US-Präsidentschaftsbewerber Bloomberg will Wahlpanne der Demokraten ausnutzen

Anders als seine Konkurrenten ließ Michael Bloomberg die Vorwahlen in Iowa aus und entging so dem Debakel der Demokraten. Jetzt setzt der Milliardär auf Attacke - und verdoppelt offenbar sein Budget für TV-Werbung.
Michael Bloomberg: Seine Wahlwerbespots laufen bald wohl öfter im US-Fernsehen

Michael Bloomberg: Seine Wahlwerbespots laufen bald wohl öfter im US-Fernsehen

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Rich Pedroncelli/ AP

Bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei im US-Bundesstaat Iowa zählten Bernie Sanders, Joe Biden und Pete Buttigieg zu den großen Favoriten auf den Sieg. Während die Verkündung des tatsächlichen Gewinners durch das Wahlchaos noch immer auf sich warten lässt, überlegt Michael Bloomberg offenbar schon, wie er das Debakel zu seinen Gunsten ausnutzen könnte. Anders als seine Konkurrenten, auf die die misslungene Vorwahl ein schlechtes Licht wirft, geht Bloomberg nämlich einen ungewöhnlichen Weg und hat die Wahl in Iowa ausgelassen.

Bloomberg habe sich am Dienstag mit seinen Mitarbeitern über die neuesten Entwicklungen beraten, berichtet die "New York Times" . Ermutigt durch das Chaos in Iowa habe Bloomberg sein Wahlkampfteam nun autorisiert, die Ausgaben für Fernsehwerbung zu verdoppeln und seine Wahlkampfhelfer im Außendienst auf 2000 aufzustocken. Die Zeitung beruft sich auf Strategen, die an den Gesprächen beteiligt gewesen sein sollen.

Bloombergs Wahlkampagne finanziert sich zu einem großen Teil aus dem persönlichen Milliardenvermögen des Unternehmers. Ende Dezember hatte die "New York Times" berichtet, die Bloomberg-Kampagne habe bereits 128 Millionen Dollar für Fernsehwerbung ausgegeben. Damals wurde geschätzt, der Unternehmer werde bis zum sogenannten Super Tuesday, einem wichtigen Vorwahltermin mehrerer Bundesstaaten Anfang März, über alle Medien hinweg etwa 300 bis 400 Millionen Dollar ausgegeben haben.

Die Strategie des 77-Jährigen in den Vorwahlen ist ungewöhnlich. Bloomberg hat sich spät entschieden, in den Wahlkampf der Demokraten einzusteigen und lässt die ersten vier Vorwahlen im Februar aus. In Iowa, New Hampshire, Nevada und South Carolina tritt er nicht an. Dafür konzentriert sich sein Team auf den Wahlkampf in größeren Staaten, die im März wählen. Bloombergs Team glaubt laut "New York Times", dass diese Strategie aufgeht, falls sich bis Ende Februar kein anderer als moderat geltender Kandidat wie beispielsweise Joe Biden einen entscheidenden Vorteil verschafft hat.

Biden, Sanders, Buttigieg oder auch Elizabeth Warren sind mit dem Chaos von Iowa aber denkbar schlecht in die Vorwahlen gestartet, wenn auch ohne eigenes Verschulden. Bei Hunderten Parteiversammlungen wurde am Montag darüber abgestimmt, wen die Demokraten in Iowa für den besten Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei halten. Technische Probleme machten die Auszählung aber unmöglich, die Verkündung der Ergebnisse sollte sich um einen Tag verzögern. Damit war das PR-Desaster perfekt.

Mittlerweile ist der Fehler im System offenbar gefunden worden. Die Demokraten machen einen Programmierfehler für die Auszählungspanne verantwortlich. Die bisherigen Untersuchungen hätten ergeben, dass es bei der Eingabe der Daten aus den einzelnen Bezirken über eine App keine Probleme gegeben habe, hieß es vonseiten der Demokraten. Schwierigkeiten seien aber bei der Meldung dieser Daten aufgetreten.

ptz
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