Tod in Polzeigewahrsam Gouverneur lässt Fall Manuel Ellis neu untersuchen

Im März starb der Afroamerikaner Manuel Ellis infolge eines Polizeieinsatzes in der US-Stadt Tacoma. Wie George Floyd soll er gesagt haben: "Ich kann nicht atmen." Der zuständige Gouverneur will den Fall neu prüfen lassen.
"I can't breathe": Erinnerung an Manuel Ellis bei einer Demo in den USA

"I can't breathe": Erinnerung an Manuel Ellis bei einer Demo in den USA

Foto: JASON REDMOND / AFP

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd hat in den USA eine große Protestwelle ausgelöst - doch sein Name ist bei Weitem nicht der einzige, den die Demonstranten nennen. Sie erinnern auch an andere Opfer von tödlicher Polizeigewalt wie Eric Garner und Breonna Taylor. In einen weiteren Fall kommt nun wieder Bewegung: Der Gouverneur des US-Bundesstaats Washington, Jay Inslee, kündigte eine neue Untersuchung zum Fall des 33-jährigen Manuel Ellis an, der im März bei einem Polizeieinsatz zu Tode gekommen war. Zuvor war ein bislang unbekanntes Video von Ellis' Festnahme in der Stadt Tacoma aufgetaucht.

Es dokumentiert nach Angaben eines Anwalts der Hinterbliebenen, dass dieser mehrfach sagte: "Ich kann nicht atmen, Sir." Zuvor war bereits das Video eines Passanten publik geworden, der die Festnahme des Afroamerikaners teilweise gefilmt hatte.

Todesursache: Atemstillstand aufgrund physischer Gewalteinwirkung

Die bisherigen gerichtsmedizinischen Untersuchungen zu Ellis' Tod ergaben, dass er an Atemstillstand aufgrund physischer Gewalteinwirkung starb. Die Einnahme der Droge Crystal Meth und eine Herzkrankheit könnten demnach außerdem zu seinem Tod beigetragen haben.

Auch der vor zweieinhalb Wochen durch Polizeigewalt getötete Afroamerikaner George Floyd hatte geklagt, dass er keine Luft mehr bekomme, während ein weißer Polizist auf seinem Nacken kniete. Seine verzweifelten Worte "Ich kann nicht atmen" gingen um die Welt und wurden zum Slogan von Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Aufgrund der neu aufgetauchten Aufnahmen im Fall Ellis entschied Gouverneur Inslee, dass die Untersuchung zu dem Vorfall nicht in den Händen von Polizei und Staatsanwaltschaft des Verwaltungsbezirks Pierce verbleibt, in dem die Stadt Tacoma liegt. Bei diesen Behörden bestehe ein "Interessenkonflikt". Es werde deshalb eine komplett neue Untersuchung unter der Leitung anderer Behörden geben.

Die vier an Ellis' Festnahme beteiligten Polizisten sind derzeit vom Dienst suspendiert. Sie sagten, sie hätten den Mann festgenommen, nachdem er versucht habe, fremde Wagen zu öffnen. Ellis habe Widerstand geleistet, weshalb sie ihn durch Gewaltanwendung festgehalten hätten. Er starb noch vor Ort.

Seit dem Tod von George Floyd wird in den USA eine verschärfte Debatte über Reformen bei der Polizei geführt. In einigen Städten wurden solche Reformen inzwischen eingeleitet. Floyds Bruder Philonise rief am Mittwoch bei einer Anhörung im Repräsentantenhaus zu tief greifenden Veränderungen bei der Polizei auf. Dies seien die Abgeordneten seinem Bruder schuldig. Danach nahm er an einer Demonstration nahe dem Weißen Haus teil.

mes/AFP
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