US-Außenminister Pompeo sieht Iran als neues »Hauptquartier« von al-Qaida

Trotz unterschiedlicher Glaubensrichtungen bietet Iran nach Angaben der USA der Terrororganisation al-Qaida Unterschlupf. US-Außenminister Pompeo bestätigte zudem die Tötung des Vizechefs der Gruppe.
US-Außenminister Pompeo am 12. Januar in Washington: »Iran ist für al-Qaida das neue Afghanistan«

US-Außenminister Pompeo am 12. Januar in Washington: »Iran ist für al-Qaida das neue Afghanistan«

Foto: REUTERS

Es ist eine Verbindung, die angesichts der historischen Feindschaft zwischen dem Staat und der Gruppierung verwundert: Die Regierung des mehrheitlich schiitischen Iran bietet nach Angaben von US-Außenminister Mike Pompeo der sunnitischen Terrororganisation al-Qaida einen sicheren Hafen.

Seit 2015 erlaube Teheran der Terrorgruppe, Iran als Basis zu nutzen, um Aufgaben zu erledigen, die zuvor aus Afghanistan und Pakistan getätigt worden seien, sagte Pompeo vor Journalisten. Aus Iran seien »Genehmigungen für Angriffe, Propaganda und das Einwerben von Geldern« betrieben worden, erklärte er. Schlagkräftige Beweise für die Verbindung legte Pompeo laut der Nachrichtenagentur Reuters jedoch nicht vor.

Der Außenminister bestätigte zudem die Tötung des Qaida-Vizechefs Abu Mohammed al-Masri im August. Im November hatte bereits die "New York Times"  über die Tötung berichtet und die Tat israelischen Agenten zugeschrieben. Pompeo machte keine Angaben dazu, wer für die Tat verantwortlich sei. Iran hatte dementiert, dass sich »Terroristen« von al-Qaida im Land befänden.

Pompeo behauptete dennoch, Teheran habe al-Qaida erlaubt, in Iran ein neues »Hauptquartier« zu errichten. »Iran ist in der Tat für al-Qaida das neue Afghanistan«, sagte der Minister. Die »Achse Iran–al-Qaida« sei eine große Bedrohung für die USA, die »besiegt« werden müsse, forderte er. Pompeo kündigte daher neue Sanktionen gegen angeblich in Iran ansässige mutmaßliche Anführer des Netzwerks an.

Irans Außenminister Javad Zarif  wies Pompeos Anschuldigungen umgehend über Twitter zurück. »Niemand lässt sich davon täuschen«, schrieb Sarif. Alle Attentäter der Anschläge vom 11. September 2001 seien aus Pompeos »Lieblingsländern« des Nahen Ostens gekommen – offenbar eine Anspielung auf Saudi-Arabien. Keiner sei aus Iran gekommen.

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Die US-Regierung wirft der schiitischen Führung in Teheran seit Langem vor, schiitische Milizen im Nahen Osten zu unterstützen, etwa im Libanon und im Irak. Washington hatte Iran aber bislang nicht so deutlich vorgeworfen, auch Gruppen sunnitischer Extremisten zu unterstützen.

Der scheidende US-Präsident Donald Trump und Außenminister Pompeo hatten in den vergangenen Jahren durch die Aufkündigung des Atomabkommens und Sanktionen stetig den Druck auf das Land erhöht. Die US-Regierung zeigt sich unmittelbar vor dem Machtwechsel noch einmal außenpolitisch geschäftig. Am Montag hatten die USA Kuba erneut auf die Terrorliste gesetzt.

fek/dpa/Reuters
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