"Dann sind Sie nicht schwarz" Biden wegen Äußerung über afroamerikanische Wähler in der Kritik

Bislang konnte Joe Biden auf große Unterstützung der schwarzen Wählerschaft zählen. Doch ein Vergleich mit US-Präsident Trump bringt ihm nun viel Kritik ein.
Ex-Vizepräsident Biden

Ex-Vizepräsident Biden

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Evan Vucci/ AP

Joe Biden steht als Präsidentschaftskandidat der Demokraten so gut wie fest - und damit als Herausforderer von Amtsinhaber Donald Trump. Seine guten Aussichten hat Biden unter anderem schwarzen Wählern zu verdanken, die ihm bei den Vorwahlen zu mehreren Erfolgen verhalfen. Doch eine Aussage in einem Radiointerview lässt nun vermuten, dass er sich ihrer Unterstützung etwas zu sicher ist.

Gegen Ende eines Gesprächs mit dem prominenten Moderator Charlamagne Tha God sagte Biden: "Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie für mich oder für Trump sind, dann sind Sie nicht schwarz." Im Video ist die Szene ab Minute 17 zu sehen, Biden lächelt nach dem Satz verschmitzt in die Kamera.

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Der Aussage vorausgegangen war die Frage, wen Biden als "running mate" für die Präsidentschaftswahl im November wählen wird. Der Demokrat hat versprochen, dass es eine Frau sein soll. Berichten zufolge ist die Senatorin Amy Klobuchar in der engeren Auswahl – eine Weiße.

Der Moderator nahm darauf Bezug und sagte, die schwarzen Wähler hätten Biden in den Vorwahlen "das politische Leben gerettet" und hätten nun Erwartungen an ihn. Biden wollte die Personalie Klobuchar jedoch nicht bestätigen und beteuerte, es seien auch "mehrere schwarze Frauen" im Rennen.

Als eine Mitarbeiterin Bidens daraufhin versuchte, das Interview zu beenden, sagte Charlamagne Tha God: "Das können Sie mit schwarzen Medien nicht machen." Biden erwiderte, er mache da keinen Unterschied zwischen weißen und schwarzen Medien. Nun benötige seine Frau das TV-Studio im Keller des Hauses der Familie. Als der Moderator sagte, er habe weitere Fragen, machte Biden die umstrittene Bemerkung: "Sie haben weitere Fragen? Ich sage Ihnen was: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie für mich oder für Trump sind, dann sind Sie nicht schwarz."

Der Moderator erwiderte auf Bidens Äußerung, es beunruhige ihn, dass "die Demokraten die schwarzen Wählerstimmen für eine Selbstverständlichkeit halten". Biden entgegnete, er habe durch jahrzehntelange Arbeit in schwarzen Gemeinden deren Wählerstimmen gewonnen und erhalte "überwältigende Unterstützung" von schwarzen Prominenten und Wählern. Tatsächlich genießt der Ex-Vizepräsident wegen seiner acht Jahre als Stellvertreter von Ex-Präsident Barack Obama hohes Ansehen bei Afroamerikanern. Zuletzt wurde unter anderem die schwarze Senatorin Kamala Harris, die selbst zum Feld der Präsidentschaftsbewerber gehörte, als mögliche Stellvertreterin Bidens gehandelt.

Symone Sanders, die zum Beraterstab des ehemaligen US-Vizepräsidenten gehört, schrieb auf Twitter, Bidens Aussage sei scherzhaft gewesen. Er habe auf seine Beziehungen zur afroamerikanischen Community im Vergleich zu Trump hinweisen wollen. Anhänger von US-Präsident wiederum warfen Biden Rassismus vor.

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Tim Scott, der einzige schwarzer Vertreter der Republikaner im Senat, bezeichnete die Aussagen beim Sender Fox News  als "die herablassendsten und arrogantesten Kommentare gegenüber der schwarzen Community, die ich je gehört habe". Auch in den sozialen Medien gab es viel Kritik an Bidens Bemerkung.

Das Wahlkampfteam von US-Präsident Trump versuchte umgehend, den Vorfall für sich zu nutzen. "Er denkt wirklich, dass er, ein 77-jähriger weißer Mann, schwarzen Menschen sagen sollte, wie sie sich zu verhalten haben", sagte die Wahlkampfberaterin Katrina Pierson. Trump allerdings hat seinerseits bereits mehrfach rassistische Kommentare abgegeben, etwa als er 2015 mexikanische Migranten verunglimpfte . 2019 nannte der Präsident Haiti und Teile Afrikas "Dreckslöcher".

mes/AP
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