Vor Anhörung bei Gericht Whistleblowerin Manning unternimmt Suizidversuch in Beugehaft

Die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning befindet sich seit knapp einem Jahr in Beugehaft, weil sie sich weigert, vor Gericht auszusagen. Nun heißt es, sie sei nach einem Suizidversuch in ein Krankenhaus gebracht worden.
Whistleblowerin Chelsea Manning: Unterstützer kritisieren Einzelhaftbedingungen

Whistleblowerin Chelsea Manning: Unterstützer kritisieren Einzelhaftbedingungen

Foto: ERIC BARADAT/ AFP

Chelsea Manning hat in einem Gefängnis in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia einen Suizidversuch unternommen. Die frühere Wikileaks-Informantin sei in ein Krankenhaus gebracht worden und erhole sich dort, teilten ihre Anwälte am Mittwoch in einem Schreiben mit. Es sei weiterhin geplant, dass die Whistleblowerin am Freitag zu einer Anhörung vor einem Bundesgericht erscheinen werde, hieß es.

Der Vorfall habe sich, so der zuständige Sheriff Dana Lawhorne, um kurz nach Mitternacht ereignet. "Frau Manning ist nicht mehr in Gefahr", so der Beamte.

Manning sitzt seit Mai 2019 wegen Missachtung des Gerichts in Beugehaft. Sie hatte sich geweigert, über den Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks, Julian Assange, auszusagen. Sie kann prinzipiell festgehalten werden, bis sie aussagt oder bis die Grand Jury ihre Arbeit beendet hat.

Unterstützer kritisieren Einzelhaftbedingungen

Manning kämpft seit Jahren mit Depressionen und Panikattacken, sie schrieb darüber immer wieder in den sozialen Netzwerken. Ihre Anwälte haben ihre Freilassung beantragt und gefordert, dass die Whistleblowerin aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes nur Hausarrest erhält, statt in Beugehaft zu müssen. Auch ihre Unterstützergruppe "Chelsea Resists" hatte die Haftbedingungen kritisiert, diese komme Einzelhaftbedingungen gleich. Menschenrechtsorganisationen warnen vor den phyischen und psychischen Folgen, die Einzelhaft auslösen kann.

Die Whistleblowerin hieß früher Bradley Manning und arbeitete als IT-Experte für das US-Militär. 2010 hatte sie WikiLeaks Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es geht dabei um die US-Militäreinsätze und Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan. 2013 wurde sie dafür bei einem Militärgerichtsverfahren zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Während ihrer Inhaftierung hatte sie damals mehrere Selbstmordversuche und einen Hungerstreik unternommen. 2017 kam Manning frei, nachdem der damalige US-Präsident Barack Obama die vorzeitige Freilassung angeordnet hatte.

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mst/dpa/AP