Bewaffnete Trump-Anhänger Wahlhelfer bangen um ihre Sicherheit

"Meine Mutter macht sich große Sorgen": Bei der Stimmauszählung in den USA ist die Lage angespannt. Mancherorts demonstrieren Trump-Anhänger direkt vor den Gebäuden – mit Gewehren.
Trump-Anhänger mit halb automatischer Waffe vor dem Wahlzentrum in Phoenix, Arizona

Trump-Anhänger mit halb automatischer Waffe vor dem Wahlzentrum in Phoenix, Arizona

Foto: JIM URQUHART / REUTERS

Nach der Wahl wächst in den USA die Angst vor Gewalt. Vor mehreren Auszählungsstätten in umkämpften Schlüsselstaaten versammelten sich am Donnerstag und Freitag Trump-Anhänger, angestachelt vom US-Präsidenten, der einen Stopp der Auszählungen gefordert hatte. Mehrere Verantwortliche äußerten sich besorgt.

"Meine Ehefrau und meine Mutter machen sich große Sorgen um mich", sagte etwa Joe Gloria, ein Beamter in Clark Country in Nevada, dem Bezirk, in dem Las Vegas liegt. Er und die anderen Mitarbeiter würden jedoch nicht aufhören, ihrer Pflicht nachzugehen und die Stimmen auszuzählen.

Ihre größte Sorge gelte der Sicherheit ihrer Mitarbeiter, sagte auch Katie Hobbs, Secretary of State in Arizona, im Interview mit CNN. Die teils gewaltbereiten Demonstranten würden dafür sorgen, dass sich die Auszählung der Stimmen verzögere. Sie hielten die Wahlhelfer davon ab, einfach ihren Job zu machen. Sie verwies aber auch darauf, dass Helfer durch Sicherheitsleute geschützt würden.

Offen getragene Waffen

Am Donnerstag hatten sich rund hundert Trump-Anhänger vor dem Maricopa-County-Wahlzentrum in Phoenix versammelt, mehrere trugen Gewehre und Pistolen bei sich. Dies ist in Arizona legal. Verantwortliche errichteten um das Zentrum Zäune, der Eingang zu dem Gebäude blieb jedoch geöffnet. Aus der Menge tönten Rufe wie "Vier weitere Jahre!".

Auch in Atlanta versammelten sich rund hundert Trump-Anhänger vor der State Farm Area, wo die Auszählungen laufen. Polizisten beobachteten die Szene. Er sei überzeugt, dass Trump die Wahl gewonnen habe, erklärte einer der Protestierenden.

"Das ist ganz offensichtlich Wahlbetrug, ausgehend von den größeren demokratisch dominierten Städten", erklärte er. Atlanta sei eine davon. "Unsere Demokratie wird attackiert", behauptete er weiter, seine Aussagen ähnelten sehr den Botschaften von Donald Trump. "Wir sind dabei, Amerika zu verlieren, weil uns eine faire Wahl in diesem Land verloren geht."

Tatsächlich gibt es bisher keinerlei ernst zu nehmende Hinweise auf Wahlbetrug. Dass die Stimmauszählung mehrere Tage dauert, ist in der US-Geschichte durchaus üblich. Auch internationale Wahlbeobachter der OSZE haben keinerlei Verstöße festgestellt.

Dennoch versammelten sich auch in Detroit und Philadelphia Dutzende Trump-Anhänger vor Gebäuden, in denen die Stimmauszählung stattfindet. Die Protestierenden skandierten Slogans wie "Stop the Steal" ("Stoppt den Diebstahl") – eine Anspielung auf Trumps unbelegte Behauptung, die Wahl werde ihm gestohlen. Einige trugen rote Schilder, auf denen der Satz "Make Election Fair Again" geschrieben war. Die Botschaft ist eng angelehnt an Trumps lange genutzten Slogan "Make America great again".

In Philadelphia nahm die Polizei zudem am Donnerstag zwei Männer fest, die ohne entsprechende Erlaubnis in der Nähe des Kongresszentrums Schusswaffen bei sich getragen hatten.

Biden: "Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen"

Noch handelt es sich vielerorts um überschaubare Gruppen, von denen keine unmittelbare Gewalt ausgeht. Dennoch äußerten sich Zuständige besorgt angesichts der immer wieder von Trump und seinem Wahlkampfteam wiederholten, nicht belegten Vorwürfe der Wahlmanipulation. Viele haben offenbar Angst, dass die Stimmung in dem gespaltenen Land weiter kippen und es zu gewaltsamen Protesten von Anhängern oder Gegnern des Präsidenten kommen könnte.

Trump stellte sich bei einem Auftritt im Weißen Haus am Donnerstagabend erneut als Opfer systematischen Wahlbetrugs dar, ohne irgendeinen Beleg für seine Behauptungen zu nennen. Mehrere US-Fernsehsender brachen daraufhin ihre Liveübertragung ab.

Trumps ältester Sohn heizte die Stimmung zusätzlich an und forderte einen "totalen Krieg" gegen den angeblichen Wahlbetrug. Es sei an der Zeit, "aufzuräumen und nicht mehr auszusehen wie eine Bananenrepublik", twitterte er. Der Onlinedienst versah die Kurzbotschaft mit einem Warnhinweis.

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Joe Biden rief seinerseits zur Ruhe auf. Auf Twitter schrieb er: "Niemand wird uns unsere Demokratie wegnehmen." Laut "Washington Post" plant der Secret Service eine Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen für den 77-Jährigen.

irb/AFP/AP/dpa
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