Biden kritisiert Trump wegen Corona-Aussagen "Der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank"

US-Präsident Trump behauptete trotz hoher Corona-Infektionszahlen, die USA seien "über den Berg". Herausforderer Biden kritisiert ihn dafür scharf. Auch der Immunologe Fauci setzt eine Spitze gegen Trump.
Präsidentschaftskandidat Joe Biden bei Wahlkampfveranstaltung an der Riverside High School in Durham

Präsidentschaftskandidat Joe Biden bei Wahlkampfveranstaltung an der Riverside High School in Durham

Foto: Carolyn Kaster / dpa

US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden wirft Amtsinhaber Donald Trump vor, die gegenwärtige Corona-Lage im Land zu verharmlosen. Bei einem Wahlkampfauftritt in Durham in North Carolina kritisierte Biden die Behauptung des Präsidenten vom Wochenende, die USA seien "über den Berg". Die Zahl der Neuerkrankungen sei auf dem höchsten Stand seit Monaten, sagte Biden.

"Wie mein Großvater sagen würde: 'Der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank', wenn er glaubt, dass wir über den Berg sind", sagte der Demokrat . "Es wird schlimmer, und er lügt uns weiterhin über die Gegebenheiten an." Bidens Unterstützer hatten sich bei der Drive-in-Veranstaltung mit ihren Autos versammelt und feuerten ihn mit Hupen an. Der Herausforderer des Präsidenten setzt bei Wahlkampfveranstaltungen auf Vorsicht, während Trump immer wieder vor Tausenden ohne Abstand und Masken spricht.

Biden appellierte an die Wähler, nicht mit ihrer Stimmabgabe zu warten: "Wir müssen den unglaublichen Schwung beibehalten, wir können nicht lockerlassen." Gut zwei Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen haben so viele Bürger wie noch nie bereits vor dem Wahltag ihr Stimmrecht genutzt. Einem Wahlprojekt der Universität in Florida zufolge gaben bislang rund 27,7 Millionen US-Wahlberechtigte ihre Stimmzettel per Post oder persönlich ab.

Präsident Trump verteidigte sein Vorgehen in der Coronakrise. "Hätte ich komplett auf die Wissenschaftler gehört, hätten wir jetzt ein Land, das in einer massiven Depression wäre", behauptete Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Carson City im US-Bundesstaat Nevada. "Stattdessen sind wir wie ein Raketenschiff."

Der Republikaner machte sich über Biden lustig, weil dieser verspricht, sich im Kampf gegen das Coronavirus am Rat der Wissenschaftler zu orientieren. Wenig später warf er ihm dennoch vor, einen "unwissenschaftlichen Lockdown" zur Eindämmung des Coronavirus zu verhängen, wenn er gewählt werde.

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Fauci: "Ich glaube, im tiefsten Innern glaubt der Präsident an die Wissenschaft"

Die Pandemie ist in den USA nach wie vor außer Kontrolle. Mehr als 8,1 Millionen Ansteckungen wurden seit Beginn nachgewiesen, fast 220.000 Menschen starben nach einer Infektion. Derzeit ist wieder ein Aufwärtstrend bei der Anzahl der Corona-Neuinfektionen pro Tag zu erkennen. Ungeachtet dessen rief Trump die Bundesstaaten am Sonntag zur vollständigen Öffnung auf.

Der prominente US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci sagte in einem Interview mit dem Sender CBS: "Ich glaube, im tiefsten Innern glaubt der Präsident an die Wissenschaft. Wenn er es nicht täte, hätte er seine Gesundheit nicht den sehr kompetenten Ärzten im Walter-Reed-Militärkrankenhaus anvertraut." Trump war Anfang Oktober positiv auf das Coronavirus getestet und anschließend für drei Tage in der Klinik in der Nähe von Washington behandelt worden.

Trump sagte, die Amerikaner hätten am 3. November die Wahl zwischen einer "Trump-Super-Erholung" der Wirtschaft und einer "Biden-Depression". Er warnte, mit Biden würden die Steuern steigen und Jobs ins Ausland abwandern. Tatsächlich verspricht Biden aber, US-Firmen mit Strafsteuern von der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland abzuhalten und für niemanden Steuern zu erhöhen, der weniger als 400.000 Dollar (340.000 Euro) im Jahr verdient, wenn er gewinnt.

mes/dpa/Reuters
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