Umfrage Deutsche verlieren Vertrauen in US-Demokratie

Der Ablauf der Wahl hat dem Ansehen der USA geschadet: Viele Deutsche vertrauen der amerikanischen Demokratie weniger als zuvor. Mit Joe Biden verbinden sie große Hoffnungen.
Beschädigte transatlantische Beziehungen: Angela Merkel neben Donald Trump (2017)

Beschädigte transatlantische Beziehungen: Angela Merkel neben Donald Trump (2017)

Foto: Philippe Wojazer/ REUTERS

Die eigene Niederlage anzuerkennen, gehört zur Demokratie wie der Wahlschein in die Urne. Doch US-Präsident Donald Trump ficht den Sieg seines demokratischen Gegners Joe Biden weiter an. Mit immer neuen skurrilen Aktionen versucht sein Team, die angeblich »geklaute Wahl« doch noch für sich zu entscheiden. Der Präsident selbst geht derweil golfen.

In mehreren Bundesstaaten sind die Republikaner zudem vor Gericht gezogen, teils wollen sie auch noch knapp drei Wochen nach der Wahl die komplette Abstimmung für verfassungswidrig erklären lassen.

Bei einem Pressetermin mit Trumps juristischem Team verlautbarte die Topanwältin Sidney Powell jüngst auf höchster Ebene wirre Verschwörungstheorien: Um Bestechung mit kommunistischen Geldern ging es dabei, außerdem soll der längst verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chávez die US-Wahl-Software manipuliert haben. Das war selbst den übrigen Juristen des Präsidenten zu viel. Powell musste gehen.

Das transatlantische Verhältnis leidet

Die Nachwehen der Präsidentschaftswahlen haben die Sicht der Deutschen auf den amerikanischen Staat anscheinend beeinflusst – und zwar meist negativ. Bei 53 Prozent der Deutschen ist das Vertrauen in die US-amerikanische Demokratie geschwächt, 34 Prozent fühlen sich in ihrem Vertrauen gestärkt. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar Public hervor, die von der Körber-Stiftung in Auftrag gegeben wurde.

Nach dem Wahlsieg Bidens erwarten 78 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger nun eine Normalisierung der transatlantischen Beziehungen. Diese hatten unmittelbar vor den Wahlen einen neuen Tiefpunkt erreicht: 79 Prozent der Befragten hatten die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland im September noch als »sehr schlecht« oder »eher schlecht« bewertet. Ganz anders auf der anderen Seite des Atlantiks: In den USA empfanden zur gleichen Zeit 74 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die deutsch-amerikanischen Beziehungen als »sehr gut« oder »eher gut«, zeigte eine parallel vom Pew Research Center durchgeführten Studie.

Das Meinungsforschungsinstitut Kantar Public hat im Auftrag der Körber-Stiftung im September 1.005 und im November 1.058 Wahlberechtigte ab 18 Jahren in Deutschland zu ihren außenpolitischen Einstellungen befragt. Die US-Daten wurden durch das Pew Research Center im September 2020 erhoben.

»Der entstandene Schaden ist nicht irreparabel«

Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung

»Der entstandene Schaden ist nicht irreparabel«, sagt Nora Müller, Leiterin des Bereichs Internationale Politik der Körber-Stiftung, zu den Umfrageergebnissen. Doch seien die vergangenen vier Jahre »eine enorme Belastungsprobe für das transatlantische Verhältnis« gewesen.

Trumps Amtsvorgänger Barack Obama hatte sich kürzlich bei der Vorstellung seiner Memoiren ähnlich geäußert: Es sei mehr als eine Wahl nötig, um zu kitten, was Trump beschädigt habe. Biden hatte angekündigt, Trumps Politik »von Tag eins an« in seiner Amtszeit zu kippen und unter anderem die Beziehungen zu Europa wieder zu verbessern.

Um die transatlantischen Beziehungen stand es zuletzt auch aus Sicht der Deutschen nicht gut: 25 Prozent von ihnen sahen der Umfrage zufolge das Verhältnis zu den USA unter Präsident Donald Trump als eine der drei größten Herausforderungen für die deutsche Außenpolitik – 27 Prozent sagten dies auch über die Beziehungen zu Russland unter Wladimir Putin.

Nur sechs Prozent der Deutschen hingegen betrachten das Verhältnis zu China demnach als eine der größten Herausforderungen. Eine vorige Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung hatte bereits im April dieses Jahres gezeigt, dass sich die Deutschen zunehmend wohlwollend China zuwenden, während die USA an Ansehen verlieren.

36 Prozent der Deutschen sagten damals, enge Beziehungen zu China seien wichtiger als enge Beziehungen zu den USA. Dieser Aussage stimmten im September nur noch 27 Prozent der Befragten zu, 56 Prozent sahen hingegen nunmehr enge Beziehungen zu den USA als wichtiger an.

Vor den Wahlen waren die USA allerdings für eine Mehrheit der Deutschen »kein Partner« bei den Themen

  • Klimaschutz (84 Prozent),

  • Förderung des Freihandels (58 Prozent),

  • Schutz von Menschenrechten und Demokratie (57 Prozent),

  • Umgang mit China (63 Prozent).

Für die meisten Deutschen ist der wichtigste außenpolitische Partner ein direktes Nachbarland: Wie in den Vorjahren sahen 43 Prozent Frankreich als Deutschlands bedeutendsten Partner an.

Vor den US-Wahlen lag dieser Wert noch bei 54 Prozent. Der Rückgang der Zustimmungswerte für Frankreich dürfte zu einem Teil an der neuen Hoffnung in den US-Wahlsieger Biden liegen: Immerhin 23 Prozent – und somit 13 Prozentpunkte mehr als vor der Wahl – benennen die USA nunmehr als wichtigsten Partner Deutschlands.

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