Gefangenenaustausch mit den Taliban USA entlassen afghanischen Drogenbaron aus Haft

Er belieferte die Taliban mit Waffen, spionierte später für die USA – und wurde 2008 wegen Heroinschmuggels verurteilt: Nun ist Bashir Nursai bei einem Gefangenenaustausch freigekommen.
Bashir Nursai (M.): Der frühere Drogenboss wurde nach seiner Freilassung in Afghanistans Hauptstadt Kabul in Empfang genommen

Bashir Nursai (M.): Der frühere Drogenboss wurde nach seiner Freilassung in Afghanistans Hauptstadt Kabul in Empfang genommen

Foto: Ebrahim Noroozi / AP

Die USA haben sich auf einen Gefangenenaustausch mit den Taliban verständigt. Washington hat den führenden afghanischen Drogenbaron Bashir Nursai aus der Haft entlassen. Nursai wurde nach seiner Freilassung von den Taliban am Montagmorgen Ortszeit in der afghanischen Hauptstadt Kabul empfangen. Im Gegenzug ließen die Taliban den US-amerikanischen Ingenieur Mark Frerichs frei. Er war im Januar 2020 entführt worden.

Bashir Nursai hatte die Taliban während ihrer ersten Herrschaft in den Neunzigerjahren mit Waffen beliefert. Nach der Jahrtausendwende ließ er sich von den USA als Geheimagent anwerben. Zuvor waren die USA nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschiert.

2005 wurde Nursai in den Staaten jedoch wegen Heroinschmuggels festgenommen und 2008 zu lebenslanger Haft verurteilt. Laut dem FBI galt er zu diesem Zeitpunkt als einer der mächtigsten und gefährlichsten Drogenbosse der Welt.

Offizielle Stimmen der Taliban hatten behauptet, Nursai sei in Guantánamo gefangen gehalten worden. Diese Aussagen ließen sich laut Nachrichtenagentur AP nicht bestätigen.

Tausende Talibankämpfer nach Friedensvertrag entlassen

Das umstrittene Gefangenenlager Guantánamo befindet sich auf Kuba im US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay. Zeitweise waren dort fast 800 Menschen inhaftiert. Das Camp war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 unter dem republikanischen Präsidenten George W. Bush errichtet worden, um mutmaßliche islamistische Terroristen ohne Prozess festzuhalten.

Dies wurde international als Verletzung rechtsstaatlicher Prinzipien gewertet und löste scharfe Proteste aus. Bushs Nachfolger, der Demokrat Barack Obama, wollte das Gefangenenlager schließen, scheiterte aber am Widerstand im US-Kongress. Der Republikaner Donald Trump wiederum wollte das Lager weiter offen halten. Biden – der einst Obamas Vizepräsident war – hat als Ziel erneut die Schließung ausgegeben.

Die Freilassung früherer Talibanverbündeter ist kein Einzelfall. Auch nach dem Friedensvertrag von 2020 zwischen den USA und den Taliban in Doha wurden Tausende Talibankämpfer und -unterstützer aus dem Gefängnis entlassen. Nicht zuletzt deswegen stieß der Friedensvertrag auf scharfe Kritik in Afghanistan. Laut Ansicht vieler Afghanen ebnete die Freilassung den Weg für den Siegeszug der Taliban.

Im August 2021 – nach dem chaotischen Rückzug der Nato-Truppen – übernahmen die militanten Islamisten wieder die Macht in Afghanistan. Ohne die Taliban wäre seine Freilassung »unmöglich« gewesen, sagte Nursai nun. US-Vertreter äußerten sich vorerst nicht dazu.

asc/dpa/AP
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