Spannungen an der Grenze USA und Russland sprechen am 10. Januar über Ukrainekrise

Russlands Drohgebärden an der Grenze zur Ukraine haben die Nato-Staaten aufgeschreckt. Nun kündigen das Weiße Haus und der Kreml direkte Gespräche an. Auch Atomwaffen sollen ein Thema werden.
Russische Raketensysteme bei Übung im Dezember 2021

Russische Raketensysteme bei Übung im Dezember 2021

Foto: RUSSIAN DEFENCE MINISTRY PRESS SERVICE / HANDOUT / EPA

Vertreter der USA und Russlands wollen am 10. Januar über den Ukraine-Konflikt sowie über Atomwaffenkontrolle beraten. Das sagte ein Sprecher des Weißen Hauses am Montagabend der Nachrichtenagentur AFP. Aus der US-Machtzentrale hieß es, man freue sich auf diese Gespräche.

Zwei Tage später sind Treffen zwischen Vertretern Russlands und der Nato geplant, am 13. Januar sollen Beratungen zwischen Russland und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) folgen. Die Spannungen zwischen Russland und dem Westen wegen des Ukraine-Konflikts hatten sich zuletzt deutlich verschärft.

Russland hat Entwürfe für zwei Abkommen mit den USA und der Nato veröffentlicht, mit denen eine Osterweiterung des Militärbündnisses sowie die Errichtung von US-Militärstützpunkten in Staaten der ehemaligen sowjetischen Einflusssphäre untersagt werden sollen. Die weitreichenden Forderungen wurden von mehreren Nato-Mitgliedern zurückgewiesen.

Russland warnt vor Eskalation

Angesichts eines massiven russischen Truppenaufmarsches an der Grenze zur Ukraine gibt es Befürchtungen, Moskau könnte das Nachbarland angreifen. Russland dementiert jegliche Angriffspläne.

In der Ostukraine herrscht bereits seit 2014 Krieg zwischen prorussischen Rebellen und der ukrainischen Armee. Die Ukraine und westliche Staaten werfen Moskau vor, die Separatisten militärisch zu unterstützen, was der Kreml bestreitet.

Erst am gestrigen Montag hatte das Verteidigungsministerium in Moskau westliche Militärattachés vor der Gefahr eines bewaffneten Konflikts mit der Nato gewarnt. »In der letzten Zeit ist die Allianz zu einer Praxis direkter Provokationen übergegangen, die ein hohes Risiko darstellen, sich zu einer bewaffneten Konfrontation auszuweiten«, sagte der stellvertretende russische Verteidigungsminister Alexander Fomin vor Diplomaten in Moskau.

Hunderte Einsätze wegen russischer Flugzeuge

Russland kritisiert, dass die Nato seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor 30 Jahren Militärbasen und Waffensysteme immer näher an Russland verlege. Allein in Osteuropa seien inzwischen dauerhaft 13.000 Soldaten von Nato-Staaten und unter anderem 200 Panzer und 30 Flugzeuge und Hubschrauber stationiert.

In der Nacht war zudem bekannt geworden, dass Kampfflugzeuge der Nato in diesem Jahr bereits rund 370 Alarmstarts in Europa absolviert haben. Bei 290 der Einsätze ging es um die Identifizierung und Überwachung russischer Flugzeuge.

Die meisten Flugzeuge seien im Baltikum abgefangen worden. Diese Einsätze seien in der Regel ohne Zwischenfälle abgelaufen. Nato-Flugzeuge hätten die betroffenen Luftfahrzeuge lediglich aus dem Bereich eskortiert. Nur sehr wenige Flugzeuge seien in den Nato-Luftraum eingedrungen.

Im Vergleich zu 2020 ist die Zahl der russlandbezogenen Alarmstarts 2021 gesunken: Damals waren es rund 350 gewesen.

jok/AFP