Krisendiplomatie Amerikanischer und russischer Außenminister vereinbaren persönliches Treffen

Der Westen befürchtet eine russische Invasion in der Ukraine. Am Freitag wollen nun US-Außenminister Blinken und sein russischer Amtskollege Lawrow über eine Lösung des Konflikts sprechen – auf neutralem Territorium.
US-Außenminister Anthony Blinken, russischer Amtskollege Sergej Lawrow (im Dezember 2021 in Stockholm)

US-Außenminister Anthony Blinken, russischer Amtskollege Sergej Lawrow (im Dezember 2021 in Stockholm)

Foto: Russian Foreign Ministry / imago images/ITAR-TASS

Russland hat rund 100.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Der Westen fürchtet nun einen Einmarsch ins Nachbarland. Angesichts der schweren Spannungen im Ukrainekonflikt plant US-Außenminister Antony Blinken nun ein Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow am Freitag in Genf.

Ziel sei es, die diplomatischen Gespräche fortzusetzen und Russland dazu zu bringen, unverzügliche Schritte zur Deeskalation zu unternehmen, sagte eine hohe Beamtin des US-Außenministeriums. »Minister Blinken ist zu 150 Prozent engagiert, um zu sehen, ob es einen diplomatischen Ausweg gibt«, sagte die Regierungsvertreterin.

Blinken hatte zuvor mit Lawrow telefoniert. »Im Rahmen dieses Gesprächs beschlossen die beiden, dass es sinnvoll wäre, sich persönlich zu treffen«, hieß es weiter.

Wegen eines massiven russischen Truppenaufmarschs an der Grenze zur Ukraine befürchtet der Westen, dass Russland einen Einmarsch in das Nachbarland vorbereitet. Die Regierung in Moskau bestreitet das.

Sorge über Ankunft russischer Soldaten in Belarus

Die Regierungsvertreterin in Washington zeigte sich nun zudem besorgt über die Ankunft russischer Truppen in Belarus. Dies würde Russland eine weitere Option geben, sollte die Regierung in Moskau sich entscheiden, militärisch gegen die Ukraine vorzugehen. Die russischen Soldaten waren nach Angaben des belarussischen Verteidigungsministeriums für ein gemeinsames Militärmanöver verlegt worden.

Man arbeite weiter sehr eng mit den Verbündeten zusammen, um sicherzustellen, dass es »massive Konsequenzen« geben werde, sollte Russland sich für eine weitere militärische Aggression gegen die Ukraine entscheiden. »Wir befinden uns jetzt in einer Phase, in der Russland jederzeit einen Angriff auf die Ukraine starten könnte«, warnte die Beamtin. Verhandlungen zwischen den USA und Russland im Nato-Russland-Rat sowie im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der vergangenen Woche blieben weitgehend ergebnislos.

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Weißes Haus warnt vor drohender Kriegsgefahr

Blinken trifft am Mittwoch in Kiew den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den Außenminister Dmytro Kuleba. Am Donnerstag reist Blinken weiter nach Berlin, wo er unter anderem mit der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock zusammenkommen will. Das Treffen mit Lawrow sei eine Gelegenheit für die USA, zu schauen, wo es eine Möglichkeit für Moskau und Washington gebe, eine gemeinsame Basis zu finden, hieß es weiter aus dem US-Außenministerium. »Diplomatie ist nicht tot«, so die Beamtin.

Inmitten der diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung der Ukraine-Krise haben die USA zudem vor einer militärischen Eskalation des Konflikts gewarnt. »Wir befinden uns jetzt in einem Stadium, in dem Russland jederzeit einen Angriff auf die Ukraine starten könnte«, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, in Washington. Die Lage sei »äußerst gefährlich«. Die US-Regierung halte sich daher alle Möglichkeiten offen. »Keine Option ist vom Tisch«, sagte Paski.

asc/dpa/AFP
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