Nach jahrelanger Geheimhaltung USA veröffentlichen wieder Anzahl ihrer Atomsprengköpfe

Ex-Präsident Donald Trump hatte die Zahl zum Militärgeheimnis erklärt, sein Nachfolger ist um Transparenz bemüht: Die US-Regierung teilt mit, über so wenige Atomsprengköpfe zu verfügen wie seit 1967 nicht mehr.
Eine Titan-II-Interkontinentalrakete der USA steht in einem Museum in Arizona: Besucherinnen und Besucher werden dort unter anderem über den Kalten Krieg informiert

Eine Titan-II-Interkontinentalrakete der USA steht in einem Museum in Arizona: Besucherinnen und Besucher werden dort unter anderem über den Kalten Krieg informiert

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI / AFP

Die USA haben erstmals seit mehreren Jahren die Zahl ihrer Atomsprengköpfe veröffentlicht. Nach Angaben des Außenministeriums vom Dienstag  konnte die Regierung am 30. September vergangenen Jahres auf 3750 einsatzbereite und nicht einsatzbereite Atomsprengköpfe zurückgreifen. Das seien 55 weniger als ein Jahr zuvor.

Zu der vom Ministerium genannten Zahl kommen allerdings rund 2000 ausgemusterte Atomsprengköpfe hinzu, die zurückgebaut werden sollen. Die aktuelle Zahl ist die niedrigste seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges mit Russland im Jahr 1967: Damals verfügten die USA über 31.255 Sprengköpfe.

Der frühere US-Präsident Donald Trump hatte die Zahl der Atomsprengköpfe zum Militärgeheimnis erklärt und sie auch nach Aufforderung der Federation of American Scientists (FAS) nicht mitgeteilt. Zuletzt wurden die Zahlen im März 2018 veröffentlicht: Damals hieß es, die USA hätten im September des Vorjahres über 3822 Atomsprengköpfe verfügt.

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»Zurück zur Transparenz«, kommentierte nun Hans Kristensen die aktuelle Bekanntgabe des Außenministeriums; er ist Direktor des sogenannten Nuclear Information Project bei der FAS. Die Biden-Regierung sei klug, die Politik der Vorgängerregierung umzukehren. Dass die Lagerbestände nun offengelegt wurden, werde US-Diplomaten bei Rüstungskontrollverhandlungen und auf der Konferenz des Atomwaffensperrvertrags im nächsten Jahr helfen, sagte Kristensen.

Die Regierung von US-Präsident Joe Biden bemüht sich um eine Wiederaufnahme der Rüstungskontrollgespräche mit Russland. Mehr Transparenz bei den staatlichen Atomwaffenbeständen sei »wichtig für die Nichtweiterverbreitung und Abrüstungsbemühungen«, erklärte das Außenministerium.

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Unter Trump hatten die USA ihre Abrüstungsvereinbarungen mit Russland insgesamt reduziert. So stiegen sie aus dem INF-Vertrag über die atomare Abrüstung im Mittelstreckenbereich aus. Auch kündigten die USA den Open-Skies-Vertrag über Rüstungskontrolle aus der Luft auf. In den Verhandlungen über eine Verlängerung des New-Start-Abkommens trat Trump erfolglos für eine Einbeziehung Chinas ein.

Das New-Start-Abkommen verlängerten die USA und Russland kurz nach dem Amtsantritt von Biden. Es wäre sonst am 5. Februar ausgelaufen. Mit der Unterzeichnung verpflichteten sich Washington und Moskau dazu, ihre atomaren Sprengköpfe jeweils auf maximal 1550 zu reduzieren.

In der vergangenen Woche nahmen russische und US-Diplomaten in Genf Gespräche hinter verschlossenen Türen auf, um über ein Nachfolgeabkommen für New Start und über konventionelle Waffen zu beraten. Ein US-Vertreter nannte die Gespräche »produktiv«. Beide Seiten erklärten, allein die Tatsache, dass die Gespräche stattfänden, sei positiv.

Laut einer Zählung des schwedischen Friedensforschungsinstituts in Stockholm (Sipri) vom Januar, die auch ausgemusterte Sprengköpfe erfasste, hatten die USA 5550 Sprengköpfe, Russland 6255, China 350, Großbritannien 225 und Frankreich 290. Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea verfügten demnach zusammen über rund 460 Atomsprengköpfe.

aar/AFP/AP
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