Hetzer, Leugner, Lügner Trump und das Kandidaten-Desaster

Wen Donald Trump unterstützt, der wird gewählt – das schien er zumindest selbst zu glauben. Doch bei den Midterms kassiert sein Lager empfindliche Pleiten. Was bedeutet das für seine eigene Präsidentschaftskandidatur?
Donald Trump könnte an diesem Dienstag seine Präsidentschaftskandidatur für 2024 bekannt geben

Donald Trump könnte an diesem Dienstag seine Präsidentschaftskandidatur für 2024 bekannt geben

Foto:

Andrew Harnik / AP

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Donald Trump inszeniert sich gern als Königsmacher. Gerade vor seiner erwarteten Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024 schien Trump zeigen zu wollen: Wer seine Unterstützung hat, muss sich bei Wahlen in den USA keine Sorgen machen.

Doch dieses Image bekam bei den Zwischenwahlen am 8. November, den sogenannten Midterms, Risse.

Zwar gewannen viele Trump-Anhänger ihre Rennen um den Senat, um das Repräsentantenhaus oder andere wichtige Ämter. Ein paar vom Ex-Präsidenten gewissermaßen handverlesene Kandidaten sind jedoch gescheitert.

Lake ist eine Rechtsaußenpolitikerin, die Trumps unbegründete Behauptungen des Wahlbetrugs bei den Präsidentschaftswahlen 2020 weiterverbreitete. Und die auch nun nicht anders kann, da ihre eigene politische Karriere auf dem Spiel steht.

»Ich hasse es, dass sie bummeln und das Unvermeidliche hinauszögern«, sagte Lake bereits früh über Wahlhelfer in Arizona. »Sie wollen die Wahrheit nicht aussprechen. Nämlich, dass wir gewonnen haben.« Dafür gab es selbst parteiintern Kritik.

Und wie schlugen sich die anderen Trump-Kandidaten?

  • Im Kampf um den Senat gewann der Republikaner J.D. Vance. Der Wahlkampf des Schriftstellers  wurde vom Techinvestor Peter Thiel finanziert. Im Senatsrennen von Ohio gewann Vance knapper als gedacht gegen den aufstrebenden Demokraten Tim Ryan.

  • Auch den Wahlkampf von Blake Masters finanzierte Thiel. Der 36-Jährige gilt als Ziehsohn des rechten Aktivisten und Star der neuen Generation von Trumpisten. Dennoch reichte es für ihn im Swing State Arizona nicht: Der ehemalige Astronaut Mark Kelly, ein Demokrat, gewann den Senatssitz von Arizona nach tagelanger Auszählung.

  • Eine der größten Bruchlandungen legte Mehmet Oz hin. Der Chirurg und Fernsehmoderator trat vor den Midterms gemeinsam mit Trump auf und kaufte sich eigens für die Senatskandidatur ein Haus in Pennsylvania. Nur, um dort gegen John Fetterman zu verlieren, einen Ex-Footballspieler und Demokraten. Die Niederlage schien Trump persönlich zu treffen, laut Medienberichten wütete er über jeden, der ihm empfohlen habe, Oz zu unterstützen. Einschließlich seiner Frau Melania.

  • Eine Entscheidung steht noch aus: In Georgia wird der Senatssitz in einer Stichwahl entschieden. Trumps Kandidat Herschel Walker tritt gegen den demokratischen Amtsinhaber Raphael Warnock an. Georgia galt im Vorfeld als möglicher leichter Sieg für die Republikaner. Doch Walker, ein einstiger Footballstar, machte im Wahlkampf vor allem mit Skandalen auf sich aufmerksam. So werfen zwei Ex-Geliebte dem verbrieften Abtreibungsgegner vor, sie zu Schwangerschaftsabbrüchen genötigt zu haben. Wie es für die Republikaner in Georgia auch hätte ausgehen können, zeigt die Gouverneurswahl: Der republikanische Gouverneur Brian Kemp, der sich gegen Trump gestellt hatte, wurde bei den Midterms mit deutlicher Mehrheit wiedergewählt.

Landesweit sah es bei den Gouverneurswahlen für Trump aber nicht besser aus als im Senat. Auch über das Beispiel von Kari Lake hinaus.

  • Trumps Kandidat für das Gouverneursamt in Pennsylvania, Doug Mastriano, verlor deutlich gegen den Demokraten Josh Shapiro. Selbst eine Gruppe von Republikanern hatte sich im Wahlkampf gegen Mastriano gestellt, weil er ihnen zu radikal ist. Nicht nur, dass Mastriano gegen Wahlen oder Abtreibungen hetzte – er war auch am 6. Januar 2021 beim Sturm auf das Kapitol dabei.

DER SPIEGEL
  • Selbst Lee Zeldin konnte sich nicht durchsetzen. Der republikanische Kandidat für das Amt des Gouverneurs von New York wusste im Wahlkampf mit seiner auf die steigende Kriminalität ausgelegten Kampagne zu überzeugen. Am Ende blieb New York jedoch eine Hochburg der Demokraten. Kathy Hochul siegte mit einem Vorsprung von fast fünf Prozentpunkten.

Einschließlich des Triumphs von Trumps parteiinternem Gegner Ron DeSantis verliefen die Zwischenwahlen so miserabel, dass erste Mitstreiter Trump empfohlen haben sollen, die Verkündung seiner Kandidatur zu verschieben.

Zu erwarten ist das jedoch nicht. Es wird spekuliert, dass Trump an diesem Dienstag (Ortszeit) seinen Hut in den Ring wirft. Viele Republikaner fürchten, dass eine Kampfkandidatur zwischen DeSantis und Trump die Partei weiter spalten könnte.

Wie zerrissen die Republikaner schon jetzt sind, zeigt die Niederlage von Kari Lake in Arizona: Am Ende des Wahlkampfs dankte Lake in einem bei Twitter veröffentlichten Brief spöttisch der republikanischen Trump-Gegnerin Liz Cheney, die sich gegen eine Wahl von Lake ausgesprochen hatte. Cheney habe damit nur das Gegenteil bewirkt, schrieb Lake.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Nach Lakes Niederlage meldete sich Cheney am Dienstagmorgen deutscher Zeit zu Wort. Ihre Reaktion: »Gern geschehen.«

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.