Szenarien für den Wahlausgang So kann Biden jetzt gewinnen – und so Trump

In sieben Bundesstaaten entscheidet sich, wer US-Präsident wird. Am Ende könnte ein Bruchteil aller Stimmen den Ausschlag geben.
Joe Biden, Donald Trump

Joe Biden, Donald Trump

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ANGELA WEISS / AFP

270 Wahlleute braucht, wer neuer US-Präsident werden will, und laut aktueller Prognosen haben weder Joe Biden noch Donald Trump diese Zahl bisher erreicht. Das Rennen ist daher weiter offen. Nun kommt es auf die Ergebnisse in sieben Bundesstaaten an: in den beiden Rostgürtel-Staaten Pennsylvania und Michigan, in Wisconsin, den beiden Südstaaten North Carolina und Georgia sowie in Nevada und in Maine, wo die einzelne Wahlstimme eines Distrikts offen ist.

Die Auszählung dauert auch deshalb so lange, weil bundesweit eine Rekordzahl von US-Amerikanern abgestimmt hat. 160 Millionen Stimmen könnten am Ende nach einer Schätzung des Senders Fox News abgegeben worden sein, rund 23 Millionen mehr als vor vier Jahren. Viele dieser Stimmen kamen wegen der Corona-Pandemie per Briefwahl, was die Auszählung weiter verzögert.

Derzeit ist der Stand wie folgt: Joe Biden hat laut aktueller Prognosen 238 Wahlleute sicher, ihm fehlen 32 Wahlleute bis zur Mehrheit von 270. Donald Trump hat bisher 213 Wahlleute eingesammelt, daneben wird er sehr sicher die 3 aus Alaska erhalten. Ihm fehlen also 54 Wahlleute zum Sieg.

So könnte Donald Trump gewinnen

Für Donald Trump sind die Ergebnisse in den Rostgürtel-Staaten entscheidend. Er muss mindestens einen der beiden Staaten Pennsylvania oder Michigan für sich entscheiden, sonst kann er die Wahl nicht gewinnen. Die Ergebnisse in diesen Staaten sind knapp.

Während Trump zu Beginn der Auszählung weit in Führung lag, hat Joe Biden im Laufe der Wahlnacht immer weiter aufgeholt, vor allem weil Briefwahlstimmen später gezählt wurden und überproportional viele Briefwähler für Biden gestimmt haben.

Kann Trump die beiden noch offenen Rostgürtel-Staaten für sich entscheiden, hat er mehr Luft im übrigen Land. Je nach Kombination bräuchte er dann Nevada oder einen der beiden Südstaaten nicht zu gewinnen.

So könnte Joe Biden gewinnen

Biden hat nach derzeitigem Stand mehr Möglichkeiten zu siegen als Trump, weil er nur noch 32 Wahlleute benötigt. So könnte er bereits ins Weiße Haus einziehen, wenn er zwei Staaten gewinnt und alle übrigen offenen verliert: Pennsylvania und Michigan oder Georgia und Michigan. Auch diverse Drei-Staaten-Optionen gibt es, beispielsweise eine Kombination aus Michigan, Wisconsin und Nevada oder ein Südstaaten-Sieg mit Georgia, North Carolina und dem einen Sitz in Maine.

Welche Varianten sind am wahrscheinlichsten?

Letztlich gibt es Dutzende Varianten, wie sich die Staaten auf die beiden Kandidaten verteilen können. In der Tabelle sehen Sie einen Großteil davon im Überblick. In jeder Zeile steht ein Szenario, welche Staaten jeweils an Trump (rot) oder Biden (blau) gehen. Rechts können Sie ablesen, wer in diesem Fall mit wie viel Vorsprung gewinnen würde.

Die große Frage ist aber, wie wahrscheinlich die einzelnen Ausgänge sind. Grundsätzlich kann man sagen: Von der Zusammensetzung der Bevölkerung her sind sich jeweils die Rostgürtel-Staaten und die Südstaaten untereinander am ähnlichsten. Es wäre ein Stück weit plausibel, wenn diese ähnlich abstimmen würden.

Basierend auf den Umfragen vor der Wahl und den aktuellen Auszählungsdaten hat Trump Chancen, die Südstaaten für sich zu entscheiden. Auch in den Rostgürtel-Staaten lag er lange vorn, doch Biden holte nach und nach auf und übernahm teilweise die Führung. Sowohl in Pennsylvania, in Michigan und auch in Wisconsin könnte es am Ende extrem eng werden. Trump gewann 2016 in Pennsylvania nur mit 44.000 Stimmen Vorsprung.

Nach derzeitigem Auszählungsstand dürften die Ergebnisse in Georgia, North Carolina, Nevada und Maine als Erstes feststehen. In den Rostgürtel-Staaten wird es wohl noch länger dauern, am längsten in Pennsylvania: Hier könnten Tage oder Wochen vergehen, bis das Ergebnis feststeht.

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