»Wir hätten ihm nicht folgen dürfen« Ex-Botschafterin Haley rechnet mit Trump ab

Nikki Haley gilt als mögliche Kandidatin der US-Republikaner bei der Wahl 2024. In einem Interview bricht sie nun politisch mit ihrem »Freund« Donald Trump.
Nikki Haley und Donald Trump 2018 im Oval Office

Nikki Haley und Donald Trump 2018 im Oval Office

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JONATHAN ERNST / REUTERS

Gegen den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump läuft nach dem Sturm auf das Kapitol ein Amtsenthebungsverfahren, doch weite Teile seiner Partei wollen sich noch immer nicht von ihm lossagen. Die frühere amerikanische Uno-Botschafterin Nikki Haley geht nun einen anderen Weg: In einem Interview bricht sie öffentlich mit Trump.

»Er schlug einen Weg ein, den er nicht hätte gehen sollen, und wir hätten ihm nicht folgen dürfen, und wir hätten nicht auf ihn hören dürfen«, sagte Haley dem Nachrichtenportal »Politico« . »Und wir dürfen nicht zulassen, dass so etwas jemals wieder passiert.«

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Haley, die auch Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina war, ist für die Republikaner eine Zukunftshoffnung und gilt als mögliche Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl 2024. Sie war 2018 von ihrem Posten als Uno-Botschafterin zurückgetreten, allerdings im Gegensatz zu vielen anderen nicht im Streit mit Trump. »Politico« zufolge bezeichnete sie den Ex-Präsidenten weiterhin als »Freund«. Darauf angesprochen, ob dies weiterhin gelte, sagte sie Mitte Januar: »Freund ist ein vager Begriff.«

Ihre Kritik an Trump ist jedenfalls bedeutend: Viele Wählerinnen und Wähler der Republikaner stehen nach wie vor zu Trump. Sein Umfeld drohte bereits republikanischen Kongressabgeordneten und Senatoren, die sich gegen ihn stellen, im Gegenzug Trump-freundliche Kandidaten aufzustellen. Andererseits berichtete die »New York Times« jüngst über massenhafte Parteiaustritte.

Haley verurteilte speziell, dass Trump seinen Vizepräsidenten Mike Pence am 6. Januar kritisierte, während seine Anhänger im erstürmten Kapitol »Hängt Mike Pence« riefen und nach ihm suchten. »Das widert mich an.«

»Wie ich das verstehe, glaubt er aufrichtig, dass ihm Unrecht zugefügt wurde.«

Zugleich versuchte Haley, das Verhalten ihres »Freundes« Trump zu erklären: »Wie ich das verstehe, glaubt er aufrichtig, dass ihm Unrecht zugefügt wurde.« Sie verglich Trump mit jemandem, der sage, dass Gras blau sei. »Wenn jemand keine Farben unterscheiden kann und das wirklich glaubt, ist das unverantwortlich?«

mes/dpa
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