Nach elf Stunden Debatte Abgeordnete in Colorado stimmen für Abschaffung der Todesstrafe

Die Republikaner hatten versucht, die Abstimmung hinauszuzögern: Nun haben die Abgeordneten im US-Bundesstaat Colorado die Abschaffung der Todesstrafe beschlossen. Der Gouverneur muss noch zustimmen.
Das State Capitol in Denver, Colorado. 22 Menschen wurden 2019 in den USA hingerichtet

Das State Capitol in Denver, Colorado. 22 Menschen wurden 2019 in den USA hingerichtet

Foto: David Zalubowski/ AP

Die Todesstrafe könnte bald in einem weiteren US-Bundesstaat Geschichte sein: Nach einer langen und emotionalen Debatte im Parlament in Denver haben die Abgeordneten im US-Bundesstaat Colorado für den Gesetzentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe gestimmt. Die oppositionellen Republikaner hatten mit zahlreichen Änderungsvorschlägen versucht, die Abstimmung hinauszuzögern.

Der Gesetzentwurf muss noch von Colorados demokratischem Gouverneur Jared Polis unterzeichnet werden. Colorado wäre dann der 22. US-Bundesstaat, der die Todesstrafe nicht mehr verhängt. New Hampshire ging diesen Schritt bereits im vergangenen Jahr. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom verkündete im März ein bis zum Ende seiner Amtszeit geltendes Moratorium für alle Hinrichtungen.

Der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs in Colorado ging eine elfstündige Debatte voraus, in der die Republikaner zahlreiche Änderungsanträge einbrachten. "Die eine Seite des Parlaments hat für Familien und Opfer gekämpft, die andere für Kriminelle", sagte die republikanische Abgeordnete Lori Saine nach der Abstimmung.

Die Demokraten hatten den Gesetzentwurf mit dem Argument verteidigt, dass die Todesstrafe unmoralisch sei - und besonders oft Mitglieder von Minderheiten und arme Menschen zum Tod verurteilt würden.

Geld "für die Behandlung von Drogenabhängigkeit statt für den Einsatz von Giftspritzen"

"Selten sind wir in der Situation, über eine Angelegenheit zu entscheiden, die so bedeutend, wirkungsvoll und schwierig ist wie diese", sagte der demokratische Parlamentsvorsitzende Alec Garnett. Er wünsche sich eine Gesellschaft, in der "wir unsere Mittel für die Rehabilitierung ausgeben statt für Revisionen, und für die Behandlung von Drogenabhängigkeit statt für den Einsatz von Giftspritzen".

Die letzte Hinrichtung in Colorado fand 1997 statt. Damals wurde die Todesstrafe per Giftspritze an einem verurteilten Vergewaltiger vollstreckt. Derzeit befinden sich drei Menschen in dem Bundesstaat in der Todeszelle.

2019 wurden 22 Menschen in den USA hingerichtet

Bürgerrechtler begrüßten die Entscheidung der Abgeordneten. Der Schritt sei ein "gewaltiger Sieg für die Gerechtigkeit", sagte Cassandra Stubbs von der Bürgerinitiative American Civil Liberties Union. Seit 1973 sei die Unschuld von 167 Menschen, die bereits in der Todeszelle saßen, nachgewiesen worden.

2019 wurden in den USA 22 Menschen hingerichtet. Die Zahl der Hinrichtungen lag damit 2019 etwas niedriger als 2018, meldete das Catholic Mobilizing Network, das gegen die Todesstrafe kämpft. 2018 waren noch 25 Menschen exekutiert worden. Vier weitere Todesurteile wurden bislang in diesem Jahr vollstreckt.

mfh/AFP