Die USA in der Coronakrise Was Trump sagt - und wie es wirklich ist

Die Coronakrise hat die USA fest im Griff. Doch schon jetzt versucht der Präsident, die Geschichte seines Krisenmanagements umzuschreiben - natürlich zu seinen Gunsten. Vier Beispiele.
Von Roland Nelles, Washington
Donald Trump: Er versucht, die Geschichte der Coronakrise in den USA in seinem Sinne umzuschreiben

Donald Trump: Er versucht, die Geschichte der Coronakrise in den USA in seinem Sinne umzuschreiben

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JOSHUA ROBERTS/ REUTERS

Es ist fast jeden Tag die gleiche Prozedur seit Ausbruch der Coronakrise. Im Land sterben Hunderte Menschen, Krankenhäuser arbeiten an der Grenze der Belastungsfähigkeit. Donald Trump steht im kleinen Pressesaal des Weißen Hauses und spricht darüber, wie großartig er und seine Regierung angeblich arbeiten, um der Lage Herr zu werden.

"Ich glaube, wir machen einen tollen Job", sagte er unlängst. Wenn er sich und sein Team benoten müsste, würde er "zehn von zehn Punkten" verteilen. Und via Twitter erweckte er am Montag den Eindruck, die Krise könnte bald vorüber sein: "Es gibt Licht am Ende des Tunnels."

Das Eigenlob und der demonstrative Optimismus sind Teil der typischen Trump-Taktik: Den Wahltermin am 3. November fest im Blick versucht der Präsident, in der Krise eine möglichst gute Figur zu machen. Er präsentiert sich der Nation als "Kriegspräsident", der gegen einen "unsichtbaren Feind" zu Felde zieht und dabei praktisch alles richtig macht. Fehler, Versäumnisse werden dementiert und Kritiker attackiert.

Damit die Wähler ihm folgen, weckt Trump Hoffnungen auf vermeintliche Wundermittel oder ein baldiges Comeback der US-Wirtschaft. Vor allem versucht er aber vorsorglich, die Geschichte umzuschreiben: Obwohl er die Gefahr zu Beginn offenkundig unterschätzt hat, behauptet er nun, er habe die Pandemie lange kommen sehen. Trump betreibe offenkundig "Revisionismus", stellt die "New York Times" nüchtern fest .

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So hat Trump seit Beginn der Krise systematisch eine ganze Serie von widersprüchlichen Behauptungen gemacht und irreführende Aussagen getroffen. Das Ergebnis ist ein Zickzack-Kurs, der Freund und Feind gleichermaßen verwirrt. Die Presse-Briefings werden zum Teil zu Märchenstunden.

Was stimmt? Was ist übertrieben? Was falsch? Vier Beispiele für Trumps Verwirrspiel:

Trump und die Pandemie

Die Aussage: "Ich habe geahnt, dass das eine Pandemie werden würde, lange bevor es so genannt wurde", erklärte Trump am 17. März. Und danach: "Ich habe das immer sehr ernst genommen."

Die Realität: Trump hat die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, lange kleingeredet.

Von einer Pandemie hat er zunächst nie gesprochen. Als die Krankheit Ende Januar bereits in China tobte und auf andere Länder überzugreifen drohte, behauptete er, seine Regierung habe die "Lage vollkommen unter Kontrolle". Auf die Frage eines Reporters , ob er Sorge wegen einer möglichen Pandemie habe, sagte er am 22. Januar: "Nein, überhaupt nicht." Und: "Alles wird gut werden."

Dann behauptete er, die Krankheit werde im April "wie durch ein Wunder verschwinden".

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Und am 26. Februar sagte er: Die USA hätten sehr wenige Fälle. "Wir werden bald nur fünf Leute haben. Und in sehr kurzer Zeit könnten es nur noch zwei oder einer sein."

Trump und die Behandlungsmethoden

Die Aussage: "Es zeigt einige sehr gute Ergebnisse. Ich hoffe das, es wäre eine phänomenale Sache", erklärte Trump am 3. April zu den Aussichten, dass Anti-Malaria-Mittel wie Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19 eingesetzt werden könnten. Am 5. April sagte er, es gebe sehr starke Anzeichen dafür, dass es funktioniere.

Die Realität: Trump verbreitet seit Wochen die Hoffnung, dass Anti-Malaria-Mittel gegen das Virus helfen könnten. Größere klinische Tests dazu haben jedoch gerade erst begonnen. Viele Fachleute warnen davor , aus einigen Behandlungserfolgen voreilige Schlüsse über die Einsetzbarkeit des Mittels zu ziehen.

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Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA hat das Medikament nicht generell zur Behandlung von Covid-19 freigegeben. Auch Trumps Berater in der Corona-Task-Force, Anthony Fauci, hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Belege für die Wirksamkeit bislang dünn und "anekdotisch" seien. Man brauche für ernsthafte Aussagen zunächst noch "mehr Daten". Als Fauci am vergangenen Sonntag von Reportern erneut dazu befragt wurde, verhinderte Trump eine direkte Antwort des Experten. "Er hat diese Frage schon 15 Mal beantwortet", beschied der Präsident den Journalisten.

Immer wieder hat Trump auch Hoffnungen auf die schnelle Verfügbarkeit eines Impfschutzes verbreitet. Diesen werde es "sehr bald geben", sagte er am 7. März. Experten gehen davon aus, dass der Impfstoff erst im kommenden Jahr zur Verfügung stehen wird.

Anthony Fauci hat schon häufiger Aussagen von Donald Trump korrigiert - auch die zu möglichen Behandlungsmethoden

Anthony Fauci hat schon häufiger Aussagen von Donald Trump korrigiert - auch die zu möglichen Behandlungsmethoden

Foto: JONATHAN ERNST/ REUTERS

Trump und die Grippe

Die Aussage: "Eine Menge Leute haben gesagt, eine Menge Leute haben darüber nachgedacht: ‚Die Sache aussitzen. Tut nichts, lasst uns die Sache einfach aussitzen und wie die Grippe behandeln.‘ Aber das ist nicht die Grippe. Das ist hinterhältig", sagte Trump am 31. März über das Coronavirus.

Die Realität: Trump versucht hier erkennbar, nachträglich die Geschichte umzuschreiben. Er will vergessen machen, dass er selbst die Krankheit lange als eine Art Grippe abgetan hat. "Das ist eine Grippe. Das ist wie die Grippe", sagte er noch im Februar.

Trump hat die Ausbreitung des Virus offenkundig erst wirklich ernst genommen, als Ende März und Anfang April immer mehr Menschen daran starben. Da warnte er vor mehr als 100.000 Toten in den USA.

Zuvor hat er das Coronavirus mehrfach mit der Grippe verglichen und den Eindruck erweckt, man könne die Krise aussitzen. Noch am 26. Februar behauptete Trump: "Es ist ein bisschen wie die normale Grippe, für die wir Impfungen haben. Wir werden auch dafür ziemlich schnell eine Impfung haben."

Trump und die Tests

Die Aussage: "Die Original-Tests, die, die wir geerbt haben … waren kaputt, sie waren veraltet, das waren keine guten Tests”, sagte Trump am 3. April.

Die Realität: Seit Ausbruch der Krise hat Trump irreführende Aussagen zum Thema Sars-Cov-2-Tests gemacht. Mehrfach hat er versucht, den Eindruck zu erwecken, dass in den USA anfangs nicht richtig getestet worden sei, liege in der Verantwortung der Vorgängerregierung von Barack Obama. Aber: Das kann schon deshalb nicht sein, weil das Virus überhaupt erst seit Ende Dezember 2019 bekannt wurde, also lange nach dem Ende der Obama-Regierung. Ein Test für die Infektion konnte auch erst dann entwickelt werden.

Die zuständigen Gesundheitsbehörden arbeiteten bei der Entwicklung und Verteilung eines Tests zu Beginn nach mehreren US-Medienberichten zu langsam und ineffizient. Dies allein der Obama-Regierung anzukreiden, ist jedoch ebenfalls schwierig. Schließlich ist Trump seit mehr als drei Jahren Präsident. Seine Regierung hätte genug Zeit gehabt, sich auf den Ausbruch einer möglichen Pandemie vorzubereiten.

Wenn sie das Thema selbst wirklich ernst genommen hätte.

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