato nur halbherzig und habe Deutschland zu seiner Lieblingszielscheibe gemacht, sagte der 66-Jährige. Doch auch bei einem Wahlsieg des ehemaligen Vizepräsidenten Biden werde nicht alles gut. "Die Rückkehr zur alten Welt wird es nicht geben." Er war von 2014 bis 2018 Botschafter in den USA.

Pennsylvania könnte zum Schlüsselstaat werden

12.30 Uhr: Wer Präsident werden will, muss Pennsylvania gewinnen, sagen Umfrage-Experten. Dort liegt Joe Biden knapp vorn. SPIEGEL-Reporterin Leonie Voss hat Menschen getroffen, die trotzdem an Trump glauben. Die Lage in dem US-Staat ist aufgeheizt, sehen Sie hier ein Video aus der umkämpften Region.

Trump verschärft Attacken auf Herausforderer Joe Biden

11.00 Uhr: Im Schlussspurt des Wahlkampfs ums Weiße Haus greift US-Präsident Donald Trump seinen Herausforderer Joe Biden zu immer drastischeren Formulierungen. Im umkämpften Bundesstaat Minnesota bezeichnete Trump den früheren Vizepräsidenten bei einem Wahlkampfauftritt unter anderem als "schmierigen, schmuddeligen, korrupten Politiker", der sich an China verkauft habe.

Hollywood-Stern von Donald Trump erneut schwer beschädigt

08.00 Uhr: Der Stern von US-Präsident Donald Trump auf dem berühmten "Walk of Fame" in Hollywood ist ein weiteres Mal demoliert worden. Ein 56-jähriger Mann, der zum dritten Mal den Stern beschädigt haben soll, wurde wegen mutwilliger Beschädigung festgenommen. Lesen Sie hier mehr über die Aktion des Aktivisten.

US-Rechtswissenschaftler Douglas warnt vor "totalem System-Zusammenbruch" nach Wahl

05.15 Uhr: Der US-Rechtswissenschaftler und Buchautor Lawrence Douglas hat vor einer historischen politischen Krise gewarnt, sollte US-Präsident Donald Trump eine mögliche Wahlniederlage nicht anerkennen. Dem Land drohe im Extremfall ein "totaler System-Zusammenbruch", sagte der Jura-Professor am renommierten Amherst College der Nachrichtenagentur AFP. Trump könnte bei einer knappen Niederlage mit Vorwürfen des Wahlbetrugs "Verwirrung stiften" und den Sieg für sich beanspruchen.

Trump lege schon seit geraumer Zeit mit seinen Angriffen auf die Briefwahl die Grundlage für ein solches "Katastrophen-Szenario", sagte Douglas. "Er sagt den Amerikanern, dass unser Wahlsystem korrupt ist. Er hat ein Narrativ geschaffen, wonach das Wahlsystem seine Legitimität nur beweisen kann, wenn er gewinnt. Und wenn er verliert, ist das ganz einfach ein Beweis dafür, dass das System korrupt ist."

Nur durch einen klaren Wahlausgang könne eine "Katastrophe" verhindert werden, sagt Douglas. Bei einer deutlichen Niederlage Trumps dürften auch wichtige Vertreter seiner Republikaner den Präsidenten zum Einlenken drängen.

Walmart bietet Waffensortiment wieder offen in Verkaufsräumen an

04.45 Uhr: Der US-Handelsriese Walmart hat seine Einschränkungen beim Verkauf von Waffen nach nur einem Tag wieder zurückgenommen. Seit Freitag würden Waffen und Munition wieder wie gehabt in den Verkaufsregalen angeboten, teilte das Unternehmen mit.

Walmart hatte am Donnerstag mit Blick auf Unruhen in Philadelphia angekündigt, sein Waffensortiment in den USA aus den Verkaufsräumen zu entfernen und die Artikel vorübergehend nur noch auf Anfrage an die Kunden zu verkaufen. Beobachter vermuteten, Walmart habe sich auch wegen der bevorstehenden Präsidentschaftswahl zu dem Schritt entschlossen.

Am Freitag erklärte der Konzern aber, da es sich nur um lokal begrenzte Vorfälle gehandelt habe, sei entschieden worden, das Waffensortiment wieder in die Regale einzuräumen.

In der US-Großstadt Philadelphia war es zwei Nächte in Folge zu schweren Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. Ausgelöst wurden die Unruhen durch tödliche Polizeischüsse auf den Afroamerikaner Walter Wallace.

Walmart verkauft nach eigenen Angaben Waffen und Munition in rund der Hälfte seiner Filialen – und steht deshalb regelmäßig in der Kritik.

Trump greift Ärzte wegen Virus-Bekämpfung an

04.05 Uhr: US-Präsident Donald Trump hat im Endspurt des Wahlkampfes Vorwürfe gegen Mediziner erhoben. "Unsere Ärzte bekommen mehr Geld, wenn jemand an Covid stirbt", sagte der Republikaner bei einer Veranstaltung im Bundesstaat Michigan. Er unterstellte ihnen damit indirekt, ein Interesse an der Ausweisung von Corona-Todesfällen zu haben. Experten wiesen allerdings darauf hin, dass diese Behauptung nicht zutreffe. Trump hat die Gesundheitskrise monatelang heruntergespielt und seinen Anhängern in den vergangenen Wochen immer wieder gesagt, dass das Land "die Wende" in der Coronakrise vollziehe.

Medizinisches Personal in einem Krankenhaus in New York

Medizinisches Personal in einem Krankenhaus in New York

Foto: Seth Wenig / AP

In Minnesota sagt sein Herausforderer Joe Biden, Trump habe im Kampf gegen das Virus "aufgegeben". Der Amtsinhaber solle nicht das medizinische Personal angreifen, das die Opfer der Pandemie behandele. "Im Gegensatz zu Donald Trump werden wir vor diesem Virus nicht kapitulieren", sagte der Demokrat. Er warnte angesichts steigender Neuinfektionen vor einem "dunklen Winter".

Die Pandemie hat bislang mehr als 229.000 Menschen in den Vereinigten Staaten das Leben gekostet. Inmitten der Gesundheitskrise wählen die Amerikaner am kommenden Dienstag ihren Präsidenten.

Biden führt in einer landesweiten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos mit 52 Prozent, während Trump auf 42 Prozent kommt. In vielen wahlentscheidenden Bundesstaaten wie Florida und Texas zeichnet sich allerdings ein knapper Ausgang ab.

cop/apr/fek/dpa/AFP/AP/Reuters
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