Rennen ums Weiße Haus Joe Biden braucht noch einen Staat

Donald Trump und Joe Biden liefern sich weiter ein Rennen ums Weiße Haus. Nur noch in wenigen Bundesstaaten stehen die Ergebnisse aus – mit der nächsten Auszählung könnte der Wahlsieger feststehen.
Herausforderer Joe Biden: Nur noch ein Staat zum Sieg

Herausforderer Joe Biden: Nur noch ein Staat zum Sieg

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ROBERTO SCHMIDT / AFP

Vor mehr als 24 Stunden haben die ersten Wahllokale in den USA geschlossen – doch noch immer steht nicht fest, wer das Land künftig als Präsident regieren wird. Noch liegen nicht aus allen Bundesstaaten die Ergebnisse vor. Der demokratische Herausforderer Joe Biden gab sich jedoch zuversichtlich.

"Wir glauben, dass wir die Sieger sein werden, wenn die Stimmauszählung beendet ist", sagte Biden in seiner Heimatstadt Wilmington im Bundesstaat Delaware. "Es ist klar, dass wir genug Bundesstaaten gewinnen, um die 270 Wahlleute-Stimmen zu erreichen." Es sei aber noch zu früh, einen Sieg zu verkünden, sagte der Herausforderer – auch wenn er tatsächlich kurz vor dem Ziel steht.

DER SPIEGEL
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Dem demokratischen Politiker werden bereits 264 Wahlleute zugerechnet (Lesen Sie hier, nach welchen Kriterien wir die Wahlleute zählen). Während Donald Trump bereits vor Stunden frühzeitig den Wahlsieg reklamierte, fehlt Biden nun nur noch ein Bundesstaat zum Wahlsieg. Die nächste Entscheidung noch in dieser Nacht wird in Georgia erwartet.

Zur entscheidenden Wende im Rennen ums Weiße Haus hatten zuletzt die Ergebnisse aus zwei Schlüsselstaaten beigetragen. Sowohl in Michigan als auch in Wisconsin konnte Biden sich knapp gegen Donald Trump durchsetzen, der verzweifelt versucht, gerichtlich gegen die Auszählungen vorzugehen (Verfolgen Sie alle Entwicklungen im Liveticker).

Entscheidet Georgia die Wahl?

  • In Wisconsin trennen Biden und Trump nur 20.000 Stimmen voneinander. Biden bekam dort 49,4 Prozent der Stimmen, Trump erreichte 48,4 Prozent. Wisconsin hat 10 Wahlleute-Stimmen im Electoral College. Da in Wisconsin der Vorsprung weniger als einen Prozentpunkt beträgt, kann eine Neuauszählung beantragt werden. Trumps Team kündigte an, dies zu tun.

  • Auch das hart umkämpfte Michigan konnte Biden für sich entscheiden. Er führt dort mit 49,8 Prozent nur knapp vor Trump (48,6 Prozent), ist laut CNN aber nicht mehr einzuholen. Auch die Sender NBC und Fox News riefen Biden zum Sieger in Michigan aus. Trumps Wahlkampfteam hat in dem Staat inzwischen Klage eingereicht, um die Stimmauszählung zu stoppen. Zur Begründung hieß es, es habe keine ausreichenden Möglichkeiten gegeben, die Auszählung zu überwachen.

  • In Georgia könnte die Wahl entschieden werden – noch wird dort ausgezählt. Derzeit liegt Biden einige Zehntausend Stimmen hinter Trump. Experten halten es allerdings für möglich, dass der Demokrat den Staat noch dreht. Offizielle hatten dort ebenfalls mit Ergebnissen aus weiteren Countys bis um 21 Uhr Ortszeit (3 Uhr deutscher Zeit) gerechnet, darunter Fulton County mit der demokratenstarken Metropole Atlanta. Georgia hat 16 Wahlleute. Auch hier ist eine Klage von Trumps Team anhängig, um die Auszählung zu pausieren

  • Auch in Pennsylvania versuchen Trumps Mitarbeiter, auf diese Weise die Stimmzählung auszusetzen. Trumps Lager wollte sich zudem in eine bereits beim Obersten Gericht anhängige Klage einklinken, bei der über die Rechtmäßigkeit von spät eingehenden Briefwahlscheinen entschieden werden soll. Zuletzt war der Vorsprung von Trump in Pennsylvania auf rund 320.000 Stimmen zusammengeschmolzen. In dem Bundesstaat mit der Metropole Philadelphia mussten noch zahlreiche Briefwahlstimmen ausgezählt werden. Hier hatten Offizielle angedeutet, dass möglicherweise erst am Donnerstag oder Freitag belastbare Zahlen vorliegen könnten.

  • In Nevada hatte Biden nach Auswertung von mehr als 85 Prozent der Stimmen wie erwartet bereits geführt. Die noch fehlenden Briefwahlstimmen dürften auch in seine Richtung gehen. Der Bundesstaat hat sechs Wahlleute-Stimmen und könnte damit die Entscheidung über den künftigen US-Präsidenten bedeuten. Zuletzt hatte das Innenministerium von Nevada erklärt, noch Mittwochabend weitere Zahlen veröffentlichen zu wollen. Es war aber unklar, ob die neuen Zahlen ausreichen würden, damit Medien noch am Abend einen Sieger ausrufen. In Nevada gelten auch Stimmen, die bis zum 10. November eingehen, aber maximal den Poststempel vom Wahltag am Dienstag tragen.

Kann Trump Arizona noch drehen?

Der Bundesstaat Arizona wird ebenfalls noch einmal spannend. Dort hatten US-Sender und die Nachrichtenagentur AP Biden bereits den Sieg zugeschlagen. Am Mittwochnachmittag (Ortszeit) standen in Arizona noch rund 600.000 Stimmen aus. Zunächst gab es dort auch keine Anzeichen, dass sich das gesamte Rennen noch drehen würde. Für 19 Uhr (3 Uhr MEZ) hatte Maricopa County mit der Metropole Phoenix weitere Zahlen angekündigt. Trumps Team hofft nun auf einen größeren Fehler in Arizona.

Warum Zahlen, Grafiken, Meldungen widersprüchlich wirken können

Die Meldungen und die Zahlen der Grafiken auf SPIEGEL.de zur US-Wahl stimmen nicht zu jedem Zeitpunkt überein. Der Grund: Unterschiedliche US-Medien legen für ihre Call-Entscheidungen verschiedene Modelle zugrunde. Dadurch kann es sein, dass ein Sender das Rennen in einem Staat schon als entschieden ansieht und ihn als called wertet, während ein anderer noch wartet. Auf Basis der Call-Entscheidung erhalten die Kandidaten auch die Wahlleute des jeweiligen Staates zugerechnet. Auf SPIEGEL.de halten wir Sie über alle Entscheidungen der seriösen Medien auf dem Laufenden. In den live aktualisierten Karten und Grafiken auf SPIEGEL.de berufen wir uns auf die Daten der US-amerikanischen Nachrichtenagentur AP.

Dreht er den Staat doch noch und gewinnt zusätzlich in Pennsylvania und Georgia, käme Trump auf eine Mehrheit und könnte sich somit eine zweite Amtszeit sichern. Andernfalls wäre er der erste Präsident nach George H. W. Bush 1992, der nicht wiedergewählt wird.

Dabei hatte Trump sich bereits am Wahlabend zum Sieger ausgerufen. Mittlerweile schüren er und sein Team mit ihren Äußerungen zu angeblichem Wahlbetrug die Sorge vor einer langwierigen gerichtlichen Auseinandersetzung, die die USA in eine Verfassungskrise stürzen könnte.

asc/kev/dpa/Reuters
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