Medienbericht Trump soll am 6. Januar »Hängt Pence«-Aufrufen zugestimmt haben

Als Demonstranten am 6. Januar das Kapitol stürmten, saß Donald Trump vor dem Fernseher. Nach Angaben der »New York Times« weisen nun Zeugenaussagen darauf hin, wie sehr der Ex-Präsident die Aufständischen anfeuerte.
Donald Trump am 6. Januar bei seiner Rede

Donald Trump am 6. Januar bei seiner Rede

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI / AFP

Mindestens zwei Zeugen haben vor dem Untersuchungsausschuss des US-Repräsentantenhauses offenbar enthüllt, wie sehr sich Donald Trump während des Sturms auf das Kapitol am 6. Januar mit den Demonstranten identifiziert haben soll. Das berichtet die »New York Times«  unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen im Umfeld des Ausschusses.

Am 6. Januar steuerte eine wütende Menschenmenge auf das Kapitol in Washington zu, einige der Demonstranten schrien »Hängt Mike Pence«, während Vizepräsident Pence in Sicherheit gebracht wurde. Trump soll sich dem Bericht zufolge über die Sicherheitsmaßnahme beschwert und im Weißen Haus angemerkt haben, dass Pence vielleicht erhängt werden sollte. Die Rufe der Demonstranten soll er zustimmend kommentiert haben. Unklar ist offenbar, in welchem Ton Trump diese Sätze sagte, ob er sie also zum Beispiel sarkastisch gemeint haben könnte.

Mike Pence am 6. Januar

Mike Pence am 6. Januar

Foto: ERIN SCHAFF / AFP

Die Informationen gehen laut »New York Times« auf Aussagen von Trumps damaligen Stabschef Mark Meadows zurück. Er soll Kollegen im Weißen Haus am 6. Januar von Trumps Verhalten berichtet haben. Mindestens zwei Zeugen berichteten dem Untersuchungsausschuss nun von Meadows angeblichen Aussagen. Eine Zeugin nennt der »New York Times«-Bericht namentlich. Es soll sich demnach um Cassidy Hutchinson handeln, eine ehemalige Mitarbeiterin von Meadows.

Ein Trump-Sprecher nannte laut »New York Times« die Arbeit des Untersuchungsausschusses eine »Fortsetzung der Verleumdungskampagne der Demokraten«, ging aber auf die Vorwürfe nicht näher ein.

Trump stachelte den Mob an – und erwähnte auch Pence

Aufständische beim Sturm auf das Kapitol

Aufständische beim Sturm auf das Kapitol

Foto: Leah Millis / REUTERS

Der 6. Januar 2021 ist für die USA zu einem prägenden Datum geworden. Ein Mob hatte an jenem Tag das US-Kapitol in Washington gestürmt. Noch immer werden die Abläufe – und vor allem die Drahtzieher – des Angriffs auf US-Kapitol durchleuchtet. Der Untersuchungsausschuss soll vor allem klären, ob und wie stark Trump in die Abläufe involviert war. Dazu werden auch unter anderem Trumps Familienmitglieder befragt. Im Juni sollen erstmals öffentliche Anhörungen des Ausschusses stattfinden. In dem Ausschuss sind außer Demokraten nur zwei Republikaner vertreten, die beide ausgewiesene Trump-Kritiker sind.

Die Demonstranten wollten am 6. Januar verhindern, dass der Wahlsieg des Demokraten Joe Biden vom November 2020 bestätigt wird. Bei der Attacke kamen fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Trump musste sich wegen des Angriffs einem Amtsenthebungsverfahren stellen. Das Verfahren endete ohne bindendes Urteil.

Sollten sich die Zeugenaussagen bewahrheiten, illustrierten sie, wie sehr Trump die gewaltsamen Absichten der Demonstranten am 6. Januar unterstützt haben könnte. Pence hatte sich an diesem Tag geweigert, Trump trotz seiner Wahlniederlage doch noch zum Präsidenten zu machen. Unmittelbar vor dem Sturm auf den Parlamentssitz hatte Trump seine Anhänger in einer Rede angestachelt und dabei auch Pence erwähnt. »Mike Pence wird sich für uns einsetzen müssen«, sagt Trump unter anderem. »Und wenn er das nicht tut, wird das ein trauriger Tag für unser Land sein.«

slü