Früherer Mehrheitsführer der Demokraten im US-Senat Harry Reid ist tot

Er war ein Urgestein der US-Demokraten, scharfzüngig, kompromisslos. Jetzt starb der frühere Senator Harry Reid im Alter von 82 Jahren an Krebs. Am Kapitol werden die Flaggen auf halbmast gesetzt.
Harry Reid: Der US-Demokrat ist im Alter von 82 Jahren gestorben

Harry Reid: Der US-Demokrat ist im Alter von 82 Jahren gestorben

Foto: MICHAEL REYNOLDS / EPA

Der langjährige demokratische US-Senator Harry Reid ist tot. Reid sei am Dienstag im Alter von 82 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben, hieß es in einer Mitteilung seiner Ehefrau, die US-Medien vorlag.

»Es bricht mir das Herz, das Ableben meines Mannes bekanntzugeben«, hieß es darin. Demnach sei Reid, der während der Präsidentschaften von George W. Bush und Barack Obama an der Spitze des Oberhauses stand, »friedlich und umgeben von seiner Familie« gestorben.

Der 1939 in ärmlichen Verhältnissen in einer Bergarbeiterstadt im US-Bundesstaat Nevada geborene Reid war 1986 erstmals in den Senat eingezogen. Nach den Wahlen 2004 übernahm er die Führung der Demokraten im Oberhaus, von 2007 bis 2015 war er Mehrheitsführer. Bis 2017 war Reid noch Minderheitsführer der Demokraten im Senat – dann verabschiedete er sich von der politischen Bühne in Washington.

Der demokratische Politiker sammelte als Senator fast drei Jahrzehnte lang Erfahrung im Politikbetrieb. Er war ein demokratisches Urgestein, gab sich oftmals kompromisslos und hatte eine spitze Zunge. Reid galt als treue Stütze des damaligen US-Präsidenten Obama und musste zahlreiche politische Vorhaben Obamas durch den Senat boxen.

»Ohne deine Ermutigung und Unterstützung wäre ich nicht Präsident geworden, und ich hätte das meiste von dem, was ich erreicht habe, nicht ohne dein Können und deine Entschlossenheit geschafft«

Barack Obama

»Ohne deine Ermutigung und Unterstützung wäre ich nicht Präsident geworden, und ich hätte das meiste von dem, was ich erreicht habe, nicht ohne dein Können und deine Entschlossenheit geschafft«, schrieb Obama zum Tod seines einstigen Wegbegleiters. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Chuck Schumer, kündigte am Dienstagabend an, dass die Flaggen am Kapitol auf halbmast gesetzt werden. »Harry Reid war eine der fantastischsten Persönlichkeiten, die ich je kennengelernt habe«, erklärte er.

Oft verwies Reid auf seine Herkunft aus der Arbeiterklasse: Sein Vater war Bergarbeiter, seine Mutter Wäscherin. Als Jugendlicher musste er 65 Kilometer per Anhalter in die weiterführende Schule fahren. In seiner Jugend war er zudem Preisboxer. Sein Jurastudium finanzierte er durch Nachtschichten bei der US-Parlamentspolizei. Reid war konservativer als die meisten anderen Demokraten im Senat. Als praktizierender Mormone lehnte er Abtreibungen strikt ab. Erst dieses Jahr wurde der internationale Flughafen der Glitzer-Metropole Las Vegas nach dem Demokraten benannt.

asc/dpa/AFP