US-Wahl Tausende demonstrieren für Auszählung aller Stimmen

Donald Trumps Forderung, die Auszählung der Stimmen zu stoppen, hat in US-Großstädten viele Menschen auf die Straße getrieben. Und Trump-Anhänger demonstrierten plötzlich gegen den Sender Fox News.
Protest in Portland, Oregon: Im ganzen Land gingen die Menschen auf die Straße

Protest in Portland, Oregon: Im ganzen Land gingen die Menschen auf die Straße

Foto: Marcio Jose Sanchez / AP

Noch immer steht nicht fest, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten wird. Nachdem Donald Trump den Wahlsieg für sich beanspruchte und drohte, die Auszählung der Stimmen stoppen zu lassen, kam es am Abend nach der Wahl vor allem in größeren Städten der USA zu Protesten und Demonstrationen.

In New York City wurden laut Polizeiangaben bei Protesten von mehreren Hundert Menschen 50 Personen festgenommen. Demonstriert wurde unter anderem auch in Portland, Atlanta, Detroit, Oakland, Chicago, Los Angeles, Houston und Phoenix. Die Nachrichtenagentur AP berichtet von Tausenden Protestierenden.

Bei den meisten Kundgebungen forderten die Teilnehmer, dass die Auszählung der Stimmen in den noch offenen Bundesstaaten fortgesetzt wird. Andere Gruppen setzen sich hingegen dafür ein, dass keine weiteren Stimmzettel mehr ausgezählt werden.

Demonstration für vollständige Auszählung

In Portland im Bundesstaat Oregon nahm die Polizei eigenen Angaben zufolge zehn Demonstranten fest und stellte waffentaugliches Material sicher. Die Polizei warnte am Mittwochabend (Ortszeit) beim Onlinedienst Twitter vor "weitverbreiteter Gewalt" und Ausschreitungen und rief die Menschen dazu auf, die Innenstadt zu meiden.

Demonstration in Portland: "Jede Stimme zählt"

Demonstration in Portland: "Jede Stimme zählt"

Foto: Marcio Jose Sanchez / AP

Mehrere linksgerichtete und antikapitalistische Gruppen hatten zuvor friedlich in einem Park in der Innenstadt mit Musik und Vorträgen demonstriert. Eine weitere Gruppe von Demonstranten erklärte, die Wahlergebnisse schützen zu wollen, und schwenkte Transparente mit der Aufschrift "Zählt jede Stimme".

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Später warfen Demonstranten nach Polizeiangaben Flaschen und andere Gegenstände auf die Einsatzkräfte und zertrümmerten Schaufenster. Ein Mann wurde verdächtigt, einen Molotowcocktail geworfen zu haben. Die Polizei beschlagnahmte mehrere Waffen, darunter ein geladenes Gewehr, ein Messer, einen Hammer und Feuerwerkskörper.

Hunderte Polizisten und Nationalgardisten waren im Einsatz. Die Gouverneurin des US-Bundesstaats Oregon, Kate Brown, verlängerte den zuvor bereits für die Wahlnacht ausgerufenen Notstand.

Trump-Anhänger gegen Fox News

Vor dem Wahlzentrum in Maricopa County mit Verwaltungssitz in Phoenix, Arizona, wo derzeit noch wichtige Stimmen ausgezählt werden, haben sich unterdessen Fans von Donald Trump versammelt.

Mit Sprechchören schmähen sie dessen eigentlichen Haus- und Hofsender Fox News, weil der Sender als einer der ersten bereits am frühen Wahlabend Arizona Joe Biden zugerechnet hatte. "Fox News sucks", rufen die Trump-Fans. Einige tragen offen Waffen, wie es das Gesetz des Wüstenstaats erlaubt. Dabei könnte das Rennen dort nun doch noch spannend werden und zumindest in diesem Staat zugunsten Trumps ausgehen. Die Auszählung findet nun unter Polizeischutz statt.

Unterstützer von Präsident Trump in Phoenix

Unterstützer von Präsident Trump in Phoenix

Foto: EDGARD GARRIDO / REUTERS

Auch in Detroit, Michigan, forderten Trump-Anhänger vor Wahlzentren einen Stopp der Auszählungen. Gleichzeitig protestierten in der Stadt Hunderte für eine vollständige Auszählung der Stimmen. Am Mittwochabend berichteten Medien übereinstimmend, dass Biden den Bundesstaat für sich entschieden hat.

Biden fehlen noch sechs Wahlleute, Trump 56

Nach der US-Präsidentschaftswahl am Dienstag steht noch immer kein Wahlsieger fest. Präsident Donald Trump und sein demokratischer Herausforderer Joe Biden liefern sich ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen. Auf Trump entfallen laut der Nachrichtenagentur AP 214 Wahlleute, für einen Wahlsieg sind mindestens 270 erforderlich.

Der Kandidat der Demokraten, Joe Biden, kann demnach 264 Wahlleute für sich verbuchen. Er könnte die Wahl demnach mit einem weiteren Staat gewinnen, falls Arizona entgegen der Fox-News-Berechnungen nicht doch noch Trump zugerechnet wird.

Offen ist das Ergebnis noch in Pennsylvania, Georgia, Arizona und Nevada. In allen vier Staaten liefern sich die Kontrahenten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Bereits vor der Wahl war eine Eskalation der Gewalt in Teilen des Landes befürchtet worden. Das liberal geprägte Portland im Nordwesten der USA ist seit Monaten Schauplatz von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die Auszählungen fanden dort unter Kameraüberwachung statt.

jme/Reuters/AFP
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