Reaktion auf ausufernde Gewalt Philadelphia verbannt Waffen aus Parks und Sportanlagen

Schon 400 Tötungsdelikte hat es in diesem Jahr in Philadelphia gegeben. Ein Waffenverbot war bislang juristisch kaum durchzusetzen. Nun hat die Stadt einen Weg gefunden, der zumindest Naherholungsgebiete sicherer machen soll.
Grünanlage in Philadelphia: Waffenverbot in bestimmten städtischen Einrichtungen

Grünanlage in Philadelphia: Waffenverbot in bestimmten städtischen Einrichtungen

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Jon Lovette/ Getty Images

Der Bürgermeister von Philadelphia, Jim Kenney, hat am Dienstag eine Verordnung unterzeichnet, die Waffen aus den Naherholungseinrichtungen der Stadt verbannt – dazu zählen unter anderem Parks, Basketballplätze und Schwimmbäder.

Die Unterzeichnung erfolgte einen Tag, nachdem Kenney bei der Beerdigung einer 41-jährigen Mutter von drei Kindern gesprochen hatte. Diese war Anfang des Monats außerhalb des städtischen Erholungszentrums, in dem sie arbeitete, von Kugeln tödlich verletzt worden. Ein 14-Jähriger, der eigentlich auf eine andere Gruppe von Teenagern geschossen hatte, wurde inzwischen wegen Fletchers Erschießung angeklagt. Es gehe darum, die Mitarbeiter der Einrichtungen zu schützen, »wenn irgendein Dummkopf beschließt, eine Waffe in ein Erholungszentrum zu bringen, und sie es sehen.«

Der Verordnung zufolge können die Mitarbeiter städtischer Erholungseinrichtungen die Polizei rufen, sobald sie bemerken, dass ein Bewaffneter diese betreten will. Die Polizei kann die Person dann auffordern zu gehen und sie wegen Hausfriedensbruchs anklagen, wenn sie sich weigert.

Die Anordnung ist der jüngste Versuch der Stadt Philadelphia, die Verbreitung von Waffen innerhalb der Stadtgrenzen zu regulieren. Dies war bislang durch die Gesetze im Bundesstaat Pennsylvania erschwert worden, nach denen Kommunen keine eigenen strengeren Waffenvorschriften erlassen oder durchzusetzen dürfen.

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Der jetzige Ansatz greift nach Angaben von Juristen der Stadt über deren Hausrecht über ihre eigenen Einrichtungen. Das unterscheide das Vorgehen von vorherigen Versuchen, die Waffenflut einzudämmen – diese waren allesamt vor Gericht niedergeschlagen worden.

Ein Anwalt der Waffenlobby hielt die Verordnung nach Angaben der Nachrichtenagentur AP für rechtswidrig. Er habe bereits in zwei Fällen erfolgreich gegen ähnlich gelagerte Versuche geklagt, sagte Joshua Prince.

562 Tötungsdelikte im vergangenen Jahr

Philadelphia leidet unter der ausufernden Waffengewalt. Nach Angaben von Bürgermeister Kenney auf der Pressekonferenz hat Philadelphia in diesem Jahr bereits sein 400. Tötungsdelikt verzeichnet. Damit steuere man auf den Wert von 562 des vergangenen Jahres zu – der größten Zahl seit Jahrzehnten.

sol/AP
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