Daten der »Washington Post« US-Polizisten haben 2021 mindestens 1055 Menschen erschossen

Nach den Protesten gegen Polizeigewalt leiteten viele US-Bundesstaaten Reformen ein. Trotzdem sind im vergangenen Jahr laut einem Medienbericht so viele Menschen von Beamten durch Schüsse getötet worden wie noch nie.
Demonstranten am 5. Februar in Minneapolis, kurz nachdem der 22-jährige Amir Locke von Polizisten getötet wurde

Demonstranten am 5. Februar in Minneapolis, kurz nachdem der 22-jährige Amir Locke von Polizisten getötet wurde

Foto: KEREM YUCEL / AFP

Einer Datenbank der »Washington Post«  zufolge haben Polizisten in den USA vergangenes Jahr mindestens 1055 Menschen erschossen. Das sei der höchste Wert seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2015, berichtete die Zeitung am Mittwoch. Im Jahr 2020 seien landesweit mindestens 1021 Menschen von Polizisten erschossen worden, im Vorjahr 999. Die Zahl der Todesfälle blieb damit trotz jüngster Bemühungen um Polizeireformen relativ konstant.

In den Vereinigten Staaten leben rund 330 Millionen Menschen und damit fast viermal so viele wie in Deutschland. Außerdem gelten dort Waffengesetze, die im Vergleich zumeist sehr lax gefasst sind. In Deutschland gibt es vergleichbare Daten zum tödlichen Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte etwa bei der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Demnach wurden zum Beispiel 2019 insgesamt 15 Menschen von Polizisten erschossen.

In den USA seien rund 85 Prozent der 2021 von Polizisten erschossenen Personen bewaffnet gewesen, berichtete die Zeitung. Die allermeisten Opfer (94 Prozent) waren demnach Männer. Die Datenbank der »Washington Post« zu den tödlichen Schüssen der US-Polizei gilt als verlässliche Quelle. Die von der Bundespolizei FBI erhobenen Daten dazu gelten als weniger zuverlässig, weil viele Polizeistellen Fälle gar nicht oder nur unvollständig nach Washington melden.

In den USA hatte die Tötung des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz im Mai 2020 zu massiven Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt. Floyd wurde zwar nicht erschossen, und taucht deshalb nicht in der Statistik der »Washington Post« auf. Doch viele Städte und Bundesstaaten leiteten infolge der beispiellosen Proteste Polizeireformen in die Wege. Auf Bundesebene scheiterten die Demokraten von US-Präsident Joe Biden mit ihren geplanten Reformen an einer Blockade der Republikaner im Senat.

Erst vergangene Woche war der 22-jährige Amir Locke von Polizisten getötet worden, als diese aufgrund eines umstrittenen Durchsuchungsbeschlusses eine Wohnung betraten.

cop/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.