Prozession über Brücke in Selma Die USA verabschieden sich von John Lewis

Der Sarg des verstorbenen John Lewis ist am Sonntag über jene Brücke gefahren worden, an der dieser während eines Bürgerrechtsmarschs 1965 schwer verletzt worden war. Die Trauerfeierlichkeiten gehen im Kapitol weiter.
Die Brücke ist nach dem Ku-Klux-Klan-Führer Edmund Pettus benannt, inzwischen gibt es eine Petition, sie nach Lewis zu benennen

Die Brücke ist nach dem Ku-Klux-Klan-Führer Edmund Pettus benannt, inzwischen gibt es eine Petition, sie nach Lewis zu benennen

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ERIK S LESSER/EPA-EFE/Shutterstock

In den USA haben am Wochenende Hunderte Menschen an den mehrtägigen Trauerfeierlichkeiten zu Ehren des am 18. Juli verstorbenen US-Bürgerrechtsaktivisten John Lewis teilgenommen. Der Auftakt fand am Samstag an der Troy-Universität im Bundesstaat Alabama statt, wo der Leichnam des ehemaligen demokratischen Kongressabgeordneten für einen Gedenkgottesdienst aufgebahrt wurde. 

In einem symbolträchtigen Akt war der Sarg am Sonntag über jene Brücke gefahren worden, an der Lewis während eines Bürgerrechtsmarschs 1965 schwer verletzt worden war. Der in die US-Flagge gehüllte Sarg stand auf einer offenen Kutsche, die von zwei Pferden über die Edmund-Pettus-Brücke in Selma im Bundesstaat Alabama gezogen wurde.

Menschen nehmen in Selma Abschied von John Lewis

Menschen nehmen in Selma Abschied von John Lewis

Foto: DAN ANDERSON/EPA-EFE/Shutterstock

Begleitet wurde die Kutsche von mehreren Familienmitgliedern, die teilweise T-Shirts mit Lewis' "Good Trouble"-Aufruf zum konstruktiven Protest trugen. Am Rande der Brücke sangen Trauernde die Bürgerrechtshymne "We Shall Overcome".

Lewis war 1963 Redner beim legendären Marsch auf Washington, bei dem Martin Luther King Jr. seine weltberühmte "I Have a Dream"-Rede hielt. Zusammen mit King organisierte er die Protestmärsche von Selma nach Montgomery, die den politischen Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung markierten.

Am Tag des ersten Marsches im März 1965, der als "Bloody Sunday", Blutiger Sonntag, in die Geschichte einging, war Lewis bei einem gewaltsamen Polizeieinsatz an der Brücke der Schädel gebrochen worden. Die Brücke ist nach dem Ku-Klux-Klan-Führer Edmund Pettus benannt, inzwischen gibt es eine Petition, sie nach Lewis zu benennen.

Während der Prozession waren rote Rosenblätter auf der Brücke verstreut worden - in Erinnerung an den Bloody Sunday.

Während der Prozession waren rote Rosenblätter auf der Brücke verstreut worden - in Erinnerung an den Bloody Sunday.

Foto: ELIJAH NOUVELAGE/ REUTERS

Leichnam wird im Kapitol aufgebahrt

Die Trauerfeierlichkeiten zu Ehren Lewis' sind für mehrere Tage angesetzt. Am Montag wird der Leichnam in der Rotunde des US-Kapitols in Washington aufgebahrt. Anschließend soll der Sarg bis Dienstag außerhalb des Kapitols aufgestellt werden.

Lewis war vor anderthalb Wochen im Alter von 80 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben. Wegen seiner Krebserkrankung hatte er sich in den vergangenen Monaten aus dem politischen Leben zurückgezogen. Anfang Juni kehrte Lewis inmitten der Anti-Rassismus-Demonstrationen in den USA noch einmal in die Öffentlichkeit zurück und zeigte sich auf einer in "Black Lives Matter Plaza" umbenannten Kreuzung in Washington.

ngo/AFP

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