Analyse der Nachwahlbefragungen Einmal Trump-Wähler, immer Trump-Wähler

Für die meisten US-Bürger gilt: Wer 2016 für Trump stimmte, tat das auch 2020. Exit Polls zeigen: Nur in bestimmten Wählergruppen bröckelte seine Zustimmung – dort aber signifikant.

Das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl ist knapp – wieder einmal. Die politischen Verhältnisse im Land sind weitgehend zementiert: Ein Großteil der Wählerinnen und Wähler stimmte genauso wie vor vier Jahren. Das zeigt ein Blick auf die vorläufigen Ergebnisse der Nachwahlbefragungen, die sogenannten Exit Polls.

Trump konnte demnach in jenen Bevölkerungsgruppen, die ihn schon 2016 mehrheitlich unterstützt haben, erneut punkten: etwa bei Weißen mit niedriger formaler Bildung oder bei evangelikalen Christen, die rund ein Viertel der Wählerschaft ausmachen.

Im Großen und Ganzen verhielten sich die Wählergruppen ähnlich wie vor vier Jahren. Das zeigt sich, wenn man die Stimmenanteile für Trump damals und in diesem Jahr gegenüberstellt: Ein hohes Ergebnis von 2016 fällt in aller Regel mit einem hohen Ergebnis von 2020 zusammen.

Aber es gibt auch ein paar auffällige Veränderungen.

Wählerinnen und Wähler im ländlichen Raum, die rund ein Fünftel der Wählerschaft ausmachen, stimmten laut Nachwahlbefragungen 2016 noch mit mehr als 60 Prozent für Trump. Diesmal sind es nur noch gut 50 Prozent.

Rund 40 Prozent der Wähler bezeichnen sich als politisch moderat. Vor vier Jahren haben sie noch zu 40 Prozent für Trump gestimmt, diesmal war es noch rund ein Drittel dieser Gruppe.

Entlang der Marke von 100.000 Dollar Haushaltsjahreseinkommen driften zwei Wählergruppen auseinander: Die Menschen über bzw. unter dieser Marke stimmten 2016 noch jeweils zu rund 50 Prozent für Trump. Diesmal hat die Gruppe mit höherem Einkommen zu einem deutlich größeren Anteil für Trump gestimmt. In der Gruppe unter der Marke hat die Unterstützung nachgelassen.

Auf den ersten Blick auffällig scheint auch das veränderte Stimmverhalten anderer Gruppen zu sein. Unter Schwarzen zwischen 30 und 44 Jahren sowie unter Angehörigen der LGBT-Gemeinde kommen die Nachwahlbefragungen auf mindestens eine Verdopplung des Stimmanteils für Donald Trump gegenüber 2016. Allerdings sind diese Wählergruppen für die Republikaner vergleichsweise klein. Die statistische Unsicherheit bei diesen Werten ist entsprechend höher, sie sollten also nicht überinterpretiert werden.

Woher kommen die Daten?

Das Umfrageinstitut Edison Research führt für mehrere US-Medien Nachwahlbefragungen durch, auch Exit Polls genannt. Dabei werden Wählerinnen und Wähler nach dem Verlassen des Wahllokals zufällig ausgewählt und zu ihrem Stimmverhalten befragt. Auch soziodemografische Merkmale wie Alter, Geschlecht oder Einkommen werden abgefragt. Dadurch lässt sich das unterschiedliche Wahlverhalten verschiedener Bevölkerungsgruppen nachvollziehen.

Das Verhalten von Menschen, die von der Möglichkeit einer vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch gemacht haben, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen an den entsprechenden Wahllokalen abgefragt. Das Stimmverhalten von Briefwählern wurde durch Telefonumfragen ermittelt.

Nach Angaben von Edison Research sind in die derzeitigen Ergebnisse die Angaben von mehr als 15.000 Befragten eingeflossen.

Auch im langfristigen Vergleich zeigen sich Unterschiede zwischen den Bevölkerungsgruppen. Während Männer und Frauen in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts noch sehr ähnlich über die US-Präsidenten abstimmten, entkoppelten sich die Wahlergebnisse in jüngerer Zeit: Männer wählen häufiger Republikaner, die meisten Frauen stimmen für Demokraten. 2016 polarisierte Trump besonders, 2020 stimmten wieder etwas mehr Männer für den demokratischen Kandidaten.

Seit den Neunzigerjahren zieht es junge Wähler unter 30 Jahren mehrheitlich zu den Demokraten. Bei der Präsidentschaftswahl 2008 erhielt Barack Obama in dieser Gruppe laut Nachwahlbefragungen über 30 Prozentpunkte mehr als der Republikaner John McCain. Danach fiel die Beliebtheit der Demokraten bei den Jungwählern ab, in diesem Jahr konnte Joe Biden wieder ein stärkeres Ergebnis einfahren.

Nach der Jahrtausendwende hat sich das Stimmverhalten von jüngeren und älteren Wählern zunehmend voneinander entfernt. Wähler, die älter als 60 bzw. 65 Jahre sind (2012 wurde die statistische Erhebung der Altersgruppen angepasst), stimmen seit zwei Jahrzehnten mehrheitlich für die Republikaner.

Schwarze, Latinos und Hispanics stimmen seit jeher mehrheitlich für demokratische Präsidentschaftskandidaten. Bei asiatischstämmigen Amerikanern ist das seit 2000 so. Aber: Der Anteil für die Republikaner wurde 2016 mit Trump größer – und wuchs bei dieser Wahl erneut an. Weiße Wähler stimmen seit Jahrzehnten mehrheitlich für die Republikaner.

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