Briefversand möglich US-Gesundheitsbehörden lockern Zugang zu Abtreibungspillen

In den USA tobt ein erbitterter Kampf zwischen Befürwortern und Gegnern von Schwangerschaftsabbrüchen. Nun erleichtert die Arzneimittelbehörde den Zugang zu Abtreibungspillen – und zieht die Kritik konservativer Kräfte auf sich.
Abtreibungsmedikamene in einer Papiertüte: Die Pillen müssen künftig nicht mehr grundsätzlich persönlich von einer medizinischen Fachkraft an die Frauen ausgegeben werden

Abtreibungsmedikamene in einer Papiertüte: Die Pillen müssen künftig nicht mehr grundsätzlich persönlich von einer medizinischen Fachkraft an die Frauen ausgegeben werden

Foto: EVELYN HOCKSTEIN / REUTERS

Über kaum ein Thema wurde in den vergangenen Monaten in den USA so viel gestritten wie über das Abtreibungsrecht. Während der juristische Streit zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern im Land weiter andauert, haben US-Gesundheitsbehörden den Zugang zu Abtreibungspillen permanent gelockert.

Am Donnerstag veröffentlichte die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) einen entsprechenden Brief der US-Arzneimittelbehörde FDA. Demnach müssen die Pillen nicht mehr grundsätzlich persönlich von einer medizinischen Fachkraft an die Frauen ausgegeben werden. Stattdessen können die Pillen nach ärztlicher Verschreibung auch per Post versandt werden.

Mit der Maßnahme wird eine vorübergehende Änderung, die während der Covid-19-Pandemie eingeführt worden war, verstetigt. Die ACLU hatte zuvor geklagt, um den Zugang zu Abtreibungen permanent zu erleichtern. Die FDA-Entscheidung sei »ein riesiger Schritt nach vorn, der vielen Patientinnen den Zugang zu diesem sicheren Medikament ermöglichen wird«, erklärte eine ACLU-Vertreterin. Das Charlotte Lozier Institute, das sich gegen Abtreibungen einsetzt, kritisierte hingegen, die Regierung von US-Präsident Joe Biden erlaube »gefährliche Abtreibungen, die man selbst zu Hause vornehmen kann«.

Konkret erlaubte die FDA, dass das Abtreibungsmedikament Mifepriston nicht mehr nur durch Kliniken, Arztpraxen oder Krankenhäuser abgegeben werden darf. Medikamentöse Abtreibungen sind in den USA von der FDA bis zur zehnten Schwangerschaftswoche zugelassen. Dabei werden zwei Medikamente eingenommen: zunächst Mifepriston, das das Fortschreiten der Schwangerschaft blockiert, und am nächsten Tag Misoprostol, das die Abtreibung einleitet. Experten betonen, dass Abtreibungen mit Mifepriston und Misoprostol sicher und Komplikationen sehr selten sind.

In vielen konservativen Staaten bleibt Postversand verboten

Die Verwendung der Pillen hat laut Angaben des Guttmacher Instituts stark zugenommen: Mittlerweile werden mindestens 40 Prozent der jährlich knapp 900.000 Abtreibungen in den USA medikamentös vorgenommen. 2001 waren es nur fünf Prozent.

Auch wenn in vielen konservativen Bundesstaaten, in denen restriktive Gesetze zur medizinischen Fernbehandlung gelten, der Versand per Post trotzdem nicht möglich sein wird, dürfte die FDA-Entscheidung den Zugang zu diesen Pillen insbesondere in einigen ländlichen Gebieten erweitern.

Das Recht auf Abtreibung ist in den USA seit 1973 durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs geschützt. Die neue konservative Mehrheit der Richter im Obersten Gerichtshof könnte dies jedoch bald rückgängig machen. Damit würden mehr als 20 konservative Bundesstaaten Abtreibungen verbieten.

asc/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren
Mehrfachnutzung erkannt
Bitte beachten Sie: Die zeitgleiche Nutzung von SPIEGEL+-Inhalten ist auf ein Gerät beschränkt. Wir behalten uns vor, die Mehrfachnutzung zukünftig technisch zu unterbinden.
Sie möchten SPIEGEL+ auf mehreren Geräten zeitgleich nutzen? Zu unseren Angeboten