Erstmals seit Kriegsbeginn US-Außenminister Blinken kündigt Telefonat mit Lawrow an

Es wäre das höchstrangige amerikanisch-russische Gespräch seit Beginn des Kriegs in der Ukraine: Antony Blinken will mit seinem Amtskollegen Sergej Lawrow sprechen – unter anderem über die Freilassung zweier festgehaltener US-Bürger.
Außenministerkollegen Antony Blinken, Sergej Lawrow (Ende Januar in Genf)

Außenministerkollegen Antony Blinken, Sergej Lawrow (Ende Januar in Genf)

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Sergei Bobylev / imago images/ITAR-TASS

US-Außenminister Antony Blinken hat angekündigt, mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu sprechen. Er werde in den kommenden Tagen zum ersten Mal seit dem russischen Angriff mit Lawrow telefonieren und ihn zu einer Antwort auf ein »substanzielles Angebot« drängen, das die US-Regierung Moskau unterbreitet habe.

Wie Blinken auf einer Pressekonferenz in Washington sagte, geht es um die Freilassung der US-Basketballerin Brittney Griner und des amerikanischen Staatsbürgers Paul Whelan. »Sie müssen nach Hause kommen dürfen. Wir haben schon vor Wochen ein substanzielles Angebot auf den Tisch gelegt, um die Freigabe zu erleichtern«, sagte Blinken weiter. Er nannte keine Einzelheiten zu dem Angebot.

Einem CNN-Bericht zufolge hatte die Biden-Regierung im Juni angeboten, den inhaftierten Waffenhändler Viktor Bout gegen Griner und Whelan auszutauschen. Bout verbüßt derzeit eine 25-jährige Haftstrafe in den USA.

Der Fall Trevor Reed habe gezeigt, dass der Präsident bereit sei, schwierige Entscheidungen zu treffen, sagte Blinken weiter. Russland hatte im April den Ex-Soldaten Trevor Reed an die USA übergeben, im Austausch gegen den russischen Piloten Konstantin Jaroschenko.

Die Basketballerin Brittney Griner wird seit Mitte Februar festgehalten,  seit ihr Gepäck auf einem Moskauer Flughafen durchsucht worden war. Sie wird beschuldigt, Drogen nach Russland gebracht zu haben. Whelan wurde im Dezember 2018 in einem Hotel in Gewahrsam genommen, wegen Spionage angeklagt und später zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.

US-Außenminister Blinken bei der Pressekonferenz im Weißen Haus: »Sie müssen nach Hause kommen dürfen«

US-Außenminister Blinken bei der Pressekonferenz im Weißen Haus: »Sie müssen nach Hause kommen dürfen«

Foto: OLIVIER DOULIERY / AFP

Blinken sagte zudem, er werde mit Lawrow über die Dringlichkeit sprechen, dass Russland das von der Uno vermittelte Abkommen zum Getreideexport einhalte. Auch wolle er seinen russischen Amtskollegen vor Versuchen warnen, Teile der Ost- und Südukraine zu annektieren.

Sollte der Anruf stattfinden, wäre es das erste Gespräch, das Blinken und Lawrow seit dem 15. Februar geführt haben – etwa eine Woche vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine.

Auf Bali gingen sich beide aus dem Weg

Blinken und Lawrow waren einander Anfang Juli aus dem Weg gegangen, als sie sich beide bei einem Treffen der G20-Außenminister auf Bali aufhielten. Lawrow war damals direkt nach seinem Wortbeitrag gegangen . Kommende Woche sollen beide gleichzeitig in Phnom Penh in Kambodscha sein, wo sie zu einem Treffen der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean eingeladen wurden.

sol/dpa/AP/Reuters
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