Nach Sturm auf das US-Kapitol Republikaner treten offenbar massenhaft aus der Partei aus

Die Krawalle am US-Kapitol haben die Republikaner laut einem Medienbericht Zehntausende Mitglieder gekostet. Amerikanische Experten sehen darin den Beginn einer tiefgreifenden Veränderung.
Schadeten dem Ansehen der republikanischen Partei offenbar massiv: Randalierer vor dem US-Kapitol

Schadeten dem Ansehen der republikanischen Partei offenbar massiv: Randalierer vor dem US-Kapitol

Foto: ALEX EDELMAN / AFP

Seit der Niederlage Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl stecken die Republikaner gleich mehrfach in der Krise. Neben dem Sieg des Demokraten Joe Biden im Kampf ums Weiße Haus ist auch die ehemals republikanische Mehrheit im Senat dahin. Nun bricht der Partei offenbar auch noch ein Teil der Basis weg.

Wie die »New York Times « berichtet, haben Zehntausende Republikaner nach dem Sturm auf das US-Kapitol ihre Parteimitgliedschaft aufgekündigt. Wie die Zeitung nach Auswertung von Wahlregistern aus 25 US-Bundesstaaten berichtet, seien allein im Januar 140.000 Menschen aus der Partei ausgetreten. Dies sei ein deutlich stärkerer Abgang als sonst nach Präsidentschaftswahlen.

Die stärkste Austrittswelle binnen einem Tag löste dabei in den ausgewerteten Staaten offenbar der Sturm auf das US-Kapitol aus. Einen Tag nach dem Angriff auf den Parlamentssitz durch aufgewiegelte Anhänger Donald Trumps am 6. Januar traten allein in Kalifornien 3243 Republikaner aus der Partei aus. Am Tag vor dem Sturm aufs Kapitol waren es lediglich 1020.

Im deutlich bevölkerungsärmeren Arizona, wo Trump nach jahrzehntelanger republikanischer Dominanz extrem knapp verlor, war der Frust über die Eskalation in Washington offenbar noch größer. Traten in den ersten fünf Tagen des Januars nur 233 Republikaner aus der Partei aus, waren es in der Woche ab dem 6. Januar 3317.

Auch Demokraten verzeichnen Zehntausende Abgänge

Ein unmittelbarer Wechsel zu den Demokraten ist aber offenbar nicht erfolgt: Viele der ehemaligen Republikaner gaben nach ihrem Austritt an, keiner Partei anzugehören.

Dass es nach der Wahl zu massenhaften Parteiaustritten kommt, ist laut »NYT« keine Besonderheit. Auch die Demokraten mussten seit Januar fast 79.000 Abgänge verzeichnen.

Parteiaustritte bei den Republikanern womöglich nur »Spitze des Eisbergs«

In der deutlichen Steigerung im Vergleich zur Zeit vor dem Sturm aufs Kapitol sehen Experten der Zeitung zufolge den Beginn einer tiefgreifenderen Veränderung.

Womöglich hätten viele Republikaner die zuständigen Stellen noch nicht kontaktiert, um ihre Austritte einzureichen, zitiert das Blatt etwa Michael P. McDonald, Politikprofessor an der University of Florida. Die derzeitige Abwanderung der Mitglieder könne damit womöglich nur die »Spitze des Eisbergs« sein.

fek